sctzung des Großherzogthums Baden in Kriegszustand, mit Anwendung des standrechtlichen Verfahrens. Die Wirkung dieser Maßregel dürfte nicht lange auf sich warten lassen, da das an der hessisch-badischen Grenze unter dem Oberbefehl des General v. Schäffer zusammen gezogene Korps zu dem Betrage herangewachsen ist, daß nicht blos jeder Angriff zu. rückgewiesen, sondern auch der Einmarsch in Baden mit voller Sicherheit unternommen werden kann. Außerdem befinden sich 9000 Mann preußischer Truppen, unter General v. Schack, von Wetzlar her im Anzüge und am 14. d. M. trifft General v. Holleben mit dem 15,000 Mann starken Rest des Wetzlarischen Korps hier ein, um gleichfalls gegen Baden vorzurücken. Wir sprechen die Hoffnung aus, die gesammte Streitmacht gegen den aufständischen Süden unter dem Oberbefehl eines preußischen Prinzen vereinigt zu sehen. Das Gewicht einer solchen Anführung würde allen Operationen den gehörigen Nachdruck verleihen, der für eine möglichst rasche Beendigung , des unglücklichen Krieges doppelt nöthig erscheint, und von diesem Gesichtspunkte ausgehend, würde die Zentralgewalt deS Reichsverwesers eS gewiß nur mit besonderem Danke anerken- ' neu, wenn sich die Aussicht auf eine derartige obere Leitung ; erfüllen sollte. Nebenbei scheint sich damit ein erwünschter AuSweg für den Rücktritt des Reichsverwesers von seinem . ebenso dornenvollen als kaum noch haltbaren Posten zu eröffnen. Vielleicht, daß man dies schon erkannt und darauf be- ' zügliche Entschlüsse gefaßt hat; denn, wie wir hören, ist die Badereise Er. kaiserlichen Hoheit wieder aufgegeben, während dessen Frau Gemahlin, unfehlbar in anderem Sinne, Abschiedsbesuche macht.
Darmstadt, 11. Juni. Die „Darmst. Ztg." erklärt die in dem „Franks. Journal" enthaltene Nachricht, daß der Groß- * Herzog von Hessen am 9. d. M. um 2 Uhr in Mainz angekom- * men sey, um mit dem dort anwesenden Großherzog von Baden und dem angeblich auch eingetroffenen Herzoge von Nassau Berathungen zu pflegen, für eben so unrichtig als die von dem- £ selben Blatte gebrachte Mittheilung, nach welcher General- f major Bechthold zum Kommandanten von WormS ernannt ' worden wäre.
Vorfälle von der badischen Gränze sind keine zu berichten. 1 Aus Worms meldet die „Darmst. Ztg.", daß die Freischärler t gestern Nachmittags 3 Uhr, 3 bis 400 Mann stark, daselbst g erschienen seyen.
£ Stuttgart, 9. Juni. Die Anwesenheit der Frankfurter 9 Linken verfehlt ihre Wirkung auf die hiesigen Massen nicht, auf welche der Reiz der Neuheit einen um so größeren Einfluß ausübt. Gestern war die Ansprache der ReichSregentschaft in 's großen Eremplaren an den Straßenecken angeheftet und diese " Plakate haben nicht wenig dazu beigetragen, die Aufmerksam- keit des Publikums auf die Versammlung zu lenken. An meh- v reren Ecken jedoch wurden sie zugleich wieder abgerissen. Die hiesige Bürgerschaft sieht der nächsten Zukunft' mit Bangen $ entgegen, und zwar nicht ohne Grund. Die Massen sind hier sehr unterminirt, sie lassen sich sehr leicht durch radikale Phra- in sen ködern. Gestern Abend umstanden einige Hunderte daS W SitzungSgebäude und empfingen die heraustretenden mit Vivat und Heckerhochs! Auch eine Gruppe Bewaffneter auS dem Ar« ,n beiterstande hatte sich nach und nach eingefunden, entfernte sich jedoch, alS sie bemerkten, daß ihre Anwesenheit Aufsehen er- regte. Die gestrige Aufhebung des Gesetzes vom 9. Oktober, 111 wodurch Volksversammlungen auf 5 Meilen im Umkreise deS " Sitzes der Versammlung verboten werden, beunruhigt die Ein- wohner von Stuttgart nicht wenig, da es sich daraus wohl zeigt, worauf eS abgesehen ist. So eben wird in der würtem, bergischen Kammer das Schicksal WürtembergS entschieden: eS wird die Ministererklärung in ihr berathen.
)N
m* Erfurt, 3. Juni. Die Cholera, die in Halle so stark ist, daß sie täglich 15 bis 18 Opfer fordert, ist seit dem 1. auch in W Erfurt. Von 10 Erkrankten waren am 3. vier gestorben.
