Großherzogs verhandelt merkwürdiger Weise direkt mit dem Prinzen von Preußen. Ein Gerücht, daß dieser Prinz sich an die Spitze der nach Baden bestimmten Truppen stellen wird, findet in jenem Umstande eine Stütze.
Altosta, 2. Juni. Wir sind schon seit mehreren Tagen ganz ohne Nachrichten vom Kriegsschauplätze, wahrscheinlich, weil nichts vorgefallen, ja gänzliche Waffenruhe eingetreten ist. Das Gerede von einem/von Preußen abgeschlossenen Se> paratfrieven, wovon auch bei den Truppen gesprochen seyn soll, beruht auf irgend einem Mißverständniße, daS mit der eingetretenen Waffenruhe in Verbindung stehen mag. — Daß augenblicklich auch nichts dergleichen bevorsteht, möchte sich schon daraus ergeben, daß die Landesversammlung noch nicht einberufen wird. Was man aber aus Berlin und sonst ver- nimmt, deutet darauf, daß in Betreff der Unterhandlungen unsere Angelegenheiten in diesem Augenblicke keineswegs schlecht stehen. Durch die Erklärung der Statthalterschaft haben wir diesen Unterhandlungen gegenüber eine bestimmte Position eingenommen.
Wien, 30. Mai. (K. Z.) Für die vier Monate vom 1. November bis zum 1. März ist jetzt eine Uebersicht über das erschienen, was in der österreichischen Sprache „finanzielle Ge- bahrung" heißt. Es ergibt sich daraus das trostlose Resultat, daß die Einnahme 29 Millionen, die Ausgabe dagegen 59 Mill. Fl. betrug.
Wien, 1. Juni. F.M.L. Giulay traf am gestrigen Abend plötzlich hier ein. Man vernimmt, der Graf habe die Nachricht gebracht, daß Marschall Radetzky nach der kaum zu bezweifelnden baldigsten Einnahme von Venedig das Oberkommando in Ungarn zu übernehmen nicht abgeneigt sey. Es wäre sonach nicht unwahrscheinlich, daß F.M.L. Schönhals Italien übernimmt, jedoch so, daß derselbe dort, sowie der BanuS im Südosten und F.Z.M. Haynau im Zentrum, unter den alleinigen Befehlen des alten Marschalls operiren, Baron Heß dagegen die Stelle eines ad latus desselben einnehmen dürfte. Die neuesten Nachrichten aus Süd-Ungarn-lauten günstig; der Ban belagert mit zunehmendem Erfolge die Veste von Peterwardein, und Knicanin schlug wiederholt die Magyaren, das wichtige PerlaS zurückerobernd. — An Truppen ist dermalen dort kein Mangel; Kroaten und Serben bilden ein reorganisirtes Heer von 30,000 Mann. — Görgcy zog mit 25,000 Mann nach Komorn, und gedenkt, von dort ans verstärkt, den Kaiserlichen eine Schlacht bei Raab zu bieten.
Frankreich
Paris, 2. Juni. (F. I.) Der Konseilpräsident, Herr Odilon-Barrot, theilte in der heutigen Sitzung der gesetzgebenden Versammlung folgendes Dekret mit, welches heute vom Präsidenten der Republik unterzeichnet worden: „Art. 1. Die Demission der Minister ist angenommen. Art. 2. Zu Ministern sind ernannt: die Hrn. Odilon-Barrot,Justiz; Dufaur e, Inneres; von Tocqueville, auswärtige Angelegenheiten (Sensation); Rullière, Krieg (lebhaftes Murren.) (Der Präsident Dupin: Während der Verlesung eines Dekrets der Regierung ist es Aller Pflicht, in Stille zuzuhören (Lärm); Sie dürfen nicht bei jedem Namem in solcher Weise Ihre Meinung kundgeben.") Hr. Odilon-Barrot fährt fort: „Pa ffy, Finanzen; von Tracy, Marine; Lacrosse, öffentliche Arbeiten; von Fallour, öffentlicher Unterricht." (Links heftiges Murren. Rechts stürmischer Beifall. Lange Unterbrechung.) Hr. Odilon-Barrot: „Am nächsten Montag werden wir die Ehre haben, der Versammlung die Botschaft mitzu- theilen, welche den Bericht enthalten wird, den der Präsident der Republik nach den Bestimmungen der Verfassung Ihnen zu unterbreiten hat."
□ Paris, 3. Juni. Dupin führte gestern zum ersten Mäle den Vorsitz. Seine Antrittsrede findet sich in allen Journalen. Als er von der Harmonie der drei Staatsgewalten sprach, unterbrach ihn der Berg hastig und rief: „Das ist der alte Monarchismus! Es gibt nur Eine Staatsgewalt und diese sind wir!"
Sprechjaal f u t Stadt und Land
Vorschlag zu einer Interpellation von höchster Dringlichkeit.
In Erwägung:
1) daß sicherem Vernehmen nach der Abgeordnete A. auS N. sich vor einigen Tagen zu unseren an der badischen Grenze ausgestellten Truppen begeben hat mit der erklärten Absicht, dieselben „zur Durchführung der Reichsverfassung" zu bestimmen, ihre Fahnen und Führer zu verlassen, und sich mit den allen deutschen Truppen als strahlenden Ehrenspiegel voranleuchtenden Badenern zu verbrüdern;
2) daß jedoch die reaktionäre hessische Regierung für derartige „patriotische" Bestrebungen standrechtliches Erschießen angekündigt hat;
3) daß deßhalb nicht nur „die politischen Freunde" des Abgeordneten N- in augenscheinlich großer Unruhe und Besorgniß, sondern bei dessen Schicksal auch diejenigen hiesigen Bürger, welche während seines landständischen „Wirkens" mit ihm „Geschäftsverbindungen" anzuknüpfen das Glück hatten, wesentlich interessirt sind;
4) daß diese Besorgnisse auf den höchsten Grad gesteigert werden durch die neuesten, leider nicht mehr zu bezweifelnden Nachrichten, wonach nicht nur jene „patriotischen" Bestrebungen an der „Verlhiertheit" unserer Soldateska gänzlich gescheitert — obgleich die Freie Zeitung bereits die erfreuliche Kunde des Gegentheiles gebracht hatte — sondern auch verschiedene jener Patrioten von den feigen Söldlingen selbst mit obligater Brutalität zur Haft gebracht, und dem Blutgericht überliefert worden sind; so wird die Regierung dringend aufgefordert, in Betracht des den Abgeordneten zur Seite stehenden Privilegiums der Unverletzbarkeit, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln für die sofortige Befreiung des Abg. U. aus den Klauen jener blutdürstigen Tiger zu sorgen, namentlich zu diesem Zwecke die Bürgerwehr des ganzen Landes, zunächst aber die hiesige und die der Stadt N. aufzubürven, und mittelst derselben — nach vorgängiger Säuberung der Reichsfestung Mainz von den dieselbe noch innehabenden Reichsfeinden — jene, die Durch, führung der Reichsverfassung hindernden SöldlingShorden zu vernichten!
§§ Von der Aar. Bekanntlich sind alle Pensionäre bei uns für die staatliche Oeffentlichkeit todt und verschollen, denn da sie nur bei ihrer Pensionirung ins Verordnungsblatt kommen, so erfährt man von ihrem wirklichen Tode in größerer Ferne nichts, wenn eS die Familie der Anverwandtschaft wegen nicht in die Zeitungen rücken läßt.
Das dünkt nun Manchem freilich wohl höchst gleichgültig für den Staat zu seyn, allein bei den Pfarreien ist eS das nicht. Denn, da die Pfarrer nur Vikare erhalten, die Pfarreien also nicht gleich definitiv besetzt werden können, so kann eS sich ereignen, daß manche Pfarrer sich nicht um solche Stellen melden und melden können, weil sie es nicht erfahren, die eS sonst gewiß würden gethan haben und auf Verbesserung Ansprüche machen könnten.'
Warum schreibt die geistliche Oberbehörde, um allen Schein der Begünstigung aus Familien- und und andern Rücksichten zu vermeiden, nicht aus? Sehr auffallen mußte wenigstens die Eile, mit welcher vor noch nicht langer Zeit eine der einträglichsten und bequemsten Pfarrstcllen — ohne Filial — besetzt worden ist in dem die Bewerber nach Verlauf eines Monates schon mit der Weisung bedeutet wurden, daß sie zu spät kämen, statt daß man solche Stellen namentlich sonst lange unbesetzt ließ, um dadurch dem Zentral-Kirchenfonds aufzuhelfen!
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Die erste Ausgabe des politischen Blattes wird an jedem Werktage, Nachmittags um 8 Uhr, ausgegeben oder kann im Expeditionslokale abgcholt werden.
Die Expedition der Nass. Allg. Leitung.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.