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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M LL8. Montag den LS. Juni 1849.

Dritte Ausgabe.

Uebersicht.

Deutschland. Frankfurt (Die gemäßigte Fraktion des Stuttgarter Rumpfparlaments. Die beiden Gagern nach Gotha. Die Verbindung mit Baden abgeschnitten). Darmstadt (Vom Kriegsschauplätze). Mannheim (Die Gegen-Revolution).Von der würtembe rgisch­schwäbischen Gränze (Die Entmuthigung der revolutionären Partei). Stuttgart (Nachwehen). Flensburg (Der Herzog von Nassau).

Wien (Vom ungarischen Kriegsschauplätze. Ancona kapitulirt).

Italien. Rom (Die Belagerung).

Deutschland

Frankfurt, 23. Juni. (Fr. Z.) Von dem gemäßigteren Theile der aus Stuttgart vertriebenen Versammlung hat sich ein Theil wieder nach Frankfurt gewendet, darunter Hildebrand auS Marburg, Schulz auS Weilburg, Engel aus Schleswig; sie beabsichtigen mit den hier und in der Umgebung Gebliebenen sich über gemeinsame Schritte zu verständigen.

Frankfurt, 24. Juni. (O.-P.-A.-Z.) Heinrich und Mar Gagern sind sicherem Vernehmen nach gestern Abend nach Gotha abgerelst. Dahlmann und Fr. v. Raumer befanden sich gestern Nachmittag noch hier.

Frankfurt, 24. Juni. (D. Z.) Die Verbindung mit Baden ist gänzlich abgeschnitten; die Post ist weder direkt noch wie bisher über Franken hier eingetroffen.

Darmstadt, 23. Juni, Morgens 10 Uhr. Nach den neuesten uns soeben zugehenden Nachrichten ist General Wachter noch am 21. in Eberbach eingerückt. In Zwingenberg schlugen am 22. ganz früh unsere Pioniere unter Oberlicutenant ,Coul­mann und Hauptmann Becker mit großer Schnelligkeit und Bravour unter Benutzung von Neckarkähnen, Gebälken rc. mit Beihülfe der Soldaten der Avantgarde, namentlich des 2. In­fanterieregiments, eine Brücke und unsere Truppen gingen darüber und rückten vor bis Neunkirchen. Mit wenig wäre das Defile bei Zwingenberg leicht zu vertheidigen gewesen. Von Neunkirchen wird man zuerst General v. Bechtold gestern noch Aglasterhausen besetzt haben. (Darmst. Z.)

Darmstadt, 24. Juni. (Darmst. Z.) Die in unserer gestrigen Beilage gegebenen Nachrichten auS dem Baden'schen haben vollkommene Bestätigung gefunden. Die Jnsurrektions- truppen hatten sich aus Heidelberg und Mannheim entfernt, um der preußischen Macht, die so unverhofft über den Rhein gedrungen war und bei Waghäusel Position gefaßt hatte, ent, gegenzuzichen. Die Kopflosigkeit der Befehlshaber, sowie die unverläßliche Disziplin spielten hierbei arge Streiche. ES ist notorisch, daß der Rheinübergang der Preußen von Denjeni­gen, die ihn verhindern sollten und konnten, gerade verschlafen warben ist; jetzt, da der mächtige Feind mitten im Lande jeden

Zusammenhang mit dem Süden abschnitt, scheint der Muth Derjenigen, die ihm entgegen ziehen mußten, eben nicht ge­wachsen zu seyn. Indessen soll der erste Angriff nicht un­glücklich gewesen und die preußische Avantgarde gedrückt worden seyn; als aber das eigentliche Gros der preußischen Armee inS Gefecht kam, war das Resultat so entschieden, daß die Aufständischen total geschlagen und nach allen Seiten aus­einander gesprengt wurden. Mittlerweile war die gestern ge­meldete Besetzung Mannheims durch den linken Flügel, Heidel­bergs durch das Gros deS Gröben'schen KorpS erfolgt, man entsendete von hier aus bedeutende Kräfte zur Bekämpfung deS Feindes, auf der andern Seite war das Peucker'sche Korps bereits bei Sinsheim vorgeschritten und die aufgelösten Schaa- ren der bewaffneten Insurrektion gehen daher auf allen Seiten nur dem sicheren Untergange entgegen. Nach dem eben Mit­getheilten ergibt sich, daß der gestern vermuthete Auszug eines Mieroslawsky'schen KorpS nach der Gegend von Neckarsteinach auf einem Irrthum beruhte. Die unter der Ladenburger Brücke allerdings befindliche Pulvermine wurde von den Preußen, die davon unterrichtet waren, bereits in der Nacht auf den 23. gefunden und entlehrt und gestern der llebergang über die von allen Hindernissen befreite Brücke ganz gefahrlos bewerkstelligt.

Gestern Nachmittag brachte ein Ertrazug der Eisenbahn eine Menge Waffen aller Gattungen von den Freischaaren in Hirschhorn, dann auS Eberbach und Zwingenberg herrührend, deren Ausladung fast zwei Stunden in Anspruch nahm. Mit demselben Bahnzuge wurde auch der Bürgermeister von Eber­bach als Gefangener hierher gebracht, welcher, dem Vernehmen nach, trotz des strengen Befehls der Waffenablieferung, zwei Kanonen in seinem Keller verheimlicht hatte.

Die letzte Mittheilung unseres Korrespondenten vom Nek- karkorps, unter General Peucker, kommt unS auS Aglasterhau, sen vom 22. Juni, Abends 5% Uhr, zu. In dem Lager vor Neunkirchen standen an 15,000 Mann beisammen, was einen imposanten Anblick gewährte. Von dort ging eS sofort in den Bivac bei Aglasterhausen, zwei Stunden von Neunkirchen, an der Straße von Heidelberg und Neckargemünd nach Neckarelz und Mosbach. In Aglasterhausen befand sich am 22. Abends noch das Hauptquartier der Generäle Peucker und Schäffer, und kann daher erst gestern morgens weiter, wahrscheinlich gegen Sinsheim zu, verlegt worden seyn, wo eS allerdings zersprengten Schaaren des geschlagenen Mieroslawsky'schen Heeres entgegentreten dürfte. Auf dem Marsche wurden alle Ortschaften entwaffnet.

Mannheim, 23. Juni. (Ertrablatt des Mannheimer Jour­nals.) Der gestrige Nachmittag hat uns endlich die Entschei­dung unseres Schicksals gebracht. Nachdem wir acht Tage hindurch in der höchsten Furcht vor einem Bombardement un­serer Stadt und einem Straßenkampf der terroristrenden Partei mit den Reichstruppen gelebt hatten, erschien endlich der Au­genblick, in welchem der bessere Theil unserer Bürgerschaft sich ermannte und in einer eben so schnellen als glücklichen Contre- revolution der Schreckensherrschaft ein Ende machte. Die Nachricht, daß der Zivilkommissär Trützschler sich mit der Kreis-