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Wir bewegten uns von Ettlingen durch das Albthal, Markzell, Frauenalb, Kuhlmühl (erster würtembergischer Ort), den Ro- thensoler Berg hinan bis hierher, wo die Truppen ein Bivak bezogen. Der Marsch dauerte gestern, 7., bei der zweiten Brigade sogar 9 Stunden. Es scheint hier dem Neckarkorps eine ähnliche Aufgabe geworden, wie bei der Operation durch den Odenwald; was dort die Neckarlinie, ist hier die Murg­linie. Debouchirt cs rechtzeitig bei OoS, so ist der Feind voll­ständig umgangen, während ihn der Prinz von Preußen in der Fronte angreift. Nach dem, was ich vorgestern in Karls­ruhe hörte, dürfte allerdings noch ein ernstlicher Widerstand von den Aufständischen zu erwarten sein. Denn außer der badischen Artillerie befinden sich noch viele verzweifelte Men­schen darunter, so z. B. Polen auS sardinischen Diensten. Am übelsten soll die sogenannte ungarisch-deutsche Legion in Karls­ruhe gehaust haben.

Der Feind hat das Defilee bei Gernsbach verbarrikadirt und verschanzt und steht daselbst mit Geschütz. Es wurde be­stimmt, noch um halb 12 Uhr Nachts hier wieder aufzubrechen und ihn mit Tagesanbruch daselbst zu überfallen, als plötz­lich Gegenbefehl kam. Gestern muß ein Gefecht der Preußen mit dem Feinde in der Gegend nach Rastatt hin stattgefunden haben; man hörte die Kanonade; möglich, daß dieses die ein- getretene Aenderung in dem beschlossenen nächtlichen Ueberfall veranlaßte. Die Truppen stehen in dem gerade vor mir liegen­den Bivak, der auf dieser Höhedes Schwarzwaldes (2000Fuß über der Meeresfläche) ein malerisches Bild bietet, schon unter den Waffen und eben schlagen die Tamboure zum Abmarsch. Sie befanden sich übrigens auf dieser sogar wasserarmen Höhe nicht zum Besten, und müssen heute dieselbe Wegstunde, die sie gestern bergan stiegen, wieder zurück machen, um nach Herrenalb zu gelangen, daher man im Albthale, meiner Ansicht nach, wohl besser bivakirt hätte.

Karlsruhe, 29, Juni. (O.-P.-A.-Z.) Während des ganzen Tages hörte man heute in der Gegend nach Rastatt hin eine ziemlich lebhafte Kanonade, die namentlich gegen den Nachmit­tag an Stärke zunahm. Es ist dies ein Zeichen, daß es nun abermals zum Kampfe gekommen ist, wahrscheinlich zwischen Malsch und Muggensturm. Die Freischaaren haben dort eine sehr günstige Position inne und es wird einige Mühe kosten, sie aus den Wäldern zu vertreiben. Das Hauptquartier des Prinzen von Preußen ist heute in Ettlingen. Der Prinz Fried­rich Karl, welcher seinen Oheim heute früh begleitete, kehrt heute noch zurück.

Diesen Vormittag wurde im Schlosse großer Staatsrath gehalten, dem auch der neue Chef des Staatsminifteriums, Staatsrath Klüber, beiwohnte. Nachmittags hat sich derselbe nach Mainz zum Großherzog begeben.

Nachschrift. Die Kanonade hat bis gegen 6 Uhr fortgedauert. Um 5 Uhr war sie am stärksten. Wie man hört, sind die Aufständischen von zwei Seiten angegriffen worden, vom Peucker'scken auf der einen, vom Hirschfeld'schen Korps auf der andern. Aus dem Umstand, daß die Kanonade immer mehr sich verzog, läßt sich annehmen, daß die Truppen siegreich vorgerückt sind. Um 6 Uhr war es ganz stille.

Karlsruhe, 30. Juni. Die Kanonade bei Malsch und Muggensturm, welche gestern Abend um 6 Uhr aufgehört hatte, fing eine Stunde später, gegen 7 Uhr, wieder an und dauerte in ununterbrochener Heftigkeit bis in die Nacht hinein. Zwi- ' schen 8 und 9 Uhr vernahm man schweren Geschützdonner, der wahrscheinlich von den Wällen Rastatt's herrührte. Wie man jetzt hört, hatte der gestrige Kampf, jedenfalls der hartnäckigste von allen bisher gewesenen, das Vordringen des Peucker'schen Korps über die Murg zur Folge. Die Freischaaren sollen sehr viele Verlufte gehabt, aber auch die Truppen nicht wenig ge­litten haben. Einer Bekanntmachung des preußischen Gou­verneurs, Oberst v. Brandenstein zufolge, wird unsere Stadt für die nächste Zeit keine Einquartierung mehr, sondern nur eine Garnicht, von 1600 Mann und 200 Pferde erhalten. Für die Verpflegung derselben hat die Stadt zu sorgen. Trotz der gegeniheiligen Angaben einiger Blätter, wird die Rückkehr des Großherzogs dennoch so bald nicht erfolgen. Jedenfalls so lange nicht, als der Kriegszustand dauert, und dieser wird erst dann aufhören, wenn die Aufrührer nach der Strenge des Ge­setzes gerichtet seyn werden. Die Handhabung des' Kriegszu­standes geschieht übrigens hier so mild, daß man, die strenge Fremdenkontrole abgerechnet, gar nichts davon gewahr wird

I Nachschrift. So eben höre ich aus sicherer Quelle, >daß die Preußen gestern die Außenwerke von Ra­statt genommen haben. Die Favorite ist zusammen- geschossen worden.

