■H’ Vom Westorwald. Aus einer Mittheilung von WieSbapen in der zweiten Beilage zu Nro. 134 des Frankfurter Journals ersehen wir, wie aus allen Theilen des Herzogthums durch Deputationen und Petitionen die Zurückberufung der nassauischen Trlippen von der badischen Grenze verlangt werve. Aus hiesiger Gegend ist uns eine solche — selbst der so übereilt beschworenen Frankfurter Reichsversassung widersprechende — Zumuthung bis jetzt nicht zu Ohren gekommen, obgleich einige wühlerische Schulmouarchen und Amts- akzessisten vielleicht die Begriffsverwirrungen bei dem sonst gesunden Sinne der Mehrzahl der Westerwälber möglichst auszubeuten bemüht seyn mögen. In diesem Falle scheint diesen neuerstandenen Vvlksbcglückern auch das hiesige Klima noch zu heiß zu seyn. Sollten übrigens doch Wünsche obiger Art aus hiesiger Gegend, eingegangen seyn, so sind sic jedenfalls in den Köpfen dieser ziemlich isolirt stehenden Handlanger einer Partei entsprossen, welche nur dahin strebt, die Erwerbsquellen mögl lichst zu versumpfen, um dann in der größeren Zahl, der Verarmten eine kräftige Stütze zu finden.
Frankfurt, 8. Juni. (O.-P.-A.-Z.) Heute sind preußische Qartiermacher hier eingetroffen. Von Wetzlar und von Gotha her werden morgen die ersten preußischen Truppen auf dem Durchmarsch nach der hessisch-badischen Gränze erwartet. Zunächst zwei Schwadronen Husaren und ein Landwehrbataillvn.
Wetzlar, 7. Juni. (O.-P.-A.-Z.) Abgehende Kuriere und ankommende Stafetten haben sich gestern und in der letzten Nacht zwischen hier und Frankfurt fortwährend begegnet. Demnach scheint es, daß der Augenblick gekommen ist, wo die int Kreise Wetzlar lagernde Kolonne des 4. Armeekor p S in der Stärke von 7000 Man n an die Hess.- bad. Gränze wird vorgeschoben werden. Wirklich marschirt noch heute ein Theil derselben und morgen der andere Theil mit Zurücklassung nur weniger Mannschaften von hier nach Frankfurt ab, wo sie, wie man sagt, weitere Ordre erhalten sollen. Die von Erfurt aus nachrückenden Truppen werden allen Anzeichen nach von Grünberg direkt nach Friedberg und von da nach Frankfurt marschiren.
Darmstadt, 7. Juni. (D. Z.) Der allgemein auf heute erwartete Angriff auf die neuerdings vorgedrungenen Badener hckt nicht stattgefunden und der Kanonendonner, den man den Vormittag hier Porte, muß eine andere Ursache gehabt haben. Vielleicht, daß man den zum Theil erst in der Nacht oder heute frühe in den Kantonnemems an der Bergstraße ange- kommenen, oder durch die bisherigenStrapatzen und den höchst anstrengenden Vorpostendienst und wiederholte Gefechte bei der außerordentlichen Hitze ermüdeten Truppen noch einen Tag Rast gönnen wollte. Es müssen jetzt 15 bis 16 Bataillone unter dem Kommando vcS Generals v. Schäffer versammelt seyn, nämlich 7 Bataillone großh. hessische, 2 würtcmbergische, 2 nassauische, 2 mecklenburgische, 1 kurhessische Truppen, hierzu baieriscye Jäger, mecklenburgische Scharfschützen rc., dann großh. hessische und mecklenburgische Reiterei und Artillerie mit einer bedeutenden Anzahl Geschütze. Möglich, daß auch noch andere Truppen hinzu gezogen sind, da die Bahn seit gestern dem Militärkommando wieder ausschließlich zur Disposition steht und man die Lokomotiven beständig hin und her saufen hört.
Karlsruhe, 5. Juni. Die provisorische Regierung hat die Einhaltung eines Theils der Gehalt- und PensionSbezüge der Zivilstaatsdiener, ferner die Forterhebung der bisherigen Steuern für Juni und Juli verfügt. Das Ergebniß der gestrigen Wahl zur konstituirenden Versammlung ist: I) Brentano 1644 Stimmen, 2) Christ 1158 Stimmen, 3) Thiebaut 970 Stimmen, 4) Peter 603 Stimmen.
