Diese, anstatt den schwer verwundeten, am Boden liegenden Feind, welcher noch außerdem um Schonung bat, nach den Gesetzen der Ehre und Menschlichkeit zu verschonen, feuerten auf eine Entfernung von zwei Schritten abermals eine Muskete auf denselben ab, wodurch derselbe auch am linken Beine verwundet wurde. Da der Graben nach wenigen Augenblicken von den Hessen wieder genommen war, so konnte der tödtlich mißhandelte Krieger von seinen Freunden zurückgebracht werden. Das Bein ist in Folge des Schusses amputirt worden.
Aus Rheinhessen, 3. Juni. (O-.P.-A-Z.) Das großherzogliche Obergericht zu Mainz hat gestern zu Aller Verwunderung einen „kühnen Griff" gethan. Als in seiner gestrigen Sitzung der in Freischaarensachen abwesende Dr. Zitz durch einen andern Anwalt vertreten werden sollte, wie dies die ganze Zeit her von den Gerichten geduldet worden war, stellte der Generaladvokat, Herr Creve, den Antrag, gegen Herr Zitz, der in Ausübung eines Verbrechens abwesend sey, eine Untersuchung einzuleiten und nicht zu dulden, daß er1 fernerhin als gesetzlich entschuldigt betrachtet und durch einen andern Anwalt vertreten werden könne. Der Gerichtshof ging hierauf auch ein, ordnete eine Untersuchung an wegen des Einfalles ber greifbaren in Worms, der daselbst, wie in der ganzen Provinz verübten und im Zusammenhänge stehenden Verbrechen, behielt die Untersuchung an sich und ernannte zur Führung derselben den großherzogl. Obergerichtsrath Schmidt. Ohne Zweifel wird nunmehr auch die Suspension des Herrn Zitz erfolgen, und ihm damit feine reichliche Erwerbsquelle verstopft werden.
Worms, 1. Juni. (Darmst. I.) Vorgestern und gestern haben die am 28. hier eingerückten Truppen unsere Stadt wieder verlassen. Man spricht stark wieder von greifbaren. In Folge davon haben die meisten Familien aus dem höheren Stande unsere Stavt verlassen und oft nichts zurückgelassen als das leere Haus; bis jetzt sind uns jedoch, außer einigen, die angeblich (?) in Urlaub gehen, keine zu Gesicht gekommen.
Aus der rheinhessischen Pfalz, 1. Juni, wird dem Mainzer Journal geschrieben: Die Gränzbörfler von der bayerischen Rheinpfalz fallen schaarenweise in die nahen darmstädter Domänenwaldungen ein; ich habe gesehen, wie sie am hellen Tage die größten Eichbäume ohne alle Scheu fällen und über die bayerische Gränze bringen» (Alles wegen der deutschen Reichöver fassung.)
Heppenheim, 4. Juni. (O.-P.-A.Z.) Unsere Truppen werden mit jedem Lage ungeduldiger; cs will ihnen immer weniger gefallen, daß man noch nicht voran mache, sie sind des Hierliegens müde. „Lieber drüben unter freiem Himmel, als hier so wäg", können Sie jeden Augenblick hören. Zu dieser Stimmung hat hauptsächlich der Ausgang des Treffens beigetragen, worin sie so reiche Ehren gewannen und wovon ich immer neue und schöne Züge echter Tapferkeit erfahre. So demontirte u. A. Hauptmann Frank vom 2. Regiment mit einigen Schützen int dichtesten Kugelregen (wobei ihm selbst zweimal der Czako von Kartätschenkugeln durchschlagen wurde) zwei badische Kanonen. Und diese Schützen waren vom langen und angestrengten Marsche so müde und lechzend, daß sie fast umsanken in der stechenven Mittagshitze. Sie nahmen trotzdem dem Feinde zwei Munitionswagen — einen dritten zogen sie eine Strecke selbst, mußten ihn dann aber im Stiche lassen — und den ganzen Apparat der Musik.
Man hat vor ein paar Tagen drei Bursche aufgegriffen, die an dem letzten denkwürdigen Tage den badischen Insurgenten die momentane schwache Besatzung dcS hiesigen Punktes verrathen haben sollen. Es war schon die Rede, daß sie erschossen werden sollten. Unsere Mecklenburger werden uns zum Theil morgen schon verlassen und nach dem Odenwald ziehen, von wo sie später gegen Frankfurt hin marschiren sollen.
