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meine Mißstimmung. Die unheilvolle Spaltung zwischen Re­gierenden und Regierten steigerte sich zu dem Grade, daß ein offener Bruch unvermeidlich wurde.

Es sollte aber jeder Vaterlandsfreund bedenken, daß Spaltung einer Nation deren Schwächung zur Folge haben muß und daß Ausgleichung der beiderseitigen In­teressen, wie bei allem Streite, auch hier daS einzige ver­nünftige Ende des Kampfes seyn kann. Auf gegenseitige Zer, störung geht nur der Wilde und das Raubthier aus, unsere Zivilisation, wenn sie eine wahre ist, muß uns davon abhal­len. Wenn wir aber unsere gegenwärtige Zerrüttung und ge­sellschaftliche Auflösung überschauen, werden wir zur Ueber­zeugung gelangen, daß wir bald in der Lage sind, wo uns kein Opfer mehr zu schwer fallen wird, insofern es uns und die menschliche Gesellschaft vor dem Untergänge in Barbarei errettet. Die Parteien brauchen nur noch einen Schritt weiter sich von einander zu entfernen, statt daß sie sich zum gegen­seitigen Verständniß versöhnend die Hände reichen sollten.

In einer Zeit, wo Alles auseinander zu fallen droht, ist die Ausübung des unbestreitbaren Vereinigungsrechtes der ein­zelnen Glieder der Nation zu einem festen Ganzen unsere heilige Pflicht, und kein vernünftiger Mensch wird dieses Be­streben ein revolutionäres nennen, wenn es ohne Beeinträchti­gung der Theile vorgenommen und die Angelegenheit der gan­zen Nation nicht Parteisachc wird. Wohl ist es gewiß, daß Parteien in jedem Lande vorhanden seyn müssen, und daß ein Wetteifer unter denselben zur allgemeinen Belebung der That­kraft eines Volkes nothwendig ist. Aber eben deßhalb dürfen diese sich nicht gegenseitig ausschließen und zernichten wollen. In England, dem Lande der größten politischen Thätigkeit und Kraft und der dehnsamsten Verfassung, wird weder ein Tory noch Wigh in den politischen Blödsinn verfallen, die Gegen­partei auSgerottet zu wünschen, weil eben dadurch ein Theil von England zu Grunde ginge. Er ist vor Allem Engländer, der in sich und dem Geringsten seines Landes das mächtige England achtet und in der Erhaltung Aller die Quelle der gegenwärtigen Größe und des Wohlstandes erblickt.

Die Ursache dieses jetzt mehr als je beneidenswerthen Zu­standes ist die Verfassung jenes Landes und die Art, wie sie zu Stande gekommen. Nach langem blutigem Kampfe war eS keine andere, als Vereinbarung zwischen Krone und Volk, nur Vereinbarung, so peinlich auch dieses Wort den Ohren der Parteien klingen wird, welche sich bei uns auf Kosten ihrer Gegner allein geltend machen wollen. Gerade, weil nur mit Anerkennung und Schonung gegenseitiger Be­rechtigungen eine Vereinbarung zu Stande kommen kann, stellte ste auch Alle zufrieden und ließ keinen Keim von Mißtrauen zurück, der zu späterem Kampfe Anlaß gegeben hätte. Das tm Anfang Versäumte wurde durch das Bedürfniß der folgen­den Jahre verbessert, denn England war auch nicht auf ein­mal ein Musterstaat. Wenn aber nach Allen geschichtlichen Erfahrungen die Verfassung eine gute ist, welche den augen­blicklichen Bedürfnissen abhilft, und so viel Dehnbarkeit, um zu den künftigen nothwendigen Verbesserungen Gelegenheit und volle Freiheit zu geben, so wird gewiß jeder Unbefangene eine solche in der von unserem Volkshause zuerst ausgestellten Reichs­verfassung mit Freuden begrüßen. Daß dieselbe nicht die drin­gend nothwendige Anerkennung fand, ist die Ursache aller gegenwärtigen Zerwürfnisse, die zur Folge haben, daß und nun von anderer Seite, aber in allem Wesentlichen ganz die­selbe zur Vereinbarung vorgelegt worden. Ob dadurch, daß die Ausführung derselben Idee in andere Hände übergegangen, die Sache nebst Ursprung und Folgen eine andere werden wird, müssen wir der ruhigen Ueberlegung eines jeden Unbefangenen überlassen. Wir können nicht zu der Ueber­zeugung gelangen, daß, was vor zwei Jahren mit unendlichem Jubel begrüßt worden wäre, und was jedenfalls nur als der Er­folg unserer nationalen Erhebung in der Weltgeschichte ausge­zeichnet werden wird, nun werthlos ist, weil eS auf anderem Wege und unter anderer Aufschrift an unS gelangt, als wir eS anfangs im Sinne hatten.

Deutschland.

