Einzelbild herunterladen
 

kombinirte Angriff dürfte in kürzester Frist erfolgen, oder viel­leicht schon erfolgt seyn.)

Beerfelden, 19. Juni. (Darmst. Zeit.) DaS Frankfurter Journal berichtet, daß Freischärler aus dem nahen Baden hier eingefallen seyen. Wir haben sie nicht gesehen; außer den 600 badischen Soldaten vom 3. Regimente, die am 30. v. M. bei Fürth versprengt worden waren und die am folgenden Tage in aufgelöstem Zustande in Begleitung des saubern Löhr nach der badischen Stadt Ebcrbach hier durcheilten, sind uns noch keine badischen Waffen zu Gesicht gekommen.

Bezüglich deS von einem Bataillon des 3. kurhcsstschxn Infanterieregiments und dem 3. bayerischen Jägerbataillon und L mecklenburgischen Geschützen der Hanauer Freischaar am 15. C M. bei Hirschhorn gelieferten Gefechtes ist der Wahrheit gemäß zu berichten, daß diese 6 Todte auf dem Platze ließ, die Reichstruppen dagegen nur zwei Todte und 78 Verwun­dete hatten. Ihre Verwundeten hat die Freischaar mitgenom­men und ist deshalb die Zahl derselben nicht anzugeben.

Weinheim, 17. Juni. General V. Peucker hat durch Be­kanntmachung vom 17. Juni, in Folge des verkündeten Kriegs- - Zustandes und Standrechts für den Unter- und Mittelrheinkreis, die Bürgerwehr und alle bewaffneten Vereine in diesen Kreisen für aufgelöst erklärt und eine allgemeine Entwaffnung ange­ordnet. (D. Z.)

In einem Berichte desSchwäbischen Merkurs" aus Karlsruhe vom 15. heißt es unter Anderm:Die Preußen haben das Willich'fche Korps vor Landau zersprengt und ver­jagt, und sind gestern Abend in Lange nkanbel, 4 bis 5 Stunden von Karlsruhe, eingerückt." Und in der Nachschrift dieses Berichtes: Die Preußen sollen sogar schon in Wörth (einem Dorfe jenseits des Rheins, 2 Stunden von Karlsruhe) angekommen, und die Rheinbrücke bei Knielingen heute Nach­mittag abgebrochen haben. Ein in Stuttgart angekommener Privatbries aus Karlsruhe vom 17. Juni sagt: Die Preus­sen haben in Rheinbayern Alles auseinandergesprengt, und die Bauern gehen mit Dreschflegeln und Mistgabeln gegen die Fr ei schaaren. Heute sprach ich einen Offizier der Letztern, der mir sagte, sein ganzes Korps sey versprengt; er brachte noch 40 Mann hierher.

Der badische Oberbefehlshaber, General Mieroslawski (der Mannheim in Belagerungszustand erklärt hat) soll geäußert haben, daß er vie Stadt Mannheim nicht übergeben werde, und wenn kein Stein auf dem andern bleibe (er hat demnach vor, aus Mannheim ein zweites Katanea zu machen, d. h. wenn die Stadt ein Schutthaufen ist, geht er weiter). Die Bitte der Mannheimer um Schonung ihrer Stadt soll er schnöd zurückgewiesen haben und Brentano dringend dahin gerufen worden seyn. Brentano hat sich darauf nach Mannheim begeben.

Preußisches Hauptquartier zu Neustadt an der Hardt, 18. Juni. (O.-P.-A.-Z.) Die Division des Generals v. Weber hat gestern bei Rinnthal mit einer Avantgarde ein einstün- diges Gefecht mit den Insurgenten unter Willich und Schim­melpfennig gehabt. Der Verlust derselben betrug ungefähr 20 Todte, 40 Verwundete und 20 Gefangene, der diesseitige 1 Todten und 6 Verwundete. Landau ist j>tzr von allen Seiten von preußischen Truppen umgeben, Insurgenten sind nicht mehr in der Nähe dieser Festung.

Ueber die Vorgänge in Stuttgart am 18. Juni ist noch Folgendes zu berichten:

Nachmittags 4 Uhr wurde die Nationalversammlung im Reithaus, da eine außerordentliche Sitzung anberaumt war, von Reiterei und Infanterie der Linie umzingelt, während Sap- Peurö die innere Einrichtung des Saales zerstörten. Mittler- I weile versammelten sich die Abgeordneten im Hotel Marquardt , And schritten dann im Zug, den Präsiventen Löwe, Ludwig Uhland, L. Simon von Trier, Schott, Titus u. A. an der Spitze, begleitet von zahllosem Volke, längs der langen Straße nach dem Sitzungslokal. In der Nähe der Reitbahn ange­langt, stieß der Zug an zwei sich kreuzenden Straßen auf das obengenannte Militär, 2 Stabsoffiziere (der eine angeblich Ge­neral v. Miller) an der Spitze. Das Parlamentiren war sehr kurz; Löwe protestirte; der eine Stabsoffizier wollte mit Uhland reden , aber das Geschrei des Volkes und die Ausbrüche des Unwillens ließen wenig verstehen, als Plötzlich der Infanterie geboten ward, voranzugehen. Sie blieb Gewehr bei Fuß stehen und mußte Kehrt machen, um die Reiter vorzulassen; diese leg­ten die Lanzen ein und nöthigten die Abgeordneten zum Abzug. Die Abgeordneten gingen, von Kavalerie gefolgt, ins Hotel

Marquardt zurück, um zu berathen. Die Reiter umstellten das Lokal, von Bürgerwehr war nichts zu sehen. Einzelne Neckereien fielen vor. Erhebliche Konflikte sind nicht vorgekommen. 14 Kanonen stehen bespannt in der Kaserne. Abends sah man einzelne Bürgerwehrmänner bewaffnet zu den Sammelpätzen eilen. Soviel ist sicher, daß die Nationalversammlung und Regentschaft hier nicht länger weilen kann. (O.-P.<A.-Z.)

Stuttgart, 19. Juni. Zur Abwehr gegen die vielen An­schuldigungen und Vorwürfe seitens der radikalen Presse, na, mentlich desBeobachters," hat Staatsrath Römer im heu­tigenSchwâb. Merkur" eine Erklärung veröffentlicht, in wel­cher er nochmals die Motive auseinandersetzt, von denen er in seinen Maßnahmen gegen den Rest der deutschen National­versammlung geleitet wurde. Die Gründe sind dieselben, welche Römer bereits zum Oeftern aus der Tribüne der Ständekam­mer kundgegeben. Der Schluß jener Erklärung lautet:Die Beschlüsse einer solchen Versammlung (nämlich der Versamm­lung, welche seither in Stuttgart als Nationalversammlung forttagte) vermag die würtembergische Regierung besonders dann nicht anzuerkennen, wenn sie nur durch die Menschen- und Geldkraft des'ckembergischen Volkes vollzogen werden sollen. Daß es aber bei den Beschlüssen der Nationalversamm­lung vom 6. d. Mts. w. zunächst auf Würtemberg abgesehen sey, das kann ein Blinder sehen, weil es, außer Würtemberg, fast kein Reichsland mehr gibt. Indem indessen die würtem­bergische Regierung die Beschlüsse der Nationalversammlung und sogenannten Regentschaft nicht anerkennt, sagt sie nicht, daß hierdurch die bereits erfolgte feierliche Anerkennung der ganzen Reichsverfassung zurückgenommen werde. Diese Aner­kennung bleibt vielmehr in voller Kraft und wird auch bereits bethätigt, soweit dieses, da wir ein deutsches Reich noch nicht besitzen, in einem einzelnen Staate möglich ist. In dem vor­liegenden Streite, in welchem sich die radikale Presse durch Entstellungen, Verdächtigungen, Verleumdungen und Lügen auf eine Weise auszeichnet, welche meine Langmuth und Geduld erschöpft hatte, handelt es sich zunächst nun darum:soll sich Würtemberg zur Rettung der badischen und pfälzischen Republik in einen Krieg mit dem übrigen Deutschland stürzen?" und diese Frage verneinen Regierung und die Volksvertretung. Fr. Römer."

Harburg, 17. Juni. Der Herzog von Nassau traf diesen Nachmittag mit dem Kölner Bahnzuge hier ein, und ging so­fort nach Altona weiter.

Frankreich.

Paris, 18. Juni. (O.-P.-A.-Z.) Die Nachricht von der Gefangennahme Blinds, welche ein Pariser Blatt in Zweifel zieht, wird von der lithogr. Korrespondenz für ganz gewiß er­klärt und uoch hinzugefügt, daß auch Arnold Ruge in der Conciergerie sitze. Bei den Verbindungen, welche diese Kor, responbenz mit der demokratisch-sozialistischen Partei hat, kann man beide Angaben für "zuverlässig und auS sicherer Quelle geflossen halten. ___________________

Nachschrift.

AuS dem Hauptquartier Sr. königlicheHoheit des Prinzen von Preußen. Graben bei Bruchsal, 20. Juni. Heute mit Tagesanbruch ging die Avantgarde über den Rhein. Die Insurgenten hatten in der Nacht ihre günstige Stellung aufgegeben, so daß kein Gefecht stattfand. Auch aus Philippsburg zog der Feind bei Annäherung der Truppen ab. Ein unregelmäßiger Haufe, gegen vier­hundert Mann, wurde von einer Eskadron des neunten Husa- rcnregimentes angegriffen, und mit Verlust gesprengt. Prinz Friedrich Karl von Preußen (Reffe Seiner Majestät) machte diese Attaque mit, und erhielt leider zwei leichte Schuß­wunden in der reckten Schulter und rechten Hand; außer­dem ist leider der Verlust von drei Offizieren und mehreren Husaren zu beklagen, die vermißt werden und von welchen zu fürchten ist. daß sie geblieben sind. Das ganze vom Ge­nerallieutenant v. Hirschfeld kommandirte Korps war ms heute Morgen 9 Uhr über den Rhein gegangen. Die In­surgenten halten die Neckarlinie besetzt; ein starkes Korps soll bei Bruchsal stehen. (O.-P.-A.-Z.)

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.