Karlsruhe, 30. Juni, Morgens. (O.-P.-A.-Z.) Ueber das Gefecht, das gestern in der Nähe Rastatts stattfand, er­fährt man, daß dasselbe in Muggensturm (zwischen hier und Rastatt) war. Es dauerte gegen 12 Stunden und endete mit dem vollständigen Sieg der königl. preußischen Truppen, welche sämmtliche feindlichen Schanzen und Vorwerke mit Sturm nahmen. Das Hauptquartier des Prinzen von Preußen ist in Ettlingen, das des General Peucker in Baden-Baden, welcher den Feind umgehen und ihm den Rückzug abschneiden will. Rastatt soll zcrnirt sein. Ausgezeichnet hat sich besonders das 16, Landwehr- und das 27. Infanterieregiment. Einer der Volks­wehrkommandanten, Kinkel, ist von den Preußen gefangen worden. Er hat eine leichte Wunde am Kopf.

Frankreich.

Paris, 29. Juni. Der Präsident der Republik besuchte gestern mit Gefolge das Ludwigs-Spital, und gab über die allenthalben herrschende Ordnung, sowie über die täglich ab­nehmende Zahl der Choleraopfer, seine freudige Besriedigung zu erkennen. DieGeschichte der Revolution von 1848" von Lamartine wird dieser Tage dahier in zwei Bänden Groß­oktav ausgegeben werden. In Bezug auf die gestern an die Nationalversammlung gerichteten Ansuchen um Ermächtigung zur gerichtlichen Verfolgung von 13 Repräsentanten äußert die Presse" starke Bedenken darüber, ob gegen sämmtliche Ange­schuldigte begründeter Verdacht vorliege, Vergehen solcher Art begangen zu haben, daß das Ansinnen an die Versammlung, eine Anzahl ihrer Mitglieder der Justiz auszuliefern, gerecht­fertigt erscheinen könne. DiePresse" warnt die Justizbehörde, nicht leichtfertig die Anklagen und Verfolgungen zu vervielfa­chen; denn ihre Pflicht sey, Gesetzwidrigkeiten zu unterdrücken, nicht aber zu ächten und sich zum Werkzeuge von Parteileiden­schaften herzugeben; sie solle bie, Gesellschaft schützen und dir Ordnung vertheidigen, keineswegs jedoch die Revolution immer- während machen.

Ungarn.

Preßburg, 25. Juni. (A. Z.) Nun scheint eS Ernst wer­den zu wollen mit den Kriegsoperationen. Seit heute Nacht 12 Uhr passiren ununterbrochen Truppen und Troß aller Art hier durch auf das rechte Donauufer und jetzt, da ich schreibe es ist 5 Uhr hat der Zug noch kein Ende. Zuerst kam um Mitternacht österreichische Infanterie (die ich übri­gens aus einem leicht zu errathenden Grund nicht gesehen habe) dann ununterbrochen in unabsehbaren Reihen Wagen an Wagen, mit Kriegsbedürfnissen aller Art; zwischenhinein schwer beladene Packpferde, Osfizièrseqnipagen, Handpferde, Schlacht, ochsen 2C. Um 11 Uhr zogen 14 Schwadronen prächtiger öster­reichischer Kürassiere ein, in ihren weißen Uniformen, mit schwarzen Kürassen und hcllblinkenden Helmen, ein herrlicher Anblick. Den schweren Panzerreitern folgte österreichische Ar­tillerie, ich weiß nicht wie viel das Zählen war mir zU langweiligKanonen- und Rakettenbattkrieen nebst einer ent­sprechenden Menge von Munitionswagen. Endlich erblickte man einen Wald von Federbüschen, es war der Oberkomman- birenbe, Feldzeugmeister von Haynau, neben dem russischen General Paniutine und einem glänzenden Gefolge von russi­schen und österreichischen Generalen, Stabsossizieren und Ad­jutanten. Hinter der Suite kamen 12 bis 14,000 Mann russischer Infanterie, an der Spitze jedes Regiments die Musik im Vorbeigehen bemerkt bei weitem nicht so gut, als.die österreichischen RegimentSmusiken, der Regimentstambour was bei uns auffällt zu Pferd. Meinen nächsten Brief werden Sie wahrscheinlich nicht mehr von hier erhalten, da, wie ich-höre, das Hauptquartier morgen weiter rücken soll. Auf Morgen wird Seine Maj. Kaiser Franz Joseph hier er­wartet.

Verantwortlicher Redakteur; W. H. Riehl.

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