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Wirksamkeit in der Ständekammer bewiesen. Die nassastische Geschichte wird deshalb über ihn zu Gericht sitzen.

Wenn auch Raht's Wirksamkeit als Gerichtsvorstand in den letzten Jahren, wie selbst viele seiner Genossen eingestchen, eine schädliche war, so kann Niemand verneinen, daß er sich in früheren Jahren um das nassauische Justizwesen Verdienste erworben hat. Derselbe Naht, von dem uns noch neuerlich zwei glaubwürdige und durch Intelligenz ausgezeichnete Män­ner, welche mit ihm im Kollegium gesessen haben, sagten: er sey früher wenigstens ein scharfsinniger tüchtiger praktischer Jurist gewesen, spricht in der gedachten Rechtfertigung von dem wirklichen Besitz seiner R ich t erst el le" und schließt solche mit den Worten:daß er unverzüglich im Rechtswege die Hülfe der Gerichte zur schleunig­sten Erlangung des Schutzes im Besitze seiner Stelle und der ungestörten Ausübung seines Richteramtes anrufen werde."

Raht muß hiernach seine frühere Stelle als Hofgerichts- Präsident als ein jus in re, als eine quasi posessio ansehen und sich wohl das interdicti uti possidetis zum Schutze in dem Besitze derselben bedienen wollen.

Daß er nicht weiß, daß alle richterliche Gewalt ein un­veräußerliches Recht des Staatsoberhauptes und der Landes­fürst die alleinige Quelle aller Gerichtsbarkeit ist, das wollen wir ihm bei seinen staatswisscnschaftlichen Kenntnissen und bei dem politischen Standpunkt, auf welchen er sich in der jüngsten Zeit gestellt hat, nicht hoch aufnehmen. Aber das können wir in der That nicht begreifen, wie ein erfahrner Jurist, wie ein langjähriger Obergerichtsvorstand ein Staats-Richteramt, mit der kirchlichen und gutsherrlichen Jurisdiktion und mit dem dinglichen Patronate, welche theils wegen ihrer staatsrechtli­chen, theils ihrer kirchenrechtlichen, theils endlich ihrer privat­rechtlichen Natur selber mit dem interdictum uti possidetis geschützt werden können, analog behandelt und dasselbe mit posessorischen Rechtsmitteln geschützt wissen will.

Sollte man sich in Raht nicht nur bezüglich seiner rein juristischen Kenntnisse frühcrhin getäuscht haben? Wahrlich, das Leben und Wirken des Hofgerichlspräsibenten und Abge­ordneten Raht gibt dem Psychologen reichlichen Stoff zu in­teressanten Forschungen!

Frankfurt, 26 Juni. (D. Z.) Ueber die Vorgänge auf dem Kriegsschauplatz während der letzten Tage erfahren wir' aus zuverlässiger Hand Folgendes. Am 24. Vormittags 11 Uhr drang General v. Hanneken bis Bruchsal vor, schlug die Insurgenten aus der Umgegend zurück und besetzte die Stadt; General v. Peucker erreichte um dieselbe Zeit Langenbrückcn und schloß sich mit einem Theile seines Korps der von General V. Hanneken befehligten Avantgarde an. Während diese Heeres­säule den Marsch gegen Karlsruhe fortsetzle, dessen Einnahme gestern erfolgt seyn muß, suchte der Prinz von Preußen in Verbindung mit der andern Hälfte des v. Peuckerschen Korps die von Mieroslawsky angeführten Insurgenten, denen der Durchbruch bei Hilsbach gelungen war, von der würtembergischen Grenze abzuschneiden. Hart am Rhein auf der Straße von Mühlberg bewegen sich die beiden Korps der Generale von Hirschfeld und v. d. Gröben gegen Rastatt vor, um an der Murg eine Stellung einzunehmen und die zwischen Rastatt und Karlsruhe zusammengezogenen Jnsurgentenschaaren, mit denen sich Mieroèlawsky zu vereinigen gedachte, von der Festung zurückzudrängen. So weit man die getroffenen Dispositionen kennt, läßt sich erwarten, daß der letzte entscheidende Zusam­menstoß bei Pforzheim erfolgen wird. Die Gesammtzahl der noch bewaffneten Aufständischen, deren Muth jedoch vollkommen gebrochen erscheint, läßt sich nach glaubhaften Mittheilungen auf höchstens 20 000 anschlagen. Sie haben bei Ubstadt am 23. verzweiflungsvoll gekämpft und große Verluste erlitten; jetzt ziehen sie sich auf allen Punkten vor jeder feindlichen Berührung zurück und werden sich unterwerfen müssen, wenn ihnen, wie vorauSzusetzen, die Zuflucht nach Rastatt nicht übrig bleibt.

