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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

.5" 15 ». Montag den 2. Juli 1849.

Dritte Ausgabe.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Dienstu a ch richten.

Nichtamtlicher Theil.

Deutschland. Limburg (Die Wühlerei und die Geistlichen). Dar m- stadt (Vom Kriegsschauplätze).< Karlsruhe (Vom Kriegsschauplätze). Angarn. Preßburg (Die Russen).

Frankreich. Paris (Tagesbericht).

Amtlicher Theil.

Dem Amtsapotheker Kölges zu Rüdesheim ist die Dienst­entlassung ertheilt und der geprüfte Kandidat der Pharmacie Christian Ebel von Wiesbaden zum Amtsapotheker für den Bezirk Rüdesheim ernannt worden.

Der Lehrgehülfe Finkler zu Wiesbaden ist zum Lehrer daselbst ernannt worden.

Die Lehrgehülfenstelle in Mensfelden ist dem Schulkandi, baten Müller von Singhofen provisorisch übertragen worden.

Nichtamtlicher Theil.

Deutschland.

Limburg, 28. Juni. In letzter Sitzung unseres Ge­meinderathes äußerte eines seiner Mitglieder, man müßte sich bei der politischen Lahmheit, die in Limburg herrsche, schämen, ein Limburger zu seyn. Lahm allerdings sind wir in der Un­terstützung aller anarchischen Bestrebungen, denen man von an­derer Seite unter beliebigem, die Sache beschönigendem Namen das Wort redet, um erst das Volk zu verblenden, und dann zu mißbrauchen. Der Geist des Volkes in unserm Nassau war vor dem 4. März 1848 eine weiße Tafel, fähig zur Aufnahme einer jeden Schrift. Daß nun die Demokraten und Sozialisten dieses Blatt besudelten, ist ein Schade, den sie verantworten mögen. Das Volk aber fängt jetzt an sich zu begreifen, und wird bald jene Schmach getilgt haben; sein Geist ist zu ge­sund, als daß jetzt, nachdem ihm seine falschen Freunde einiges politische Licht gegeben, ihre traurigen Pläne nicht durch­schauen sollte. Regte sich doch, da die Regierung mit Ernst jener Despotie von Unten entgegentrat und die Leute entfernte, denen sie vergebens ihr Zutrauen geschenkt/ zu deren Verthei­digung weder Hand noch Feder, so daß der HofgerichtSpräsirent sich selber mußte an den Pranger stellen!

Mögen jetzt immer diese Männer des Volkes (!) in Kir­berg als provisorische Regierung tagen und berathen über den bequemsten Weg zur Revolution, die ihre selbstsüch­tigen Absichten realisiern soll, mögen sie sich berathen über das Blendwerk, mit dem sie neuerdings des Volkes Auge fesseln wollen, um ungestört agiren zu können, das Volk ist durch Erfahrungen klug gemacht, und wird sich nicht bethören lassen!

Sehen wir das unglückliche Baden! War hier ein Grund zur Revolution vorhanden, waren nicht alle Wünsche des Volkes .gewährt, war nicht die Nationalversammlung, die doch zuletzt ihre Unfähigkeit einsah, sich auflöste und jetzt die letzten An­strengungen zur Rettung ihres Lebens macht, anerkannt, und galten nicht ihre Beschlüsse als höchstes Gesetz? Der Frevel der Empörung hat sich gerächt. Baden ist auf eine lange Reihe von Jahren ein unglückliches Land, dem die Leiter der Revolu­tion lachend den Rücken kehren, und eine weitere Gelegenheit suchen zur Realisirung ihrer selbstsüchtigen Zwecke, für die sie so viele Menschenleben und das Glück eines Volkes geopfert haben.

Und wo ist der Nutzen, der für alle jene Schätze erkauft wurde? Wer hat etwas gewonnen durch die deutsche Revolu­tion? Hat nicht jeder Stand größere Lasten zu tragen und mehr zu klagen denn je? Dafür hast du, mein Volk, dein Gut und Blut nicht eingesetzt; aber die, denen du vertrautest, haben dich hintergangen und geopfert!

Das größte Hinderniß, das sich dem Revolutionsgelüste entgegenstellte, war die Religiosität des Volkes; und ihr ver­danken wir, daß nicht alle Schranken des Rechtes fielen. Daraus erklärt sich auch ganz natürlich, warum unsre Demo­kraten so entsetzliche Feinde der Geistlichkeit sind, die bemüht ist, einen rechtlichen Zustand zu wahren.

Mächtig wirkt, zumal auf dem Land, der Einfluß des Geistlichen auf die Gemeinde. Wo wir von einem tobsüchtigen Orte gehört haben, ävird uns in der Regel auch Kunde ge­worden seyn vom böswilligen Treiben seiner Geistlichen, sey es nun, daß dieS in offenen Aufreizungen, oder in einer un­verständigen Brutalität bestand. Merkwürdig ist die Beobach­tung facta loquuntur daß im Allgemeinen, wo nicht andere, größere Momente hinzutreten, in den katholischen Theilen unseres Herzogthums ein um Vieles besserer Geist herrscht, als in den protestantischen. Der Grund davon liegt aber ganz einfach darin, daß der katholische Geistliche sich der Bewegung ferne hielt, während gar mancher protestantische als Leiter der Bewegung auftrat, oder doch seiner Privatintcreffen wegen sich derselben anschloß. Das war es wohl, .was dem oben angeführten Ausspruche zu Grunde lag. Ich bin weit entfernt, einem jesuitischen Treiben das Wort reden zu wollen, aber auf der anderen Seite ist es doch eine Schmach, wenn Die, die da wachen sollen überdaS geistige Wohl eines Vol­kes, cs seinem Verderben entgegenführen.

Großes Interesse erregte hier d:e, wenn auch überaus einseitig gehaltene Schrift":über einige Mißstände in der Diözese Limburg 2c.", welche im Allgemeinen nur eine Zu­sammenstellung von stadtkundigen Thatsachen ist.

Wir behalten uns vor, demnächst daraus zurückzukommen.

Darmstadt, 30. Juni. (Darmst. Z.) Unser Korrespon­dent vom Neckarkorps berichtet aus Rothensol auf der Höhe des Schwarzwaldes, unweit Herrenalb vom 29. Juni 5 Uhr Morgens:

In Folge Marschbefehls Sr. K. Hoheit des Prinzen von Preußen trat daö Neckarkorps gestern Morgens den Marsch durch daS Albthal an, um die Murg zu passiren und um am 30. in die Ebene des Rheinthales bei OoS zu debouchiren.