Nassauische
Allgemeine Zeitung.
M IM» Samstag -en LS Juni 1849»
Zweite Ausgabe.
Uebersicht.
Zeitungsschau.
Deutschland. Ufingen (Realschule). — Köln (Truppenmarsch). —
Aus der bayerischen Pfalz (DieOperationen gegen Mannheim). —
Von der badisch-hessischen Gränze (Die „vernichteten" Mecklenburger). — München (Der Herzog von Leuchtenberg nach Madeira). — Regensburg (Brand). — Berlin (Postvertrag mit Braunschweig.
Das Nachparlament zu Gotha. Die Wahlklasstfikation. Die dänischen
Friedensverhandlungen. Die französische Regierung und die deutschen Flüchtlinge). — Münster (Mißstimmung der Soldaten in Schleswig- Holstein). — Königsberg (Die Wahlfrage). — Wien (Hofnachrichten. Was ist des Öesterreichers Vaterland ?).
Frankreich. Pari.S (Tagesbericht. Der Sturz der Linken).
Dänemark. Kopenhagen (Die russische Flotte. Proklamation der jütischen Zigeuner).
Italien. Rom (Die Belagerung).
Türkei. .Konstantinopel (Sieg der Tscherkeffen).
Nachschrift.
Zeitungsschau.
Die Kölnische Zeitung sagt: „Wir bedürfen ein Reich der Mitte in Europa und eine Partei der Mitte in Deutschland— und wir bedürfen beide bald, wenn es nicht eines schönen Morgens zur Rettung wieder „zu spät" seyn soll! Zum Reiche ist uns in dem Dr ei-Fürst en-Entwürfe ein neuer Grundriß vorgelegt, der immerhin zum Bau einer schützenden Feste recht gut genügen könnte — es fehlt nur, daß wir auch die baldige Ausführung bald verbürgt sähen. Für die baldige Ausführung aber und richtige Durchführung kommt es wieder am meisten darauf an, daß eine entsprechende einige und wohlorganisirte Partei recht bald sich bilve. Nach einer einigen und wohlorganistrten Partei der Mitte ergeht daher plötzlich ein Nothruf durch Deutschland. Es wird nie Friede, nie dauernde Ruhe, wenn nicht auch bei uns eine den Frieden der Extreme „unblutig erzwingende" Partei der Mitte sich scheidend, aber demnächst auch versöhnend, kräftig zwischen jene feindlichen aufstellt.
Gewiß nicht blos zufällig begegnen wir plötzlich diesem Nothruf gleichzeitig in verschiedenen Blättern unsrer Partei. Auch die übereinstimmende Anknüpfung entsprechender Hoffnungen an die nahe Versamm lun g in Gotha begegnet uns von ganz verschiedenen Seiten. So lesen wir in der Deut, schen Reichs-Zeitung — einem der besten Organe unserer konstitutionellen Partei: „Durch die Trägheit der Mitte so gut als durch den Unverstand der äußersten Parteien ist unser Vaterland in die Lage gekommen, daß es fast nur zwischen erstarrender Reaktion und zerstörender Revolution, zwischen Soldaten- und Frcischaaren-TerrvrismuS die Wahl zu haben scheint. Beide sind ein gleich großes Unglück, beite vernichten das Vaterland. Es fragt sich, ob unsre Partei, die sich wenigstens emeS klaren Blickes und vielseitiger Ueberlegung rühmen darf,
diese Aussicht in den Abgrund nicht verleihen kann, was ihr bis jetzt gänzlich gemangelt hat. Es fragt sich, ob der gebildete und besitzende Theil der Nation, und aus ihm besteht die Masse unserer Partei, nicht endlich zu der lebendigen Ueberzeugung zu gelangen vermag, daß die politische Neugestaltung jetzt die erste und letzte aller unsrer Aufgaben ist, daß die politische Thätigkeit jetzt die erste und heiligste aller Pflichten ist, daß wer jetzt nur mitgeht und zuschaut bei der politischen Bewegung, oder gar nach kurzer Unterbrechung zu den alten Ge- wohnheiten des Philisterlebens, zum Kartentisch und Kegelklub zurückkehrt, eine Sünde am Vaterland, am heiligsten Geiste der menschlichen Entwickelung begeht, die sich durch unerbittliche Vernichtung seiner eigenen Person und aller seiner Privatin- tereffen schwer rächen wird und muß."
Die Deutsche Reichszeitung verkennt nicht die Schwierigkeit. „Wir wissen recht wohl", sagt sie, „die Organisation großer, weit vertheilter und verschiedenartiger Maßen erfordert angespannte Thätigkeit der Häupter und Glieder, raschen Blick für die der Thätigkeit günstigen Gegenstände und energische Arbeit für die rasch ergriffenen. Aber in diesem Sinn nachdrücklich yj wirken, das ist die Aufgabe, welche uns jetzt gestellt ist .. . Die Führer unsrer Partei werden am Ende d. M. in Gotha zu einer Berathung über die deutsche Verfassungsangelegenheit zusammenkommen. Wir hegen den Wunsch und die Erwartung, daß sie nach Vollendung dieser Berathung auch die Ordnung ihrer Partei in Erwägung nehmen werden. Einer der sehr großen Vortheile, welchen die demokratischen und die Märzvereine vor uns haben, ist der, daß ihre Führer in der Paulskirche an ihrem Vereinsleben thätig mitwirken. Unsre Führer haben sich bisher dazu nie herabgelassen. Wenn aber die Führer den Beistand und die Unterstützung der Partei fordern, und sie können ihn nicht entbehren, dann müssen sie auch für daS Leben der Partei Sorge tragen, und dürfen sich nicht in die Einsamkeit des Gesetzgebers zurückziehen. Wir hoffen also, daß die Männer in Gotha auf die Organisation ihrer Partei Bedacht nehmen, und einige unter ihnen an die Spitze der konstitutionell-nationalen Vereine stellen werden."
In ganz ähnlicher Weise spricht sich ein Artikel her Weser- Zeitung aus. Die Frankfurter O.-P. A.-Z. fähr fort ebenfalls zu den Wegen der Versöhnung, die durch Gotha und Berlin führen, zu rathen.
Deutschland.
§ Usingen, 21. Juni. Im Jahre 1846 war die seit 1818 mit einem Lehrer hier bestandene, sehr mangelhafte Realschule eingegangen; allein es sprach sich alsbald der Wunsch aus, daß eine vollkommenere Anstalt dieser Art an ihre Stelle treten möge. Als die Regierung endlich zu Anfang dieses JahreS den Referenten in Schulsachen hierher abordnete, um sich von dem Bedürfnisse und der Stimmung selbst zu überzeugen, fand Letzterer sowohl bei dem Schulvorstande und Gemeinderathe, als auch bei den sich für die Sache interessirenden Bürgern daS freundlichste Entgegenkommen, und weil seine Vorschläge dem, was man wünschte, vollständig entsprachen, so ging man