sprechunqen hegen, wovon sie noch nichts als das Gegentheil gesehen haben. Die radikalen Schönschwätzer und Volksbeglücker sind ebenfalls schon sehr im Kurs gesunken, und es ist für dieselbe fast kaum mehr rathsam, sich noch mit ihrer schlechten Waare auf dem Lande sehen zu lassen.
Deutschland.
^ Idstein, 11. Juni. Von der Verpflichtung, den Lesern Ihres geehrten Blattes eine auch nur annähernd vollständige Mittheilung über die gestern in hiesiger Kirche stattgehabten Verhandlungen des sich so nennenden Landes-Kongresses zu geben, halte ich mich aus zweifachem Grunde für entbunden; einmal weil von dem in jener Versammlung anwesenden Stenographen unsrer Abgeorvneten-Kammer ein vollständiges Protokoll über die dortigen Verhandlungen ausgenommen worben ist, welches demnächst dem Vernehmen nach in der Freien Zeitung zu lesen seyn wird — wenn auch voraussichtlich mit Weglassung der manche Redner wohl zu stark kompromittirenden Anträge auf Aufforderungen — hauptsächlich aber deßhalb, weil diele mit so vielem Pomp angekündigte Versammlung ein so lächerlich unbedeutendes Resultat ergab, daß ich — beschlichen von einem Gefühle der Wehmuth — mich im Stillen fragte, wie es möglich sey, daß Männer in reiferen Jahren sich entschließen können, Geld und Zeit zu vergeuden, um sich an einem solchen Marionetten-Theater zu bctheiligen!
Nur auf einige Hauptmomente will ich die Aufmerksamkeit Ihrer Leser lenken.
Vorerst die höchst aristokratische Bemerkung, daß es sicher manches Kopfschütteln veranlaßt haben wird, wie sich Männer, deren Stellung im Staate ihnen die stets und überall an er# kannte Verpflichtung auferlegt, den gerechten Ansprüchen des Publikums auf Wahrung ihrer äußerlichen Ehre Rechnung zu tragen, wie sich ein Geistlicher, ein Offizier, ein Gerichtspräsident und andere Staatsbeamte entschließen konnten, unter die Aufforderung zur Beschickung jenes sogenannten Kongresses ihre Namen neben so manchen andern Namen von mindestens übelem Klange zu setzen!
Was die Verhandlungen selbst betrifft, so drehten sich dieselben im Wesentlichen nur darum, ob das zum Beschlusse erhobene Programm — gegen dessen Inhalt sich natürlich in einer solchen Versammlung keine Stimme erhob — sofort mit Gewalt durchgesetzt werden soll oder nicht. Der, vom moralischen Standpunkte aus betrachtet, ohne Zweifel achtbarere Theil der Redner sprach sich bejahend aus, ganz treffend hervorhebend, daß im andern Falle alle Verhandlungen nichts als nutz- und zweckloses Gewäsch seyen. Die anscheinend gemäßigte, ilt Wirklichkeit aber feige, stets nur zu weniger gefährlicher Wühlerei greifende Parthei trat dem entschieden entgegen, konnte der drohenden Preußischen Bajonette nicht oft genug erwähnen, und setzte so den nichts sagenden jesuitischen Beschluß durch, daß es, im Falle der Ablehnung der von der Versammlung gefaßten Beschlüsse, lediglich dem Ermessen des niedergesetzten BollziehungSausschusses anheim zu geben sey, was nun zu thun I
Nach Ernennung einer Deputation zur Ueberbringung der Petition an Se. Hoheit den Herzog, wobei es sehr tumultua- risch herging, indem bei Weitem den meisten Anwesenden schon längst die Geduld ausgegangen war , wurde denn der sogenannte LandeS-Kongreß, von dem übrigens wohl nicht einmal die Freie Zeitung die Kühnheit haben wird zu behaupten, daß er auch nur annäherungsweise als eine Vertretung der Gemeinden deS Landes gelten kann, geschlossen.
Zum Schluffe will ich Ihre Leser noch auf die Rede deS Abg. und Pfarrers Snell, als auf ein Kuriosum ganz besonderer Art aufmerksam machen, indem derselbe den logischhalsbrechenden Versuch wagte, die Zuhörer zu überzeugens daß die gegenwärtige Nassauische Ständekammer keine konstitui- rende Versammlung sey, weil sie nicht aus direkter Wahl hervorgegangen, und zugleich: daß die Regierung nicht die Be- fugniß gehabt habe, diese Ständekammer zu vertagen, weil dieselbe eine konstituirende sey! — natürlich allgemeines Bravo!