Mainz, 19. Juni. (Darmst. Zeit.) In unserer Stadt herrschte die ganze Zeit über eine auffallende Ruhe, die, nach den seit sechzehn Monaten andauernden Stürmen äußerst wohl­thuend war. Wir verdanken sie dem Umstande, daß unsere sämmtlichen republikanischen Großmäuler nach Rheinbayern

ausgewandert waren,um dort mit Blut und Leben für die ReichZverfassung einzustehen." Seit einigen Tagen sind nun aber, nach dem glorreichen Rückzüge des Bürgers Zitz, fast alle unsereHelden" zurückgekehrt, um sich von ihren Anstrengun­gen am heimathlichen Heerde zu erholen, und nebenbei die ruhigen Bürger zu chikaniren. Nicht nur, daß mit jeder Stunde die niederträchtigsten Lügen vom Kriegsschauplätze mit wahrer Wollust kolportirt werden, hat man jetzt eine neue Erfindung gemacht, um unsere Stadt in beständiger Aufregung zu erhal­ten. Jeden Abend bilden sich am Fischthore zahlreiche Zusam­menrottungen, wo auf offener Straße die neuesten Lügen der Neuen deutschen Zeitung und des Mainzer Tagblattes laut vorgelesen und mit den pikantesten Kommentaren begleitet wer­den, während welcher Zeit jeder verständige Bürger, um sich nicht unangenehmen Konflikten mit dem souveränen Pöbel aus­zusetzen, die sonst so frequente Rheinstraße zu meiden ge, nöthigt ist.

Mainz, 19. Juni. (F. I.) Diesen Nachmittag wurden die Verleger, Redakteure und Drucker sämmtlicher hier erschei­nenden Blätter vor die Polizeibehörde beschicken und ihnen folgendes Reskript des Festnngsgouvcrnements an den Terri- . torialkomm ssär v. Dalwigk mitgetheilt:

Da die hiesigen Zeitungen vielfach falsche Nachrichten vom Kriegsschauplatz verbreiten, die nur dazu dienen können, Aufregung und Mißhelligkeiten zu veranlassen: so beehrt sich das Festungsgouvernement, Ew. Hochwohlgeboren ganz erge- benst zu ersuchen, den hiesigen Zeitungen und Tagblättern jede Veröffentlichung solcher Nachrichten hochgefälligst zu untersagen und dabei die Zeitungsredaktionen zu bedeuten, daß, wenn sie diesem Verbote nicht Folge leisten sollten, das Festungsgouver- nement das Erscheinen der Zeitungen überhaupt verhindern werde."

Frankfurt, 20. Juni. (O.-P.-A.-Z.) Die Verpflegung des am Neckar stehenden Reichstruppenkorps wird täglich schwie­riger, und muß daher aus der Ferne bewirkt werden. Darum sind heute Nacht hier wieder 60,000 Portionen Brod, 30,000 Portionen frisches und 20,000 Portionen gedörrtes Fleisch von hier verlangt und abgesandl worden.

Darmstadt, 20. Juni. (Darmst. Z.) Aus dem bisherigen Hauptquartier Weinheim kommen uns vom IS.^STFencd und vom 19. Mittags Berichte zu, welchen wir Folgendes entlehnen: . ,

Auch der 18. ist ganz ruhig vorübergegangen, kein Feind hat sich sehen lassen. Ich besuchte das Birkenauer Thal. In den stattlichen Mühlen liegen Soldaten vom 1. gr. Jnf.-Reg., nach Birkenau zu Nassauer, in Birkenau selbst ein Bataillon derselben, zwei Kompagnieen mecklenburgische Scharfschützen und eine Schwadron mecklenburgische Dragoner, weiter oben im Thal in und bei Fürth die Truppen des zweiten Seilendetasche- mentö, ein bayrijches Jäger- und ein kurhesfisches Infanterie- bataillon.

Die Nacht zum 19. ist ebenfalls ohne Bewegung vorüber­gegangen. General v. d. Gröben besinnet sich im Ha uh (quar­tier und konferirt mit Peucker und Schäffer. Im Lager hat sich die Nachricht verbreitet, General v. Hirschfeld habe den Agitator Zitz standrechtlich erschießen lassen; man zweifelt in­dessen daran und glaubt der bekannte Großsprecher werde eS schon verstanden haben, sich zur rechten Zeit zu salviren und seiner kommenden Zeit aufzubewahren." Heute (19.) Vor­mittags begab ich mich an der südöstlichen Seite der Stadt den Katzenlauf hinauf um den Steinbruch zu ersteigen, während in der Stadt bereits Trommeln und Hörner die Truppen zu­sammenriefen , was mich aber nicht störte. Ein nassauisches Piket steht auf der Höhe und von dieser, einem der reizendsten Punkte der Bergstraße, überblickt man die ganze Rheinebcne bis Speyer und muß man die Gefechte vom Freitag und Samstag wie in einem Theater haben übersehen können. Der Kommandant des nassauischen Postens, ein gebildeter junger" Unteroffizier erzählte mir, eS seyen in der Nacht einige Schüsse gefallen, wahrscheinlich von unseren Vorposten, auch seyen ant frühen Morgen schon vier Bahnzüge zwischen Mannheim und Heidelberg gegangen. Als ich in die Stadt hinab kam, waren schon alle Truppen in voller Rüstung und Bewegung, Hesse«, Frankfurter, Mecklenburger ic. Ich erfuhr, daß sie alsbald na| dem Obenwalbe aufbrechen, während die Preußen gegen de» Neckar gehen. (Dieses ist geschehen; das ganze Peucker'sche Korps hat sich gestern nach dem Odenwald begeben, um von da alö linker Flügel zu opcriren, während den rechten die preu­ßischen Truppen bilden. Der nunmehr, wie cs scheint, vollständig