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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M LL7. Samstag -en 23. Juni 18419,

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Prânume- rativuspreis ist in Wiesbaden * fL, für den Umfang des Herzogthums Nassau, des GroßherzogthumS und^KurfürstenthumS Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl. 30 kr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes A fl. 40 Fx Inserate werden die dreisvaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Beim Herannahen des neuen Quartals bitten wir die Bestellungen auf unsere Zeitung möglichst frühzeitig machen zu wollen, damit wir im Stande sind, von vornherein vollständige Exemplare zu liefern.

Die Expedition der Naff. Allg. Zeitung.

Uebersicht.

Das Wahlgesetz.

Deutschland. Von der Dill (Die neuesten Penstonirungen). Mainz

(Dr. Zitz). Frankfurt (Die Lügenberichte). Darmstadt (Vom

Kriegsschaublatze. Die Zahl der Todten und Verwundeten bei den Hessen.)

Beerfelden (Truppenstellungen). Karlsruhe (Erbärmlicher

Zustand der flüchtenden pfälzischen Freischaaren. Kriegminister Meyer- hofer durchgegangen). Wien (Vom ungarischen Kriegsschauplätze.

Die desertirten Palatinhusaren. Ein goldener Marschallstab für Radetzky).

Schweiz. Basel (De Wette t).

Jtal'eu. Trev iso (Die Beschießung von Venedig).

NaKschrift.

Spxechsaal für Sfadt und Laud.

" -....... ...

Das Wahlgesetz.

A Dillenburg, 20. Juni. Die unbestreitbare Wahrheit des kräftigen Ausspruchs unseres großen Nationaldichters in dem Bruchstücke seines TrauerspielsDemetrius":

Die Mehrheit?

Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn;

Verstand ist stets bei Wenigen nur gewesen."

hat sich, wie bereits früher anderwärts, so auch bei der vor­gestern dahier vollzogenen Wahl eines Abgeordneten auf's neue glänzend bewährt, und die völlige Unhaltbarkeit des jetzigen Wahlgesetzes auch dem blödesten Auge erkennbar gezeigt. Gewählt wurde Dr. Haupt auS Nassau, den dahier fast Niemand kennt, dessen Namen man nicht einmal gehört hatte, den vielleicht kaum einer oder der andere der Wahlmän­ner einmal, sicher aber die bei weitem größte Mehrzahl derselben niemals gesehen oder gesprochen hat, der es nicht einmal der Mühe werth hielt, persönlich dahier als Wahlkandidat aufzu­treten. Ein Urtheil über die Befähigung des Gewählten zu seinem so wichtigen Berufe muß einleuchtend bei dem Abgänge aller Bekanntschaft diesen Zeilen völlig fremd seyn, und man kann nur den Wunsch aussprechen, daß die Wahl einen beson­nenen, sittlichtadellosen, erfahrenen und kenntnißreichen Mann, dem die Verfolgung selbstsüchtiger Zwecke im Innersten zuwider ist, getroffen haben möge!

Billig fragt aber doch jeder Denkende: Wie konnte unter den berührten Verhältnissen die Wahl so ausfallen? Die Ant­wort ist einfach. Eine vor mehreren Wochen zu Diez zusam­mengetretene, auch von hier auS beschickte Versammlung hatte ; den zu Wählenden bezeichnet, und mit blinder Unterwürfigkeit unter solch absoluten Befehl wurde der Bemerkte, aller An­strengungen des vernünftigeren und besseren Theiles ungeachtet,

gewählt. Schon bei den Urwahlen waren alle Bemühungen von dieser Seile ohne den gewünschten vollen Erfolg, und viele Gemeinden des Bezirkes haben aus Mißmuth jede Betheiligung an dieser und allen weiteren Wahlen völlig abgelehnt.

Ob und in wie weit Reineke, dermalen wieder dahier, zu dem Diezer Beschlusse und zu der hiesigen Wahl mitgewirkt hat, ist bis jetzt nicht näher bekannt geworden. Zu besorgen ist aber, daß man später anderwärts gleiche Er­fahrungen machen wird. Die tüchtigeren, besonnenen Ständemitglieder müssen natürlich des nicht endenden SpuckeS, der ewigen Tuttenpapierfabrikation pro patria endlich über­drüssig werden, sie werden überdies von den Gegnern auf jede Weise, sey es auch nur durch ungezogenes Gelächter, alleS natürlich nur um des öffentlichen Wohles willen, müde zu machen gesucht, und sie geben einzeln, wie sich täglich zeigt, ihre Stellen aus Verdruß auf. Nach und nach werben daher nur noch Reineke nebst Genossen in der Ständekammer sitzen, oder doch die Mehrzahl darin bilden. Und dies sollte die wahre, vernünftige ungefälschte Vertretung der Gesammtheit der Nassauer seyn? Nimmer mehr!

Zu wiederholen ist daher, daß auf ein verbessertes Wahl­gesetz die volle Aufmerksamkeit gerichtet werden muß.

Bekümmere sich um8 Ganze, wer nichts hat!

Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl?"

Wie kann man von dem, der seine eigenen Angelegenhei­ten nicht zu ordnen, einen geregelten sparsamen Haushalt nicht einzurichten weiß, der sich von Gläubigern täglich verfolgt sieht, vernünftiger Weise voraussetzen, daß er bei dem großen, ungleich schwierigeren Staatshaushalte nur einigermaßen erfolg­reich mitzuwirken, im Stande seyn werde? Kann man doch die Bürgermeister- oder Rechnerstelle der kleinsten Gemeinde unmöglich mit Aussicht auf einen guten Erfolg in solche Hände legen. Oder gelten etwa seit den Märztagen bei den Wahlen der Stände andere Grundsätze? Darum vor allem ein neues gutes Wahlgesetz!

Man soll die Stimmen wägen, und nicht zählen.

Der Staat muß untergehn, früh oder spät,

Wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet".

(Schiller.)

Deutschland.

A Von der Dill, 20. Juni. Die Pensionirung mehrerer Kammermitglieder der Linken hat nicht verfehlt, denSchrei der Entrüstung" im Lager der sogen. Demokraten hervorzurufen. Sie verspotten und höhnen die Regierung und streuen den Leuten wie gewöhnlich Sand in die Augen. Oder soll es viel­leicht Wahrheit seyn, wenn sie z. B. dem geduldigen Franks. Journal sagen, der Regierungsrath Hehner sey zum Hofgenchts-