Frankfurt, 25. Juni. (O.-P.-A.-Z.) Nachträglich theilen Wir noch folgende Erklärung deS Generals Mieroslawski gegen­über dem Gemeinderath der Stadt Mannheim mit. Dieselbe wurde Wort für Wort von dem Zivilkommissär Trützschler ver­deutscht:Das Dorf Käferthal ist heute ohne Flintenschuß mit dem Bajonnet im Sturm von den Unsrigen genommen worden; wir haben dadurch einen glänzenden Sieg erfochten. Ich General Mieroslawski, bin Diktator der Stadt Mannheim und

erkläre dieselbe in Belagerungszustand, mit Verkündigung deS Standrechts, und bekleide den Zivilkommissär Trützschler mit unbedingter Vollmacht. Durch diese Erklärung müssen mir alle Mittel der Stadt, Häuser, Geld, Lebensmittel, ja Men, schen, zur völligen Verfügung gestellt seyn. Sollte aber irgend einer dieser Anordnungen keine Folge gegeben werden wollen, und dadurch ein Hinderniß in unserer Operation ent­stehen, oder sollte durch Verrath uns der Sieg vereitelt werden und wir genöthigt seyn, die Stadt verlassen zu müssen, so werden vorher die Köpfe fliegen, und sollten es ihrer zehntau­send seyn, und ich werde Mannheim als einen Äschenhaufen zurücklassen. Ich befehle, daß diesen Abend die Stadt glän­zend beleuchtet seyn soll." Der Zivilkommissär Trützschler fügte hinzu:Die Anordnungen des Generals Mieroslawski werde ich vollziehen, und füge für meinen Theil noch hinzu: daß ich die Mittel in den Händen habe, denselben den gehö- rigen Nachdruck zu geben."

Darmstadt, 26. Juni. (Darmst. Z.) Heute Vormittags 11 Uhr wird Se. k. Hoh. der Großherzog von Baden bei un­serem großh. Hofe zum Besuche erwartet.

Heidelberg, 25. Juni, Abends 11 Uhr. So eben, kommt ein Ertrazug von Karlsruhe mit einem Kourier, der an den Großherzog nach Mainz gesandt wird, um ihm das Einrucken der Preußen in Karlsruhe zu melden. Bei Durlach, das die Insurgenten verbarrikadirt hatten, fand noch nach Mittag ein lebhaftes Gefecht statt. Gegen 3 Uhr rückten die Preußens von der Bevölkerung mit Jubel empfangen, in Karlsruhe ein. Man hatte in der Residenz von der Niederlage von Waghäusel, der Uebergabe von Mannheim und Heidelberg keine Kenntniß ge­habt; die offiziellen Lügenberichte hatten dafür gesorgt, die Wahrheit zu verhüllen. Die provisorische Regierung, die Kon­stituante sammt allen Kassen waren bei Zeiten mit Ertrazügen weggeschafft worden; wie man hört, wollen sie sich nach Frei­burg wenden.

Heidelberg, 25. Juni. (D. 3 ) Ein Theil des badischen Aufgebots, auch viel reguläres Militär, blieb auf dem Rückzug zurück, lief auseinander oder ließ sich gefangen nehmen. Der Rest aber schlägt sich mit der löwenmuthigsten Tapferkeit und erhält zahlreichen Zuzug aus dem badischen Oberland, wo die Regentschaft alle Anstrengungen macht, um nochÖMfdwr $f' herbei zuführensu^wozablrncheEmi ssare Preußenhaß predi­gen. Hiernach wird der Kampf noch hartnäckig werden. Die würtembergische Grenze ist mit würtembergischen MilitârpiquetS umgeben, welche jeden bewaffneten Flüchtling aus Baden, der sich nähert, entwaffnen und ins würtembergische Hauptquartier nach Heilbronn abliefern. Solche Gefangene haben dort ein kurzes summarisches Verhör zu bestehen und werden sodann, je nach den obwaltenden Umständen, in ihre Heimath entlassen, oder ferner gefangen gehalten, aber sehr menschlich behandelt.

Die ehemaligen Minister Bekk und die beiden Hoffmann sind in Heidelberg angekommen. Badischer Stadtkommandant ist hier Oberst Holtz.

Sinsheim, 24. Juni, Mittags. (Darmst. Z.) Heute Morgen 5 Uhr brachen wir von Waibstadt auf und trafen mit dem Gros um 7 Uhr in Sinsheim ein, das von Truppen un­serer Vorhut besetzt war. Die Brigade Schäffer bezog ein Bivouak jenseits der Stadt. Am Tage des PhilippSburger Tref­fens (21.) kamen noch starke Zuzüge von der würtembergischen Gränze her nach Heidelberg hier durch. Andern Tags änderte sich die Szene; den ganzen Tag dauerte die ordnungslose Flucht der zwischen Philippsburg und Waghäusel Geschlagenen ; Mittags traf das Geschütz ein, unter dem pensionirten badi- schen Rittmeister, jetzt Oberst Beckert mit einer Schwa­dron Dragoner. Im Ganzen sollen die Insurgenten hier 21 Geschütze gehabt haben. Abends um 8 Uhr trafen MicroS, lawsky und Sigel mit ihrem Generalstab ein. MicroS lawöky soll noch bis zum 23., Morgens, in SinSheim gewesen seyn. Struve traf am 23., Morgens 8 Uhr, mit seiner etwa 400 Mann starken Freischaar, aus Schweizern, Polen und Fran­zosen, den wülhendsten Demagogen, mit 4 Kanonen hier ein und blieb noch bis 11 Uhr Mittags. MiervSlawSky soll sich über Eppingen nach der würtembergischen Gränze hin, in der Richtung von Bretten, Struve über Weiler am Steinberg ebenfalls dahin gezogen haben und Becker aus Biel auch dort seyn. Der Haupttrupp, unter MicroSlawsky, soll noch 5000 Mann zählen, darunter viel badisches Militär, besonders Ka­noniere , am wenigsten Reiterei. ,