Einzelbild herunterladen
 

Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M LSS Samstag den 9. Juni 1849»

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Deutschland. Frankfurt (Die zurückgebliebene Minorität der Reichs- versammlnng. Das Armeekorps an der hessisch-badischen Gränze. Die Lage der Dinge in Baden und Würtemberg. Die Gerüchte über Mann- heim). Darmstadt (Ein allgemeiner Angriff an der Bergstraße er­wartet. Vom Kriegsschauplätze). Karlsruhe (Verkündigung des Kriegsgesetzes. Neueste Maßregeln der provisorischen Regierung Die Verhaftung Struve's). Baden (Zur Charakteristik der herrschenden Anarchie). Aus dem Land e Baden (DieVerhaftung Struve's). Stuttgart (Das Rumpfparlament. Fickler). Kiel (Die Friedens- Unterhandlungen), Berlin (Die Konferenz der Zollvereinsstaaten Die Präliminarien mit Bayern abgeschlossen. Die militärischen Opera­tionen gegen die südwest-deutsche Rebellion. Strengere Disziplin der Beamten). Triest (Unterhandlungen mit Venedig. Venedig bezwungen).

Deutschland.

Frankfurt, 7. Juni. (Fr. I.) Die Minorität der Reichs­versammlung, von welcher viele Mitglieder hier noch weilen, hält wöchentlich mehrere Zusammenkünfte unter dem Norsitze ihres letzten Präsidenten. Das Sarasin'sche und das Waiv'sche HauS, welche von der verfassunggebenden Reichsversammlung gemiethet waren, wurde ersteres bis auf einige und letzteres bis auf ein Zimmer geräumt, da deren Miethe mit diesem Monat zu Ende geht. Die Summe, welche das Rumpfparla­ment mit nach Stuttgart nahm, war klein, denn es befanden sich nur noch zirka 3800 fl. in der Kasse.

Das Armeekorps, welches an der hessisch-badischen Grenze ausgestellt und bestimmt ist, gegen Baden zu operiren, wird durch 810,000 Mann bayerische, welche heute und morgen daselbst eintreffen, und durch einige Tausend preußische Trup­pen von allen Waffengattungen auf den Zahlenbelaus von 25 bis 30,000 Mann gebracht werden.

Frankfurt. (O.-P.-A.-Z.) Nach einer abermaligen kurzen Unterbrechung des regelmäßigen Verkehrs auf der Main- Neckarbahn ist derselbe seit heute früh wieder hergestellt, und wir haben die rückständigen Briefe und Blätter aus Würtem­berg und Baden erhalten. Was sie uns berichten, ist eben nicht sehr tröstlich. In Stuttgart hat der Rest der deut­sch en Re ichsv er sam mlung als deutsches Rumpfparla­ment am 6. Juni seine erste Sitzung gehalten und seinen Charakter als Convent dadurch bethätigt, daß er die Einse­tzung einer Regentschaft Deutschlands beschlossen und in dieselbe die Herren Rav eaur von Köln, C. Vogt von Gießen, Schüler von Zweibrücken, Heinrich Simon von BreSlau gewählt hat. Die Wahl des fünften Mitgliedes war bei Abgang der letzten Nachrichten noch zu keinem Resultat gediehen.

In Baden sieht eS bedenklich auS. Die ModeradoS und die Ultras suchen einander das Heft der Macht aus den Hän­

den zu winden und unter diesem Parteiringen verbluten Land und Leute. Der konstituirenden Versammlung soll ein schon vorbereitetes Gesetz,eine beiden Reichen zu machende Zwangsanleihe" betreffend, vorgelegt werden: braucht man mehr zu wissen?

Frankfurt, 8. Juni. (O.-P.-A.-Z.) Die neuesten Nach­richten aus Mannheim widerlegen alle die Gerüchte, nach welchen in dieser Stadt Plünderungsversuche oder sonstige Un­ruhen vorgefallen wären; es ist nichts der Art in Mannheim vorgegangen, auch dort nichts Aehnliches aus den andern Lanbestheilen bekannt gewesen. Die ganze Aufmerksamkeit ist jetzt durch die Erwartung des bevorstehenden Angriffs in An­spruch genommen. Die 8000 Mann, welche vorgestern nach Weinheim ausmarschirt waren, sind noch an dem nämlichen Abend zurückgekehrt. Alle Zeichen deuten darauf, daß unsere Bedrücker sich nun selbst für verloren halten.

Darmstadt, 6. Juni. (D. Z.) Wir gehen Morgen ent­scheidenden Ereignissen entgegen, wie es scheint. Die Badener sollen in bedeutender Zahl gegen Weinheim im Anzuge seyn. General w Schäffer Hal dem Magistrate von Weinheim gedroht, die Stadt zu bombardiren, falls sie die Freischärler wieder aufnähme. Man hat ihm zu den 12 Bataillonen, die er schon befehligt, heute Nachmittag noch ein Bataillon mit der Eisen­bahn von hier gesandt, und heute Nacht noch gehen die aus dem Odenwalds zurückberufenen Mecklenburger dahin ab, zu deren Transport mehrere lange Reihen von Wagen schon seit dem Abend bereit stehen. Auch Verstärkung an Geschütz rc. ist abgegangen. Die Operationen sollen zugleich durch Vor- wärtsschreiten der Preußen auf dem linken Rheinufer unter­stützt seyn.

Darmstadt, 8. Juni. (Darmst. Ztg.) Auch vom gestrigen Tage sind aus dem Heerlager an der badischen Grenze keine neuern Vorgänge zu melden. Jenseits der Grenze zogen sich stärkere badische Kolonnen in der Nähe von Virnheim, von Hirschhorn und im Neckarthale zusammen. Der gestern und vorgestern unterbrochene Verkehr auf der Main-Neckar-Eisen­bahn zwischen Heppenheim und Frankfurt ist seit heute morgen wieder im regulären Gange.

Karlsruhe, 7. Juni. Die heutigeKarlsruher Zeitung" enthält in ihrem amtlichen Theile eine Erwiederung der pro, visorischen Regierung an denKlubb des entschiedenen Fort­schrittes", der wir folgende Stellen entnehmen: Mit Freuden vernehmen wir den Wunsch der Wehrmânner, in den Kampf geführt zu werden. Dieser Kamps ist seit gestern an der hessischen Grenze wieder entsponnen; die ganze Neckararmee wird vorrücken und zur Unterstützung derselben werden daher die bereitesten hiesigen Streitkräfte abmarschiren; ein Theil davon wird nach Rheinbayern zur Unterstützung der dortigen Operation gehen. Ueber die Anordnung dieser Maßregeln haben wir dem Stadtkommandanten Reininger die nöthigen Befehle gegeben. An die Stelle der Bürger Fickler und Sigel haben gestern schon die Bürger Thibauth und Raveaur provisorisch