Truppen in der Umgegend gelieferten Gefechte erfahren habe. Ohne für jede Einzelheit stehen zu können, glaube ich die Richtigkeit des Wesentlichen verbürgen zu dürfen. Gleich nach Mitternacht den 30. Mai wurden die hier und in der Umge, gend stationirten Hessen durch das Allarmsignal unter die Waffen gerufen. Es hieß, die Truppen der provisorischen Regierung in Baden beabsichtigten einen Einfall in'S hessische Gebiets Gegen 4 Uhr war Alles um Heppenheim vereinigt und Stellung gegen die badische Grenze genommen, deren Vor, posten im Kirschhäuser und Erbacher Thal und in der Ebene gegen Oberlaudenbach hin vorgeschoben waren. Indessen verlief der Morgen ruhig, und die Truppen, welche aus 5 Bataillonen, 2 Schwadronen und etwa 8 Geschützen bestanden, waren mit der Hauptmasse, der Erholung wegen, mehr nach Heppenheim zurückgezogen worden. Da kam plötzlich die Nachricht, es sey eine starke Kolonne Badener von Weinheim aus in's Weschnitzthal eingebrochen und ziehe gegen Rimbach und Fürths
Sofort wurden die Truppen im Kirschhäuser und Erbacher Thale angemessen verstärkt und beauftragt, den Feind nach dieser Richtung hin zu beobachten, sich aber nicht in ein Gefecht verwickeln zu lassen, welches sie vom Hauptkorps in Heppenheim zu weit entfernen könne. Gegen 4 Uhr näherte sich diesen Truppen auf der rechten Flanke ihrer Vorposten, die auf der Juchhöhe stand, eine Kolonne badischer Infanterie, meist Soldaten, doch auch mit Freischaaren untermischt in der Stärke von 1000 — 1200 Mann. Die Badener versuchten mehrmals zu parlamentiren und forderten die Hessen unter dem Rufe „die Hessen sollen leben" auf, sich mit ihnen zur Durchführung der Reichsverfassung (!) zu vereinigen und die provisorische Regierung in Baden anzuerkennen. An der festen und treuen Gesinnung der hessischen Soldaten scheiterten alle Versuche und es entspann sich nun ein Vorpostengefecht, welches l'/r Stunde ohne wesentlichen Erfolg fortdauerte. Beide Theile zogen sich am Ende zurück; die Hessen durch das Erbacher Thal gegen Heppenheim zu, um die Verbindung mit ihrem inzwischen auf der Bergstraße vorgerückten Hauptkorps zu erhalten. Dieses bestand das ernste und nicht unblutige Hauptgefecht an diesem Tage. Gegen 4 Uhr Mittags wurde es in seiner Stellung von den Badnern, die am Fuße deS Gebirges über die Gränze herüberkamen, angegriffen. Es rückte ihnen mit seiner Reiterei und seinen Geschützen und etwa 3 Bataillonen — ungefähr 3400 Mann — entgegen; die Badner sollen nur 5 Geschütze gehabt haben, waren aber im Uebrigen bedeutend stärker. Auch hier forderten sie die Hessen vergebens zur Vereinigung auf. Das Gefecht nahm bald einen ernsteren Charak, 1er an, als den eines bloßen Plänklerkampfes. . Die Hessen drängten den Feind zurück und nahmen das badische Dorf Unterlaudenbach, von da ging eS gegen Hemsbach vor. Hier, wo die feindliche Stellung zwischen einem Wald von Obstbäumen weniger zu überschauen war, wurde der Widerstand hartnäckiger. Ein hessisches Bataillon, welches schon eingedrungen war, mußte das Dorf, durch ein plötzliches unvermutheteS Feuer überrascht, wieder verlassen. Endlich, da eS dunkelte, gelang eS, desselben Meister zu werden.
Der Kommandirende, General von Schäfer, fühlte sich indessen zu schwach, um seine Vortheile weiter zu verfolgen, und zog, um nicht einem zahlreicheren Feinde gegenüber seine Kräfte in einer zu ausgedehnten Stellung zu zersplittern, seine sämmtlichen Truppen mit Beginn der Nacht in Heppenheim zusammen. AuS dieser konzentrirten Stellung kann ein Vorrücken sowohl durch den Odenwald als in der Ebene erfolgen, sobald die nöthigen Verstärkungen eingetroffen find. Ich höre eben, daß die Ankunft derselben mit Bayern und Mecklenburgern schon begonnen hat und daß auch von Darmstadt aus Hessen und Mecklenburger direkt in den Odenwald aufgebrochen seyen; von hier aus wird ebenfalls im Kirschhäuser Thal wieder vor- Hegangen. So steht zu erwarten, daß der allgemeine Angriff in der nächsten Zeit beginnen wird, und nach den gestrigen Erfolgen ist nicht zu zweifeln, daß [er gelingen wird. Die Tüchtigkeit, welche die Hessen im Gefecht bewiesen, verdient besonders für meist junge Soldaten alle Anerkennung. Sie hatten es diesmal mit einem anderen Feind zu thun, als mit den Freischaaren der Aufstände von Hecker und Struve; die militärische Uebung und Disziplin hat unverkennbar den Widerstand der Badener weit hartnäckiger gemacht. Der Verlust der Hessen beträgt an Todten 2 Offiziere, 12—15 Soldaten; an Verwundeten 1 Offizier und mehr als 30 Soldaten; die Badner müssen wegen der überlegenen Artillerie ihrer Gegner Mehr verloren haben; überdieß wurden eine große Zahl
Kleidungsstücke und Waffen, darunter ein gefüllter Munition-, wagen, durch die Hessen erbeutet. Jedenfalls verdienen sie die Anerkennung, daß sie zuerst und allein einen zahlreicheren Feind zurückgewiesen haben.