Die in Dresden stattgehabten traurigen Auftritte geben Veranlassung zu einem großartigen Riesenprozesse, der mannigfache Aehnlichkeit mit unserem früheren Polenprozesse haben wird. Die Dresdner Aufständischen werden nämlich nicht vor ein Kriegsgericht gestellt werden, sondern den Zivilgerichten verbleiben. Die Zahl der in diesen Riesenprozeß verwickelten Personen beträgt nahe an 550. Die meisten derselben sollen den niederen Ständen anaehören und noch in einem sehr jugendlichen Alter stehen. Die Untersuchung wird von einer Anzahl von Aktuarien des Dresdener Stadtgerichts unter dem Vorsitz des Assessors Brachmann geführt. Die Gefangenen zerfallen
nach ihrer Betheiligung bei dem Aufstande in mehrere Kate-, gorien: die am wenigsten beteiligte derselben, welche etwa 180 Personen umfaßt, sitzt im Gewandhause gefangen, die übrigen find einzeln in anderweiten Gefängnissen untergebracht. Die 180 Gefangenen des Gewandhauses befinden sich in zwei großen Sälen, in denen lange Reihen von Bänken wie im Parquet eines Theaters ausgestellt find. Jeder Gefangene hat einen numerirten Platz auf einer Bank für sich, auf welchem er sich mit Lesen und Schreiben beschäftigen kann. Anden Seiten der Bänke können die Gefangenen nach einer besonderen Reihenfolge umhergehen, aber sie Harfen nicht mit einander sprechen. Pie Bewachung derselben wird durch Militärposten bewirkt, welche im Saale aufgestellt sind. Bei Nacht werden die Bänke herausgenommen und cs werden Strohlager be, reitet. Der Anblick dieser beiden Säle soll ein höchst "ergreifender seyn, namentlich sotten die Leute von der jetzigen afrikanischen Hitze unsäglich leiden.. Das Prozeßverfahren ist, da Sachsèn noch keine Geschwornengerichte har, noch das alte geheime schriftliche 3ng.uui$^ , und das Erkenntniß wird von: Dresdener Kriminalgericht schriftlich abgefaßt. Es soll aber bereits von allen Seiten bei dem sächsischen Ministerium. dEäuf gedrungen werden, daß dieser Riesenprozeß von Geschwornen entschieden werde. Zu den Rädelsführern des Aufstandes gehört unstreitig der Russe Bakunin, über dessen Jvcntität. man jetzt außer allem Zweifel seyn soll.
Schleswig-Holstein. Ein Korrespondent der Oberpostamts- Zeitung schreibt, daß die Norvarmee im Vorrücken begriffen, und daß namentlich die Bayern auf dem linken Flügel bereits bis gegen Viborg gekommen sind.
Triest, 3. Juni. (A. Z.) Laut gestern Abends mit Staffelten angekommenem Berichte ist das Fort Brondolo bei Venedig mit Sturm genommen, und weht in Chioggia die weiße Fahne.
Frankreich.
Paris, 5. Juni. Die in dem neuen Ministerium obschwe- benden Differenzen scheinen immer noch im Zunehmen begriffen. Man sprach heute sogar -schon Davon, daß Dufaure, Tocqueville unv Lanjuinais ihre Entlassung genommen hätten. Doch gehört dies nur zu den Gerüchten, die jetzt wieder zahl-- reicher verbreitet werden, aber auch unwahrscheinlicher sind aly je. Zu ihnen gehört auch, daß die Franzosen nach heftigem Bombardement und mörderischem Kämpfe Röm eingenommen; haben, ein Gerücht, welches mit den neuesten direkten Nachrichten aus dem französischen Lager vor Rom in Widerspruch steht.
□ Paris, 6. Juni. Proudhon verhaftet! Der Constitu- tionet zeigt dieses Ereigniß folgendermaßen an:
„Proudhon ist gestern Abend acht Uhr in dem Augenblick verhaftet worden , wo er auf der Nordbahn in Paris eintraf. Sey es, daß seine nahe Ankunft verrathen war, oder sey eS, daß er erkannt wurde, als er Dem Zuge im Bahnhof entstieg, soviel ist sicher, daß ihm ein in eine Blouse verkleideter Polizeibeamter auf dem Fuß folgte und ihn bis in die Nähe der Kaserne in Der Rue du ftrubourg Pojssonnière gehen ließ. Dort angekommen, eilte Der Polizist zu dem wachthabenden Offizier und requirirte Militärhilfe. Von demselben begleitet, hielt er den weiter schreitenden Proudhon an, gab sich ihm zu erkennen und forderte ihn auf, ihm in die Kaserne zu folgen, wenn er seine Verhaftung auf öffentlicher Straße, skandalshalber, vermeiden wolle. Proudhon sah ein, daß jeder Widerstand unnütz sey und folgte dem Polizisten in die Kaserne. Ein Wagen wurde herbeigeholt und Proudhon in die Polizeipräfektur abgeführt, wo ihn Herr Carlier in Empfang nahm."
— In den Couloirs der Kammer zirkulirt eine telegraphische Depesche, die der Regierung den Beginn eines hartnäckigen Kampfes zwischen unserer Pabstarmee und den Römern meldet.
Die Gazette de France läßt unsere Truppen schon in Rom einziehen.
Italien.
Llerova, 1. Juni. (TDLJ Heute Mittags ist auf der neuen Cisenbahnstrecke von Vicenza nach Verona der Feld-