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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

â 142.

Sonntag den L7 Juni

18419»

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume- rationspreis ist in Wiesbaden 8 ft., für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 ft. 30 kr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn-und Tarisschen Verwaltungsgebietes 8 ft. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen­de rg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Beim Herannahen des neuen Quartals bitten wir die Bestellungen auf unsere Zeitung möglichst frühzeitig machen zu wollen, damit wir im Stande sind, von vornherein vollständige Exemplare zu liefern.

Die Expedition der Nass. Allg. Zeitung.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Dienstnacheicht.

Nichtamtlicher Theil.

Die Farblosen und die Achselträger.

Deutschland. Wiesbaden (Dienstveränderungen. Aus der Pfalz). Limburg (Die Idsteiner Beschlüsse und die Antwort des Herzogs). Frankfurt (Ein Triumvirat in Karlsruhe erwählt). Darmstadt (Die Stellung der Reichsarmee). Bon der Bergstrasse (Zur Cha­rakteristik der Freischärler). Aus Rhe inh ess en (Die Blenker'sche Freischaar). Wi e n (Bem soll geschlagen seyn).

Fraukre^^ P a r is ^Tagesbericht).

Amtlicher Theil.

Dem quieszirten Lehrer Scherer von Wahlrod ist die dasige Schulstelle und dem Lehrvikar Krombach in Wahlrod die Lehrvikarstelle in Merzhausen in provisorischer Eigenschaft übertragen worden.

Der Lehrer Henninger in Kransberg ist zum ersten Lehrer in Sindlingen und der Schulkandidat Schönbach von Stephanshausen zum Lehrgehülfen daselbst ernannt worden.

Nichtamtlicher Theil.

I

c

§i Die Farblosen und die Achselträger.

Es ist schon häufig darauf hingewiesen worden, wie. jeder Staatsbürger einen bestimmten Standpunkt im Staatsleben einnehmen müsse und scheint diese, sowohl von der Rechten, als auch der Linken vertheidigte und von dieser dahin ausgedehnte Ansicht:wer nicht für uns ist, der ist wider uns," in der Natur des Menschen Bestätigung zu finden, weil ein Jeder, der nicht an Stumpfsinn leidet, auch ohne die vielen Anregun­gen der jetzigen Zeit, zu denken und eine eigene Meinung zu haben gezwungen ist und ein Recht und eine Verpflichtung der Staatsbürger darin besteht, die erlangte Ueberzeugung und das sür wahr und recht Erkannte zu äußern und durch Hand­lungen auSzuprâgen.

Die Rede- und Preßfreiheit ist daher gewiß eines der er­sten angeborenen Rechte der Menschen. Diese Rechte sind nun

zwar errungen, aber eine allgemeine herrschende Gleisnerei läßt ihren würdigen Gebrauch nicht zu und zu was sind sie geworden, wo sich in ihnen die innere und wahre Ueberzeugung nicht ausspricht!

Leider finden wir in der jetzigen Zeit, daß nur Wenige der ihnen inne wohnenden Ueberzeugung folgen und Viele nach den obwaltenden Verhältnissen ihre Ansichten bilden.

Es führt uns diese Erfahrung zwei Hauptklassen der jetzi­gen Gesellschaft vor, nämlich die der Achromatischen, Halben, Vorsichtigen, Feiglinge und die nicht minder zahlreiche Klasse der Achselträger und Heuchler.

Es ist Pflicht, hierüber Erfahrungen mitzutheilen und jeder Partei muß daran gelegen seyn, ihre Leute kennen zu lernen und sich die Erkennungszeichen zu merken. Wir theilen dieselben nach denen von uns gemachten Erfahrungen mit, wollen aber nicht in Abrede stellen, daß es noch andere Merk­male geben könne.

Die Klasse der Farblosen ist leicht geschildert. Sie pflegt am Volksleben keinen Antheil zu nehmen, wichtige Angelegen­heiten ausgenommen, wo zu fürchten steht, daß das Nichtbe­theiligen zu einer Handlung wird. Sie zeichnet sich durch Schweigen und Beobachten aus und vermeidet ängstlich Be, sprechungen über politische Gegenstände; sie ist stets höflich und bemüht, die inne wohnende wahre Ueberzeugung zu ver­bergen.

Wenn die Verhältnisse drängen und der Farblose durch die Umstände gezwungen wird, aus seiner Theilnahmlostgkeit herauszutreten, so fällt er entweder der einen oder der andern Partei plump in die Arme und wird alsbald erkannt -unb ver­achtet, oder, und wenn er sich die nöthige Feinheit und die erforderlichen Kniffe zutraut, so schließt er sich der auf einer höheren Stufe stehenden, vervollkommneteren Klasse derAchsek- träger an.

Von den Umständen, dem Grad der Geschicklichkeit und dem Terrain hängt es ab, wie lange die Täuschungen in sei­ner neuen Stellung Erfolg haben.

3« einem gelungenen Wirkest dieser zweiten Klaffe sind zwei verschiedene Versammlungsorte, Wirthshäuser, am besten solche geeignet, wo ohne bestimmte Verabredung Leute von zwei Farben sich getrennt und eingemischt zusammenfinden.

Der Doppelgänger dieser Klasse besucht möglichst alle Lo­kale, hört Alles und behält das Beste sür seine Absichten; ist dadurch stets von Allem unterrichtet und vertheidigt in allge, meinen und unbestimmten Ausdrücken die in diesem oder jenem Lokale passende Ansicht, läßt dabei aber Vieles nur errathen. Je nachdem er gerade der Anwesenden in der Gesellschaft ge­wiß ist, schimpft er heute über Fürsten und Regierungen, um morgen das Entgegengesetzte vor anderen Zuhörern vorzutra» gen, wobei seine Ansichten von gestern als Zweifelsgründe be­nutzt werden.