Stuttgart, 2. Juni. (O.-P.-A.-Z.) In der Sitzung der Stände Versammlung verkündigte heute der Präsident, daß der Vizepräsident der Nationalversammlung, Eisen stuck, ihm persönlich zu erkennen gegeben habe, daß dieselbe hierher übersiedeln wolle, und es ihm angenehm wäre, wenn sie, auch mit Rücksicht auf die Lokalität, hier willkommen geheißen würde. StaatSrath Römer bemerkte kurz, eö sey der Regierung gestern ein offizielles Schreiben deö Präsidenten mitgetheilt wor
den, wornach die Nationalversammlung den Beschluß gefaßt habe, hierher zu kommen. Seeger zweifelt nicht, daß von der Staatsregierung Einleitungen getroffen werden, um den Vertretern deS deutschen Volkes eine würdige Aufnahme zu sichern; aber auch die Ständekammer sollte der Nationalversammlung gern jeden Vorschub leisten. Freiherr v. Hornstein findet es sehr zweifelhaft, ob diese Uebersiedelung für die Stellung der würtembergischen Ständeversammlung von Vortheil sey. Wenn zwei solcher Körper sich an Einem Orte befinden, so sey es für den kleinern nicht gut. Man brauche eben keinen Triumph darüber zu feiern, daß sich die Frankfurter Versammlung hierher begeben. Mack ist dafür, daß man ihr in ihren bedrängten Umständen, welche ein Bild der Bedrängniß des Vaterlandes seyen, allen Vorschub leisten sollte. Auch Scherr will der von preußischen Bajonnetten Verfolgten ein gastliches Asyl geboten wissen. Sein Antrag, die Kammer möge beschließen, ihren Präsidenten zu beauftragen, Alles zu thun, was von Seite der Kammer zum Empfang und Unterkommen der Nationalversammlung geschehen kann, und dieselbe im Namen der Kammer willkommen zu heißen, wird von der Mehrheit angenommen. Viele auf der Prälaten« und Ritterbank bleiben sitzen. Als der Präsident Mur sch el hinzufügen wollte, vielleicht könnte es der Fall seyn, daß man dieses Lokal anbieten könnte, entstand von einer Seite großer Lärm und der Ruf: Nein! Nein! Die Staatsräthe Duver- noy und Römer bemerkten, wenn die Kammer einseitig über StaatSeigenthum verfügen wollte, so habe die Regierung auch ein Wort zu sprechen, und welches Wort sie sprechen werde, werde nicht zweifelhaft seyn. Damit wurde der Gegenstand verlassen. Die Absicht ist, der Nationalversammlung den Ständesaal der zweiten Kammer einzuräumen, wogegen diese, deren Arbeiten ohnedies nicht mehr über 14 Tage andauern werden, den eben frei gewordenen Saal der Kammer der Standesherren einnehmen würde. Eine Räumlichkeit würde auf diese Weise die Nationalversammlung schon erhalten, und zwar ganz nach dem Verhältniß der gegenwärtigen Anzahl ihrer Mitglieder, welche wir, wie auch ihre etwaige Wirksamkeit in Stuttgart, nicht zu hoch anschlagen wollen.
In Stuttgart sind am 1. Juni G. Tafel und einige andere Reichstagsabgeordnete als Quartiermacher aus Frankfurt angelangt. Der Uebersiedlungsbeschluß bringt die Regierung in die größte Verlegenheit. Da nur die Linke kommt, |o erhält die ertreme Partei eine Verstärkung, die leicht zu einem Uebersturz führen könnte. Ueber den Schwarzwald her befürchtet man den Zuzug von greifbaren. Die dort stehenden Truppen sollen nicht vom besten Geist beseelt seyn. Hoffent« lich wird das Gerücht, daß Graf Wilhelm v. Würtemberg persönlich mißhandelt worden sey, sich nicht bestätigen! Der sogenannte Landesausschuß scheint sich schon als provisorische Regierung zu betrachten, er hat sein Hauptquartier in dem ehemaligen König von England. Ein Glück ist, daß die trefflich eingeübte Bürgerwehr dem Ministerium Römer treulich zur Seite steht. Seit vier Tagen ist sie in unermüdlichem Dienst. Die Abgeordnetenkammer hält gleichfalls männlich Stand. Um so tadelnswerther ist, daß die erste Kammer sich gänzlich aufgelöst und ihren Posten verlassen hat. Für die Sitzungen der Frankfurter wird von den Demokraten der Ständèsaal in Anspruch genommen, da es sonst an einem geeigneten Lokal fehlt. Sie dürften übrigens kaum in beschlußfähiger Zahl sich zusammenfinden. (A. Z.)
Berlin, 3. Juni. (F. I.) Wir erhalten heute aus einer Quelle, in deren Lauterkeit kein Zweifel,zu setzen ist, die be, stimmte Mittheilung, daß Braunschweig, Anhalt-Bern, bürg und Mecklenburg sich für den Verfassungsentwurf der drei Königreiche erklärt haben. Von Anhalt-Bernburg haben wir dies schon vor der Veröffentlichung deS Entwurfs gemeldet, von Mecklenburg war der Anschluß damals gleichfalls schon wiederholt behauptet worden; doch mußte man Bedenken tragen, dieser Behauptung Glauben zu schenken, da Mecklenburg die Verfassung vom 28. März anerkannt hatte, ohne in der Lage zu seyn, durch welche Bernburg gezwungen wird, um jeden Preis mit Preußen Hand in Hand zu gehen. Höchst wahrscheinlich wird auch der Großherzog von Baden noch in diesen Tagen den Versassungsentwurs anerkennen. Gewiß ist, daß hierüber unterhandelt wird und daß die Gewährung der erbetenen preußischen Hulse zur Unterdrückung der Revolution in Baden zum Therl von dieser Anerkennung abhängig gemacht ist. Der Bevollmächtigte deS