Einzelbild herunterladen
 

geschieht, da haben Sie kein Interesse; so scheint die ganze Sache begraben und vergessen. Was ich von Eingeweihteren höre, ist, daß man weniger die Antipathien der Regierungen und Völker fürchtet, die man durch Konzessionen im Wahlgesetz zu versöhnen bereit seyn soll, als die Intriguen Oesterreichs, das gewiß kein Mittel unversucht lassen wird, die endliche Gründung des deutschen Reichs zu hindern.

Berlin, 18. Juni. (D. Z.) Der große Richard Bentley war so dick, daß er der Bequemlichkeit halber zwei Plätze auf dem Postwagen zu bestellen pflegte. Es begegnete ihm aber, daß er einmal einen Platz im Hauptwagen und einen in der Beichaise angewiesen erhielt. In dieser Lage befinden sich jetzt bei uns in Preußen manche Gutsbesitzer und reiche Leute, die nach ihrem Steuersatz nicht blos die erste Klasse der Wähler allein bilden, sondern auch noch weit in die zweite Klasse hineinragen. Herr von Manteuffel hat, um diese und andere Schwierigkeiten zu lösen, deßhalb im Einverständniß mit dem Ministerium bereits ein halbes Dutzend Erläuterungen zum Wahlgesetz erscheinen lassen. Die demokratischen Vereine in den Provinzen erklären großentheils, nicht wählen zu wollen. Auch der soeben in Frankfurt a. d. O. abgehaltene Kongreß, auf dem 17 Städte vertreten waren, hat dies beschlossen.'In­deß wird die ganze konstitutionelle Partei sich schließlich doch wohl betheiligen und die Demokraten sind weit davon entfernt, mit sich im Reinen zu seyn.

Wien, 17. Juni. Ueber das bereits gemeldete Gefecht der Oesterreicher und Ungarn bei Czorna geben die heute ein# getroffenen Briefe und Zeitungen aus Wien noch Nachträge. Ueber die 64stündige Schlacht mit den 33,000 Mann Todten auf beiden Seiten (!), der entweder fromme Wünsche oder un, erklärliche Leichtgläubigkeit in der Berliner Tagespresse eine Stelle verschafft haben, ist kein Schatten von Gerücht in den Wiener Nachrichten vom 17. zu finden.

Wien, 16. Juni. (Allg. Z.) Es bestätigt sich, daß die Insurgenten die Brigade Wyß am 13. früh bei Marczaltö und Egyed (in der Gegend von Kapuvar und Csorna) mit großer Ueberm acht überfallen und zurückgeschlagen, bei welcher'Gele­genheit der die Brigade kommandirende Feldmarschall-Licutenant Wyß, von zwei Kugeln getroffen, in die Hände deS Feindes fiel und, wie heutige Berichte melden, bereits todt gefunden wurde. General Wyß war, wie der tapfere Hentzi, ein gehör# ner Schweizer. Auch der Oberst des Kaiser -Uhlanenregiments (Baron Zeßner) soll in die Hände der Feinde gefallen seyn.

Dagegen ersehe ich aus einem Briefe aus der Schütt, daß bei Szerev ein Treffen vorfiel, in welchem gegen tausend Hon- ved und Husaren auf dem Platze geblieben seyn sollen. Ein magyarischer Oberst wurde gefangen. In der Schütt wurden Russen erwartet.

halten heute Artikel, dle, ohne gerade absolut heftig zu sein, doch hübsch frei sich ausdrücken, was sie vielleicht in weit höherem Grade gethan hätten, wenn die Warnung nicht ge­kommen wäre. DiePresse" greift die Politik der Regierung an und predigt noch immer zu Gunsten unbeschränkter Freiheit unter allen Umständen und zu allen Zeiten. Sie kann oder will nicht einsehen , daß die wahre Freiheit bisweilen nur durch heilsame und vorübergehende Beschränkung gesichert zu werden vermag."

Paris, 19. Juni. (K. Z.) Gestern traf die nachstehende telegraphische Depesche aus Lyon vom 18., 11 Uhr Vormit, tags, hier ein:

Der Rhone-Präfekt an den Minister des Innern.

Lyon ist vollkommen ruhig. Die (Vorstädte) Croir-Rousse und Guillotiere werden entwaffnet; die Operation geht gut und ohne Widerstand vor sich.

Vorgestern setzte der Präsident der Republik seine Besuche in den Spitälern von Paris fort. Besondere Aufmerksamkeit schenkte er den Cholera-Sälen und sprach große Zufriedenheit aus, als er vernahm, daß die Zahl der Kranken und die Heft ligkeit der Seuche merklich abnehme. Gestern besuchte er in Begleitung des Arbeitsministers die Industrie-Ausstellung in den elysâischen Feldern, ließ sich durch alle Galerieen führen und bekundete große praktische Kenntniß der verschiedenen In­dustriezweige. Von der draußen versammelten Menge wurde er lebhaft begrüßt.

Gestern Abend hieß es in der Nationalversammlung, daß die Regierung so eben Depeschen empfangen habe, durch welche das Einrücken der Franzosen in Rom nach vorhergegangenem Sturme gemeldet werde. DasEvenement" von gestern Abend versichert, daß der hiesige päbstliche Nuntius jene Nachricht als zuverlässig mitgetheilt habe.

Amerika.

Neuyork, 30. Mai. DasWochenblatt der deurschen Schnellpost" berichtet heute Folgendes:Der Kriegssteamrr United States," welcher ohnlängst von der deutschen Zentral­gewalt hier angekauft wurde, liegt nun zur Abfahrt bereit nahe der Batterie. Er ist vortrefflich ausgestattet und mit 13 Ka­nonen (10 achtundvierzig und 3 achtundsechszig Pfändern) versehen worden. Am Samstag (26.) wurde eine Versuchs­fahrt gemacht, der die angesehensten deutschen Kaufleute unserer Stadt beiwohnten. Die Maschinen arbeiteten sehr gut, und es steht zu erwarten, daß der Steamer in kurzer Zeit Southampton erreichen werde. Dort angekommen, .wird man die deutsche und preußische (?) Flagge, welche schon am Bord sind, aufziehen, und die weiteren Befehle der deutschen Regierungen abwarten."

Frankreich.

Paris, 18. Juni. Die JournalePresse",Siecke" und National" enthalten heute folgende gleichlautende Erklärung: Die Zensur ist wieder hergestcllt. ; sie ist blos nicht amtlich wieder hergestellt. Ein Polizeikommissar kam gestern in die Bureaux desSiecle", derPresse" und desNational", um diesen Journalen warnend zu bedeuten, daß man, falls sie da­rauf beharrten, ihre Ansichten über die Weise, wie die Majori­tät die Artikel 5 und 34 der Verfassung auslege, noch ferner kundzugeben , eben diese Majorität darüber interpelliren und daß bieje dann zu ihrer Beschlagnahme ermächtigen werde. Wir müssen uns der Gewalt unterwerfen; aber wir wünschen, daß das Publikum wisse, daß unsere Federn nicht lange frei sind."

In Bezug auf diese Erklärung sagtGalignani's Mes­senger":Es war vielleicht unnöthig, daß diese Journale dem Publikum ankündigen, ihre Feder sei nicht mehr frei. Wir haben noch nie von einem Belagerungszustände gehört, wo die Presse nicht als unter einer Kontrole stehend galt, welche über die des gewöhnlichen Gesetzes hinausgreift. Ob die vonPresse" undNational" seit dem 13. veröffentlichten Artikel von der Art waren, daß die ihnen gewordene freundschaftliche War­nung Erfolg gehabt hat? Beide eben genannte Journale ent­

Nachschrift.

Stuttgart, 19. Juni. (Schw. M.) Se. Majestät der König ist diesen Vormittag hier angekommen. Di e @ e# rächte von Verwundungen von Abgeordneten, z. B. Uh land's sind falsch. Die Mitglieder der Re­gentschaft sind gestern Abend abgereist; man sagt, nach Baden.

Ueber die Stimmung der Stadt läßt sich wenig berichten. Stuttgart ist so ruhig als je, aber bei den Meisten läßt sich der peinliche Eindruck nicht verwischen, daß eS mit der deutschen Nationalversammlung so weit kommen mußte.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Die erste Ausgabe des politischen Blattes wird an jedem Werktage, Nachmittags um 3 Uhr, ausgegeben oder kann im Expeditionslokale abgeholt werden.

Wie Expedition der Nass. Allg. Aeitnng.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.