Berlin, 10. Juni. (Voss. Z.) Die Aufforderung, welche Hr. von Gagern an die Mitglieder der Frankfurter National« Versammlung erlassen hat, sich zu Gotha zu versammeln, ist hierselbst Gegenstand einer Besprechung und Berathung der hier anwesenden Frankfurter Deputirten gewesen, an der auch die Herren Simson, von Radowitz, General Selasinöki, Major Teichert, Professor Duncker, Veit, Präsident Lette, F. von ” Raumer und Andere Theil genommen haben. Dieselben haben
sich dem Vernehmen nach dahin verständigt, mit der Zustim- mung bet Regierung, nach Gotha zu gehen, wo sich eben nur die geschlossene, konservative Partei von 252 Deputirten »er# sammeln wird, welche von jeher die deutsche Sache mit wahr, haftem Patriotismus geführt haben.
Berlin, 9. Juni. (O.-P.-A.-Z.) Die sehnlich erwartete authentische Deklaration des Reich sverfassungsent- wurfes soll, wie erzählt wird, zugleich mit den Beitritts, erklärungen eines großen Theiles der kleineren Staaten publi- zirt werden. Um dieselbe Zeit würde, heißt es, das Ministe, rium Brandenburg abtreten, um einem Ministerium Arnim- Boitzenburg Platz zu machen. Dieser Rücktritt, eine ungern der öffentlichen Meinung gebrachte Konzession, soll Hauptsäch- lich als Wahlmanöver wirken. Die Erfahrungen der letzten Wahl haben zu deutlich gelehrt, was es heißt, unter diesem Ministerium wählen lassen.
Briefe aus Wien vom 7. Juni melden daS Einrücken russischer Kavallerie in Preßburg. Neutra ist von den Ungarn wieder verlassen. In Pesth wurde Graf Sigmund Almasy — ein ungarischer Offizier der im kaiserlichen Heer gedient — und Nowack, ein Mitredakteur der konservativen Zeitung „Figyelmenyö," erschossen. Baron Mednyansky, der am 5. Ium in Preßburg gehenkt wurde, war überwiesen, daß er bei der Belagerung der Festung Leopoldstadt durch die Oesterreicher eine weiße Fahne ausgesteckt, die auf dieses Friedenszeichen sich nähernden kaiserlichen Truppen aber mit Kartätschenschüssen empfangen hatte.
Der, Fronleichnamsprozession in Wien wohnten der Kaiser und die in Wien versammelten Bischöfe bei. (A. Z.)
Nachschrift.
Frankfurt, 11. Juni. Oe. fönigl. Hoh. der Prinz von Preußen wird morgen hier eintreffen.
Darmstadt, 11. Juni, Abends. Wir sind in einer Ministerkrisis. Wie weit sich diese erstreckt, kann noch nicht gesagt werden. Gewiß ist nur, daß Graf Lehrbach heute nach seiner Rückkunft von Frankfurt nicht bloß seine Entlassung alS Kriegsminister, sondern auch von seinen Hofâmtern nahm, und sofort unsere Stadt verläßt. Es fällt dies um so mehr auf, als er bisher besonders als der Vertraute des Großherzogs galt. Ob diese plötzliche Entlassung mit unserm wohl nicht mehr zu bezweifelnden und allgemein gewünschten Anschluß an Preußen zusammenhängt, muß ich dahin gestellt sein lassem Von einer andern Entlassung, der deS Justizministers Hrn. Kilian, spricht man ebenfalls.
Stuttgart, 8. Juni, Abends. Wir erfahren soeben, daß die Reichsregentschaft den Abg. Joseph auS Sachsen als Reichskommissär an den Generallieutenant von Peucker mit dem Befehl gesendet hat, sofort die Feindseligkeiten gegen Baden einzustellen. Es wird uns mit Gewißheit versichert, daß die Regentschaft sich vorerst alle Mühe geben wird, auf friedlichem Wege die Bewegung in Baden und der Pfalz in daS Geleis zu führen. (N. Fr. Z.)
Sprechjaal
für Stadt und Land.
Vom Westerwald, 8. Juni.*) In der Nassauischen Zeitung steht ein Aufsatz geschrieben über die Landstände. Die Zeitung muß benachrichtigt werden, daß wir Alle wünschen, daß die Landstände abgesetzt werden. Sie verzehren des Landes Einkommen und bringen nichts Gutes, sondern nur mehr Steuern. Ihre Zänkereien wollen wir auch nicht mehr hören,
*) Nachstehender höchst origineller Artikel geht un» vom Lande zu. Wir theilen ihn den Lesern unverändert mit, damit sie ersehen können, welche Stimmung dermalen unter einem Theile unserer Bauern herrscht indem dieselben, durch die Wühler scheu gemacht, nicht nur den Republikanismus verschmähen, sondern auch, wie der Verfasser des vorliegenden Artikels, nicht einmal vom einfachen KonstitutionaliSmuS etwas wissen wollen. Die Red.