Nassauische
Allgemeine Zeitung.
M ISS
Samstag den SO Juni
1849.
tz^^ Wir sehen uns in Stand 'gesetzt vom 1. Juli d. J. an den vierteljährlichen Pränumerationspreis unseres Blattes^ für den Umfang des Herzogtums Nassau, der hessischen Länder und der freien Stadt Frankfurt in der Weise zu ermäßigen, daß die Zeitung einschließlich des Postaufschlags im bezeichneten Bezirke von nun an zu demselben Meise abgegeben wird, wie in Wiesbaden, nämlich zu 2 fl. für das Vierteljahr, und in den übrigen Ländern des Murn- und Taxis'schen Verwaltungsbezirkes zu 2 fl. 10 fr.
Beim Herannahen des neuen Quartals bitten wir die Bestellungen auf unsere Zeitung möglichst frühzeitig machen zu wollen, damit wir im Stande sind, von vornherein vollständige Exemplare zu liefern.
Die Expedition der Nass. Allg. Zeitung.
Uebersicht.
Zur Schulfrage.
Zur Drientirung über die Zwecke der Gothaer Versammlung.
Deutschland. Wiesbaden (Die Bürgerwehr). — Aus dem AI» t e
Runkel (Die Wähler und der Landeskongreß. Gemeinderathsbeschluß).
— Runkel (Unglücksfalle bei Walfenhausen). — Frankfurt (Vom Kriegsschauplätze. Preußiche Garnison). — Wien (Karrikatur).
Ungarn Preßburg (Die Schlacht an der Waag).
Nachschrift.
® Zur Schulfrage
Seit den Märztagen vorigen Jahres hat sich der deutsche Lehrerstand in starke Bewegung gesetzt, um auch von seiner Seite nicht zurückzubleiben und zu thun, was zur Neubildung der Zeit gehört. Das Rauschen des bewegten Zeitgeistes hat besonders eine Anzahl nassauischer Lehrer ergriffen, die sich, um nicht zu spät zu seyn, von dem Strome mit fortreißen ließen. Schon am 18. März vorigen Jahres erließ mit Eile eine Anzahl Wiesbadner Lehrer ein Schreiben an die Lehrer sämmtlicher Inspektionen des HerzogthumS und forderte darin zu Versammlungen auf. Seitdem hat es daran nicht gefehlt; kleinere und größere sind an vielen Orten veranstaltet worden und eS ist manches, wohl zu laut gesprochene Wort, auf einen, nicht eben genugsam empfänglichen Boden gefallen.
Bei den berathenden Besprechungen machte man sich die bisherige Beaufsichtigung der Schulen zu einer Hauptangelegenheit. Die Geistlichen, als solche, müßten der Beaufsichtigung enthoben seyn, das war der einstimmige Ruf Vieler. Ich betrachte die Schulfrage als noch nicht abgethan und gebe weiter zu bedenken, ob es weise gethan ist, den Lehrern selbst die Beaufsichtigung zuzulassen und'sie den Geistlichen gänzlich entziehen. — Der Endzweck der Schule und der Kirche ist einer und zwar der höchste unseres beiderseitigen Strebens. Soll das Christenthum , was unseren Schulen fehlt, in ihnen angebahnt werden, so ist die Kirche zur Milhülfe durchaus nöthig. Hier, wie sonst nirgends, bedarf eS. so vereinter Kraft. Das Nahestehen beider, des Geistlichen und des Lehrers, das Hand in Hand arbeiten mit liestc-voller Gesinnung, kann nur zur Erreichung des höchsten Zieles förderlich sein. — Daran, an das Eine, was besonders unseren Volksschulen noth thut, nämlich, daß das Christenthum in sie komme, hat man, wie eS scheint, wenig oder gar nicht denken wollen. Hätte man es gethan, und in der rechten Weise, ruhig und besonnen, so wäre in den Lehrerversammlungen manches Wort gegen die Geistlichen nicht so hart und schonungslos gefallen.
Es ist leider eine traurige Wahrheit, daß sich mancher
Lehrer nicht zu der Ueberzeugung erheben kann, daß das Reich Gottes nur durch eine innigere Verbindung der Kirche und der Schule sicher angebahnt und erstrebt werde, und daß außer dieser Verbindung weder die Schule noch die Kirche das ist und werden kann, was sie seyn und werden soll.
Sind beide einmal erst wahrhaft christliche Anstalten, so werden sie in ihrer Verbindung, je inniger, desto mehr, zum sichtbaren Reiche Gottes das ihre beitragen. Dazu gehört freilich, daß Jever, der Lehrer wie der Geistliche, von dem ächtchristlichen Geiste erfüllt ist, und Beide dem Gottes Reiche ge- weihete Männer sind. Ihr Verhältniß zu einander wird dann, durch gWenseitiaL Luhe genährt, ein glückliches seyn.
Hat die Kirche und die Schule solche Männer als Lehrer, so fällt zwischen ihnen Befehlen und Gehorchen in einem Willen zusammen, Rang und Ansehen der Person verschwinden, und von einem Neben- und Untergeordnetstehen ist keine Rede mehr. Das Beispiel des größten unter allen Lehrern ist Allen, aber besonders ihnen gegeben, zu thun, wie er gethan hat.
Nur daran wollte ich hier jetzt die Sprechenden und Werk- thätigen vom Fache erinnern. Kommt das, was besonders unseren Schulen und Kirchen noth thut — das Christenthum, so wird mit Gottes Hülfe unser gemüchloses und armes Leben sich durch und durch, nach allen Seiten hin, zu einem segensreichen und glücklicheren gestalten.
Zur Orientirung über die Zwecke der * Gothaer Versammlung.
Gotha, 27. Juni, Vormittags. (D. Ztg.) Die gestrige Abendsitzung war deswegen eine kurze, weil sich der Siebener- Anschuß mit seiner Vorlage noch nicht ganz im Reinen befand. Die letztere ist darauf heute morgen den Mitgliedern der Versammlung — und nur diesen — gedruckt übergeben worden. Sie lautet:
„Die schweren Bedrängnisse des Vaterlandes, die Gefahren eines Zustandes, welcher keine Bürgschaft-des Friedens im Innern, der Stärke nach Außen bietet, haben es den Unterzeichneten zum Bedürfniß gemacht, in.gemeinsamer Besprechung ihr Urtheil über die gegenwärtige Lage der Dinge ftstzustcllen und sich über den Weg zu verständigen, auf welchem jeder Einzelne von ihnen in Erfüllung seiner staatsbürgerlichen Pflichten dazu mitwir, ken kann, daß ein der Nation Einheit und Freiheit gewährender Rechtszustand hergestellt werde.
Innig überzeugt, wie wir sind, daß die deutsche Nationalversammlung, als sie am 28. März d. I. die deutsche Reichs, Verfassung als endgültig beschlossen verkündigte , derjenigen Stellung gemäß gehandelt hat, welche die Lage der deutschen