Nassauische
Allgemeine Zeitung.
â RLS Dienstag den 26 Juni 18 LS
T...^^, .Wir sehen uns in Stand gesetzt vom 1. Juli d. I. an den vierteljährlichen Pränumerationspreis unseres Blattes für den Umfang des Herzogthums Nassau, der hessischen Länder und der freien Stadt Frankfurt in der Weise zu ermäßigen, daß die Zeitung einschließlich des Postaufschlags im bezeichneten Bezirke von nun an zu demselben Preise abgegeben wird, wie in Wiesbaden, nämlich zu 2 fl. für das Vierteljahr, und in den übrigen Ländern des Thurn- und Taxis'schen Verwaltungsbezirkes zu 2 fl. 10 kr.
Beim Herannahen des neuen Quartals bitten wir die Bestellungen auf unsere Zeitung möglichst frühzeitig machen zu wollen, damit wir im Stande sind, von vornherein vollständige Exemplare zu liefern.
Die Expedition der Naß. Allg. Zeitung.
Uebersicht.
Zwei Stimmen aus dem Lande.
Deutschland. Karlsruhe (Die Staatsgelder. Steigende Verwirrung).
— Düsseldorf (Truppenmarsch). — Schwerin (Der Verlust der Mecklenburger bei Ladenburg). — Berlin (Bayern und Oesterreich.
Der Reichsgeneral Peucker. Neue Hindernisse für die dänischen FriedenS- verhandlungen). — Wien (Der bischöfliche Kongreß. Ungarn und di- deutsche Demokratie). — Laibach (Luftballon zu militärischen Zwecken). Ungarn. Vr.esburg (Der Sieg bei Kacs und die Vorpostengefechte in
Italiens. Mestre (Die.Beschießung von Venedig).
Nachfrist.
Zwei Stimmen aus dem Lande.
* Muß in der konstitutionellen Monarchie die Bildung des Ministerin ins bas Werk der Majorität d er Vol k sv ertret er seyn?
Felix, quem faciunt aliena pericula cautum!
Vom Rhein, 24. Juni. Diese Frage muß unbedingt bejaht werden; denn nur ein solches Ministerium entspricht dem Geiste der konstitutionellen Monarchie, welches ein Ausdruck des in der Kammer der Abgeordneten sich manifestirenden Volks- ^'^Wer^glaubt, die Abgeordneten des Volkes müßten ein Werk des Ministeriums seyn, der ist entweder nicht in den Geist des KonstitutionalismuS eingedrungen und kennt nicht seine Geschickte, oder er huldiget dem Scheinkonstitutionaüsmus und dem'politischen Jesuitismus, welche das Volk demoralisiren und, zur reinen Demokratie führend, die repräsentative Monarchie zu Grunde richten. , . „
Die Geschichte der konstitutionellen Monarchie in England, Norwegen, Frankreich, Holland und Belgien lehrt uns, daß nur diejenigen Minister mit Erfolg wirken und überhaupt in der Gewalt bleiben können, welche die Majorität der Volksrepräsentanten für sich haben.
Im Interesse unseres innigstgeliebten Fürsten und Vaterlandes würde es uns auf das tiefste betrüben, wenn man bei uns auch nur eine Linie breit den Weg des wahren und aufrichtigen Konstitutionalismus »eilaffen und den gefahrvollen Weg des politischen Jesuitismuö betreten wollte.
Als wir gestern Abend den Artikel von der angeblich beabsichtigten Auslosung der Kammer in Nr. 148 der „Nass. Allg. Zeitung" lasen, sind, wie wir offenbar bekennen, in letzter Be
ziehung einige Beängstigungen in uns aufgestiegen, die wir immer noch nicht gänzich haben verscheuchen können. *) Hoffen wir, daß wir uns getäuscht haben!
Der gedachte Artikel vom gestrigen besagt außer Anderm auch Folgendes: „Der Erfolg muß erst zeigen, ob das neue Ministerium mit derselben (der Kammer) regieren kann." In den konstitutionellen Monarchien regiert aber das Staatsoberhaupt und das Ministerium verwaltet, gouvernirl nur. Kon- fundirt man das Regieren mit dem Verwalten in der repräsentativen Monarchie und vindizirt dem Ministerium auch das Regieren; so ist die Existenz des Ministeriums nicht, wie es in der repräsentativen Monarchie seyn soll, durch eine fortwährende Beistimmung und Unterstützung desselben durch die Majorität der Volskammer bedingt, ja die Verantwortlichkeit des Ministeriums kann dadurch in Frage gestellt werden und — der Geist der konstitutionellen Monarchie ist getödtet.
Verwaltet das neue Ministerium sein Amt in wahrem konstitutionellen Geiste, so wird es auch die Kammermajorität für sich haben, wie sie auch sein Vorgänger, einen einzigen Fall ausgenommen, den man dem nunmehr abgekühlten und geheiltem politischen Ficbcrwahne zuschreiben muß, stets für sich hatte.
Die bei weitem größere Mehrzahl des nach und nach des politischen Rausches entnüchterten nassauischen Volkes wird alsdann hinter dem neuen Ministerium stehen und es kräftig unterstützen. Würde jedoch das neue Ministerium den Weg des aufrichtigen Konstitutionalismus nicht betreten, würde es die alle Wirthschaft mit neuem Einbande wieder einführen wollen, und die Kammermajorität nicht für sich haben, so kann es sich moralisch und politisch nicht halten, und es ist seine Pflicht, abzutreten.
Es hätte alsdann sicherlich die Bevölkerung des ganzen Herzogthums entschieden gegen sich. Auch ließe cs sich unter jochen Umständen nicht erwarten, daß unser edler Herzog einen Minister beibehalte, welcher die öffentliche Meinung gegen sich hätte, und den finanziellen und legislativen Bedürfnissen des Landes stets andauernde Hemmnisse bereiten würde. Sollte jedoch die Majorität der Kammer dem neuen Ministerium bei aufrichtiger und wahrhaft konstitutioneller Verwaltung seines Amtes ihm Unterstützung und Bcistimmung versagen; sollte das Staatsoberhaupt der Ueberzeugung seyn, daß die Opposition der Kammer nicht auf einem wahren und wohlbegründc-
*) Der geehrte Herr Verfasser scheint diesen höchst unschuldigen Artikel, dem er viel zu viel Gewicht beilegt, gänzlich mißverstanden zu haben. Es ist in demselben gar nicht die Rede von einer „angeblich beabsich- sschtigteu Auflösung der Kammer", sondern umgekehrt wird behauptet, daß man die Kammer nicht aufzulösen beabsichtige. Dagegen macht der Wiesbadener Korrespondent seine subjektive Ansicht dahin geltend, daß eine solche Auflösung doch später wohl erfolgen müßte.
Die Red.