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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^N 151» Donnerstag den 28. Juni 18LS

$^5= Wir sehen uns in Stand gesetzt vom 1. Juli d. I. an den vierteljährlichen Pränumerationspreis unseres Blattes für den Umfang des Herzogthums Nassau, der hessischen Länder und der freien Stadt Frankfurt in der Weise zu ermäßigen, daß die Zeitung einschließlich des Postaufschlags im bezeichneten Bezirke von nun an zu demselben Preise abgegeben wird, wie in Wiesbaden, nämlich zu 2 ft für das Vierteljahr, und in den übrigen Ländern des Thurn- und Taxis'schen Verwaltungsbezirkes zu 2 fl. 10 fr.

Beim Herannahen des neuen Quartals bitten wir die Bestellungen auf unsere Zeitung möglichst frühzeitig machen zu wollen, damit wir im Stande sind, von vornherein vollständige Exemplare zu liefern.

Die Expedition der Naß. Allg. Zeitung.

Uebersicht.

Die nächste Gefahr.

Deutschland. Wiesbaden (Raht's Rechtsverwahrung). Frank- furt (Vvm badischen Kriegsschauplätze. Tagesbefehl MieroSlawskys). Dar mstad t (Besuch des Großherzvgs von Baden). Heidelberg (Aufnahme der Preußen in Karlsruhe. Die Flüchtigen. Bekk und Hoff­mann). Sinsheim (Die Verfolgung des geschlagenen RebellenheereS).

Gotha (Daâ Nachparlament). Nürnberg (Fortschritte der kon­stitutionellen Partei). M ünch en (Oesterreich und Bayern).

Frankreich. P ar is (Tagesbericht).

Nachschrift.

* Die nächste Gefahr

Nachdem es sich mit jedem Tage klarer herausstellt, daß die Rolle der sogenannten Demokratie ausgechielt ist und von dieser Seite her einer in Gesetz und Ordnung geregelten poli­tischen Freiheit keine sonderliche Gefahr mehr droht, erhebt sich von der andern Seite ein weit gefährlicherer Feind des kaum gewonnenen konstitutionellen Staatslebens und der nationalen Strebungen in Deutschland.

Bald wird unsere Aufmerksamkeit, wenn sie am Rheine keine Beschäftigung mehr findet, nach Bayern, Oesterreich und Rußland gewendet seyn müssen. Wir werden uns dabei zu­rückversetzt sehen auf jenes Feld, welches man vor der Februar, revolution oft ausschließlich als daspolitische" bezeichnete, nämlich das der diplomatischen Vereinbarungen und Intriguen.

Der große Bruch zwischen dem Norden und Süden Deutsch­lands , wie er sich als Katholizismus und Protestantismus, als Großdeutschthum und preußisches Erbkaiserthum, als Re­stauration und als ein Festhalten an den Hauptmomenten der deutschen Bewegung ausspricht, wird gewiß zu weit gefähr­licheren Kämpfen wenn auch wohl vorerst nicht auf dem Schlachtfelde führen, als der Zwiespalt der Demokratie mit den konservativen Elementen.

Die Rolle, welche Preußen in diesem Streite übernimmt, dürfte leicht die Entscheidung geben. Noch aber läßt sich die Stellung Preußens nicht vorausbestimmen. Denn nach den neuesten Nachrichten wäre es leicht möglich, daß Preußen selbst den von ihm ausgestellten Verfassungsentwurf wieder fallen ließe.

Die Versammlung in Gotha kann ihrer Natur nach auf die Vermittelung der Gegensätze des Südens und Nordens

gar keinen Einfluß üben. Sie würde schon das möglichst höchste Ziel erreichen, wenn sie nur zwischen den kleineren Staaten und Preußen ein Zusammengehen vermitteln hülfe.

Darin wird sie allerdings von der natürlichen Lage der Dinge unterstützt. Oesterreich sieht dieVerfassungstreue" der kleineren Staaten als das Geständniß ihrer Selbstmediatisirung an. Die Hülflosigkeit Badens und die wirksame preußische Hülfe ist zugleich eine ungeheure praktische Lehre für dieselben.

Allein so gewiß die kleineren Staaten nicht eristiren kön­nen ohne den Rückhalt an Preußen, so sicher müßten sie auch ihrer Auflösung entgegengehen, wenn sieverfassungsuntreu" würden.

Ich fasse das freilich nicht in dem Sinne, als ob sie durch Dick und Dünn mit jedem Buchstaben der in Frankfurt be­schlossenen Reichöverfaffung gehen müßten, wohl aber so, daß sie an dem Geiste und Wesen der deutschen Reichsverfassung unverbrüchlich fest zu halten haben. Und auf dieser BasiS ist allerdings eine Verständigung mit dem preußischen Entwürfe möglich wenn nur Preußen überhaupt seinen Entwurf nicht wieder fallen läßt! Dann befände sich freilich Deutschland in einer beklagenswerthcn Lage.

Oesterreich jedoch wird nicht eingehen wollen auf das Volkshaus; ohne dasselbe aber ist das ganze Wesen der Reichs­verfassung vernichtet; Oesterreich wird nicht eingehen auf eine einheitliche Oberleitung. Man hat im vergangenen Jahre lächerlicher Weise den Jahrestag des für Deutschland so ver- hängnißvollen westphälischen Friedens alö ein Fest gefeiert! Man ging in diesem Jahre noch viel weiter; man feierte in Wien den Tag der Schlacht bei Kollin! Wie weit wird man im nächsten Jahre gehen?

Die Anarchie wird besiegt werden. Wer aber besiegt den Zwiespalt der tausendfach sich durchkreuzenden Partikularinte­ressen, die jetzt wieder so mächtig in den Vordergrund treten, die ein Erbübel von Jahrhunderten sind, eine der Krankheiten, bei denen keine Arzneien mehr helfen, bei denen Feuer und Eisen helfen muß?

Deutschland.

§ Wiesbaden, 26. Juni. Als wir in Nr. 149 der Freien Zeitung vom 24. Juni die Rechtsverwahrung deS pensionirten Hofgerichtspräsidenlen und Abgeordneten Raht zu Dillenburg lasen, konnten wir unS der betrübenden Betrachtungen darüber nicht entschlagen, wie weit es ein Mensch bringen kann, der mit sich selbst und mit seiner richterlichen Stellung in unauf­löslichen Widerspruch gerathen ist.

Daß Raht weder ein theoretisch gebildeter, noch weniger aber ein praktischer Staatsmann ist, das hat seine politische