Darmstadt, 11. Juni. (D. Z.) Auf dem Kriegsschauplätze an der Bergstraße herrscht noch Ruhe. Der ernste Angriff scheint nicht eher zu erfolgen, als bis er ein ganz allgemeiner, nachhaltig unterstützter fein kann, d. h. bis sich sämmtliche im Anzuge begriffenen Heeresmaffen, außer den Preußen auch die
Bayern und Oefterreicher, auf den verschiedenen Angriffspunk, ten gesammelt haben.
München, 10. Juni. (D. Z.) Man versichert in gut unterrichteten Kreisen, daß das nach der Rheinpsalz bestimmte bayerische Truppenkorps am 16. d. M. über die Pfälzer Gränze rücken werde. Wie zahlreich auch dieses Korps ist, so erwartet man doch energischen Widerstand von Seiten der Pfälzer, und die Damen am Hofe sind eifriger als je im Charpiezupfen. Die Neue Münchnerin gibt auch bereits darüber Auskunft, was die rebellische Provinz, wenn sie nur einmal wieder unterworfen ist, von der gegenwärtigen Negierung zu erwarten hat. Es versteht sich von selbst, daß man nicht beabsichtigt, den Besitz dieser Provinz aufzugeben, dagegen soll sie als Strafe für ihre Erhebung der bürgerlichen und politijchen Freiheit beraubt werden, und vor Allem ihre Vertretung im bayerischen Landtage verlieren.
Berlin, 10. Juni. (D. Z.) Der Prinz von Preußen ist nach Frankfurt a. M. abgereist. Hauptmann v. Boyen befindet sich in seinem Gefolge. Der Beschluß des Stuttgarter Parlaments, welcher den Reichsverweser entthront und Ra, veaur und Genossen installirt hat, wird damit in Verbindung gebracht.
Berlin, 9. Juni. (K. Z.) Großes Aufsehen erregt ein heute hierselbst im Appellationsverfahren nach langstündigen Verhandlungen gegen den Buchdrucker Fähndrich gefälltes Erkenntniß, wodurch derselbe wegen des im vorigen Sommer bewirkten Druckes eines f. g. republikanischen Katechismus zu zehnjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt ward. Derselbe war in erster Instanz noch nach altem Verfahren freigesprochen, hiergegen jedoch vom Staatsanwalt die Apellation eingelegt und in zweiter Instanz wie bemerkt erkannt worden, da der Appellationsrichter annahm, daß dem Angeklagten der Inhalt bekannt gewesen und er sich hierdurch deö versuchten Hochverraths schuldig gemacht. Da dem Verurtheilten noch die Revi, sion zusteht, so ist es möglich, daß sich darin sein schweres Schich al mildert.
Wien, 8. Juni. Heute eingelangten authentischen Nachrichten zufolge sind 15,000 Russen in Czernitz, 2 Stunden von Orschowa eingcrückt. Andere russische Truppen sollen ehestens in jene Gegend nachfolgen. Wie ich aus gut unterrichteter Quelle höre, werden vie Operationen in Ungarn nicht vor acht bis vierzehn Tagen beginnen, da die Konzentrirung der russischen und österreichischen Armee kaum früher ganz bewerkstelligt seyn dürfte.
Baron Weiden, der nach seiner Ankunft in Grätz auf der rechten Seite vom Schlag gelähmt wurde, soll sich zwar auf dem Weg der Besserung befinden, die Gouverneursstelle in Wien aber definitiv abgelehnt haben. Man glaubt, daß er nach Ve, nedig als Kommandirender kommen werde. Den Feldmarschall- Lieutenant Baron Wimpffen nennt man als den zukünftigen Gouverneur von Triest.
Niederlande.
Vom Niederrhein, 8. Juni. In der vorgestrigen Sitzung der Generalstaaten kam eine königliche Botschaft ein über die bei der Thronbesteigung Wilhelms III. neuzubestimmende Zivilliste. Sie ist von einer Million auf 600,000 fl. herab, gesetzt, wozu noch eine Einnahme von 400,000 fl. von den Krondomänen kommt, so daß der König ein Einkommen von etwa einer Million Gulden genießt.
Nachschrift.
Mainz, 12. Juni. (O.-P.-A.-Z.) Unbeschadet des vorhergegangenen Verbots haben die hiesigen Demokraten dennoch die Wahl eines Abgeordneten zur ehemaligen deutschen Reichsversammlung in der Person des Stadtadvokaten Bamberger an die Stelle des ausgetretenen Dr. Zitz vorgenommen.
Frankfurt, 13. Juni. (O.-P.-A.-Z.) Wir erfahren so, eben, daß, als gestern Abend Se. k. Hoh. der Prinz von Preu,