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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^N LLL. Freitag den 8. Juni 1849»

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume- rationspreis ist in Wiesbaden 8 fl., für den Umfang des Herzogthums Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Flegelhafte Energie.

Die Stärke der in Schleswig stehenden Reichstruppen.

Deutschland. Vom Rhein (Der Oesterreicher-Haß derDeutschen Zeitung"). Hachenburg (Betrügerei). Mainz (Strenges Ein­schreiten). Frankfurt (Vermutheter Angriff der Badener). Darm­stadt (Die badischen Soldaten in Schleswig-Holstein). Mosbach (Geniale Antwort deâ Bürgermeisters auf eine Anrede Schlöffels). Karlsruhe (Finanzielle Fürsorge des LandeSauSschuffeS). Stutt­gart (Die Mitglieder der Reichsversammlung. Steinmetz verhaftet). Berlin (Stadtverordnetenversammlung). Breslau (Protest der Frauen gegen die soziale Politik). Wien (Vom ungarischen Kriegs­schauplätze).

Italien. Ancona (Belagerung).

Donaufürstcnthümer. (Die Russen).

Rachschrift.

Sprechsaal für Stadt und Land.

mokraten eine Energie, die unserer Partei Gott sey Dank! gänzlich abgeht; es ist die Energie der Rohheit.

Es fehlt uns jene Energie, welche den Bauern Petitionen aufhängt, wie der wandernde Schacherjude seine Waaren; eS fehlt uns jene göttliche Unverschämtheit, welche das eigene politische Glaubensbekenntniß für daS allein seligmachende hält und jeden Andersdenkenden für einen Schafskopf oder Heuch­ler; es fehlt uns jene Impertinenz, welche spricht: wir allein und ausschließlich sind das Volk, Ihr Anderen gehört gar nicht dazu; es fehlt uns jene Energie der Verzweiflung, die den niederschlagenden Eindruck der Thatsachen wie wir un­längst erst bei den badischen Kriegsberichten gesehen selbst in der letzten Stunde noch durch Aufschneiderei und falsche Berichte weglügen zu muffen glaubt: kurz und gut, eS fehlt uns alle Energie deS Skaydals, der Renommage, der Selbstüberhebung.

Danken wir Gott, daß uns diese Energie fehlt, aber ver­hehlen wir eS uns auch nicht, daß wir dadurch in eine entschieden ungünstige Lage gerathen sind.

* Flegelhafte Energie.

Man macht es oft der konstitutionellen Partei zum Vor­wurf, daß sie minder rührig sey als die demokratische. Dies hat seinen hauptsächlichsten Grund jedenfalls in dem allgemei­nen Gesetz, daß das Streben nach Erhaltung eines bereits ge­wonnenen Besitzes weit weniger zur Kraftanstrengung treibt, als das Ringen nach einem noch fern liegenden Gute. Es hat außerdem seinen Grund in der natürlichen Trägheit und Passivität des deutschen Philisters.

Es waltet jedoch auch daneben noch eine andere Ursache ob, die es den Demokraten sehr leicht macht, sichenergisch" zu zeigen.

Diese Thatsache besteht einfach darin, daß die Rohheit stets energisch erscheint gegenüber dem Anstande und der feineren Gesittung. Ich weiß wohl, daß dieser harte Ausspruch nicht die ganze Partei trifft, wohl aber trifft er viele Einzelne.

Oder wer wagt es zu leugnen, daß dem Konstitutionellen, wenn er über die Straße geht, nicht blos von Gassenbuben, sondern auch von Erwachsenen Schimpfworte nachgeworfen werben? Widerfährt ein Gleiches auch dem Demokraten?

Wie oft schon ist der gemäßigte Mann, der auf den Volks­versammlungen ein Wort der Mäßigung sprechen wollte, auS« gezischt, heruntergetrommelt, mißhandelt worden! Der Demo, krat hat daS hier zu Land nicht zu fürchten, weil sein Gegner ein gebildeter Mann ist, der sich schämen würde, durch Poltern und Toben, oder gar durch Prügel die Redefreiheit tobtschlagen zu wollen.

Ich habe noch nicht gehört, daß man bei uns einem De- wokraten die Fenster eingeworfen oder eine Katzenmusik gebracht hätte, denn zu einer solchen Demonstration wird sich wohl kein Mann von Gesittung entschließen.

In solchen Stücken besitzt eben ein großer Theil der De­

Die Stärke der in Schleswig stehenden Reichstruppen.

In Ermangelung neuerer Nachrichten vom Kriegsschau­platz theilen die Blätter eine Uebersicht der gegenwärtig in Schleswig-Holstein und Jütland stehenden Truppenmassen mit: Die schleswig-holsteinische Armee eingeschlossen, sind cs: 73 Bataillone Infanterie, 48 Eskadrons Kavale- rie, 2 1 Batteri een mit zirka 100Geschützen. Zusam­men ungefähr 70,000 Mann. Hiervon kommen auf Schles­wig-Holstein 18 Infanterie-Bataillone (mit Einschluß der Reserve-Bataillone und der Jäger-Korps), 4 Dragoner-Regi­menter (18 Eskadrons), worunter das Rcserve-Dragoner-Regi- memt. 6 Batterien mit 48 Geschützen; Kurhessen 4 Ba­taillone Infanterie, 1 Regiment Husaren zu 4 Eskadrons und 2 Battericen Artillerie mit 10 Geschützen; Bayern 5 Batail­lone Jnfanteri, 1 Regiment Chevaurlegers zu 6 Eskadrons und 1 Batterie mit 8 Geschützen; Hannover 6 Bataillone Infanterie, 1 Regiment Dragoner zu 4 Eskadrons und 3 Bat- terieen mit 18 Geschützen; das Königreich Sachsen 6 Batail­lone Infanterie, 1 Regiment Dragoner zu 4 Eskadrons , 2 Batterieen mit 16 Geschützen; Preußen 13 Bataillone In­fanterie, 2 Regimenter Husaren zu 4 Eskadrons, 3 Batterieen mit 24 Geschützen: N a s s a u 3 Bataillone Infanterie und 1 Batterie mit 6 Geschützen ; Braunschweig 2 Bataillone Infanterie, 2 Eskadrons Husaren und 1 Batterie von 6 Ge­schützen; Oldenburg 3 Bataillone Infanterie und 1 Bat­terie von 8 Geschützen; W ü rte m b erg 1 Bataillon Infanterie; Baden 1 Bataillon Infanterie; Sachsen-Weimar 1 Ba­taillon Infanterie; Sachsen-Altenburg 1 Bataillon In­fanterie; Sachsen-Coburg 1 Balallon Infanterie ; Sach- fen- Mein in g en 1 Bataillon Infanterie; Reuß 1 Batail-