Mannheim, 29. Mai. (Mannh. Z.) Den militärisch, speziellen Befehl über die Volkswehr am Unterrhein erhält Metternich; er hat sein Hauptquartier in Heidelberg. Den speziellen Befehl über die in Karlsruhe zusammengezogene Mannschaft erhält Johann Philipp Becker; er hat sein Haupt, quartier in Karlsruhe.
Wien, 28. Mai. (Allg. Z.) Nach Berichten aus dem Hauptquartier, bestätigt sich die Einnahme Ofens in der ge, schilderten Weise. An dem Verrath der Italiener, ohne welchen den Insurgenten die Einnahme nicht gelungen wäre, kann durchaus nicht gezweifelt werden; ihre Offiziere nahmen daran keinen Antheil und würden als Kriegsgefangene nach Altofen gebracht. Der erste Entschluß Weidens, mit Pesth auch Ofen aufzugeben, war eine bessere Eingebung, als die später beschlossene Besetzung Ofens, welche, ohne allen Nutzen, der Pesther Stadt einen Schaden von drei Millionen Gulden ver- ursachte und den tapfern General Hentzi mit drei Bataillons Grânzer den Insurgenten opferte.
Hentzi starb an seinen Wunden, und wurde durch Görgey mit militärischen Ehren begraben. Von den zur Bezahlung der Garnison zurückgelassenen 100,000 Gulden in Silberzwan« zigern sind 60,000 Gulden in die Hände der Insurgenten gefallen, die das Schloß gänzlich plünderten, die großen Spiegel, Möbel aus den Fenstern warfen, und mehrere Häuser, wo sie auf Offiziere Jagd machten, so wie die Sparkasse stark mitnahmen. Görgey beschloß die Schleifung der Festungsmauern, daher die beiden Städte vor einem zwei- ten Bombardement vielleicht gesichert seyn werden; er selbst soll am zweiten Tag nach der Einnahme mit 25,000 Mann Ofen verlassen und sich gegen Gran gewendet haben.
Italien.
Mestre, 24. Mai. Es ist jetzt 7 Uhr früh, ich schreibe Ihnen aus einem Laufgraben, 800 Schritte von Malghera entfernt, im fürchterlichsten Donner von beinahe 400 Geschützen unsererseits zu Land und zur See. Seit zwei Stunden hat dies großartigste Bombardement, das je erlebt worden, von beiden Seiten begonnen. Es ist unbeschreiblich — fürchterlich__ Gott gebe, daß eö gut für uns gehen möge! Zwei Batterieen weittreibender Mörser schicken ihre zwölfzölligen Bomben über die Lagunen selbst bis Venedig. Drei Bataillone deS Regi, mcntS Großherzogs von Baden sind der Artillerie zum Muni, tionzutragen beigegeben. Wir haben schon mehrere Todte und Verwundete. In wenig Tagen muß daS Schicksal VenediaS entschieden seyn. (Tyroler Bote.)
Nachschrift.
** Wiesbaden, 2. Juni. Es ist zwar schon früher in diesen Blättern auf eine überzeugende Weise auseinander ge, setzt worden, daß die Funktion der Wahlmänner erloschen ist, sobald die von ihnen besorgte Deputirtenwahl stattgehabt und Gültigkeit erlangt hat, indessen scheinen die Wahlmânner der Aemter Wiesbaden und Hochheim diese Wahrheit nicht be- greifen zu wollen.
Diese haben nämlich, wie wir eben hören, die Absicht, nächsten Sonntag sich in der Kirche zu Sonnenberg zu ver- sammeln, um für die Deputirtcn Bertram, Fresenius und Ha- bel ein Mißtrauensvotum zu beschließen, vielleicht auch no# andere außer ihrer Befugniß liegende Maßregeln zu verabreden.
Kaiserslautem, 31, Mai. Die lithogr. Bulletins der provisorischen Regierung melden: „Zur gemeinsamen Leitung der militärischen, finanziellen und allgemeinen politischen Angelegenheiten Badens und der Pfalz wird von beiden Ländern eine Zen, tralregierung niedergesetzt, die in Mannheim ihren Sitz hat und aus drei Personen besteht. Pfalz stellt ein, Baden zwei Mitglieder zu diesem Triumvirat."
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl,