Erst vor wenigen Tagen bezeichneten Soldaten des 4. Regiments ihren Offizieren einige üble Bursche (Rheinhessen) aus ihren Reihen und übten alsdann selbst und handgreiflich Justiz. Sie sehen daraus, wie gefährlich das Wühlerhandwerk wird, und daß es keinen goldenen Boden mehr hier hat. Allen Grund verlor es unter dem Volke, besonders durch den Meuchelmord in Laudenbach und die Feigheit, welche das bewaffnete „souveräne Volk" dort wie anderswo bewies. So trieben vor 8 Tagen 3 Offiziere angesichts ihrer Mannschaft einen höhnenden Volkshaufen von ein paar Hundert Mann in einem benachbarten Orte auseinander.
Von der Bergstraße, 28. Mai, schreibt die „Darmstädter Zeitung" : „Ein unverbürgtes Gerücht läßt den Assessor Müller von Fürth in Weinheim sitzen, wogegen in Heppenheim heute Jtzstein als Gegengeisel fcstgehalten werde. — Reisende, von Worms geflüchtet, erzählen von einem gränzenlosen Terrorismus, den sich Blenker mit seinen Freischärlern gegen die bedrängten Bewohner erlaubt; besonders seyen die Ausbrüche der rohesten Brutalität gegen die Familien von Militärpersonen gerichtet."
Mannheim, 27. Mai (O.-P.-A.-Z.) Es wird fals bestimmt versichert, sämmtliche Mitglieder des Oberhofgerichts sollen des Staatsdienstes entlassen werden, wegen Verweigerung des Eides auf die Reichsverfassung.
Mannheim, 29. Mai. (M. I.) Fünf würtembergische Soldaten sind heute Morgen in Karlsruhe eingetroffen, mit dem offiziellen Auftrag, Namens ihrer Kameraden die badischen Soldaten zu begrüßen und die Versicherung zu geben, daß das würtembergische Militär nicht nur nicht gegen Baden feindlich auftreten, sondern auch im Falle der Noth mit den badischen Truppen vereint für die deutsche Verfassung kämpfen werde.
Mannheim, 27. Mai. (Darmst. I.) Die Mannheimer Presse ist der des übrigen Landes mit rühmlichem Beispiel, freilich bis jetzt ohne Nachfolge, vorangegangen. Das „Mannheimer Journal" hat sofort die Proklamation des Großherzogs abgedruckt und ist damit der terroristischen Partei sehr in die Quere gekommen; die Folge davon war, daß die Soldaten, denen man Anfangs diele Proklamation ganz zu verheimlichen strebte (unsichtbare Hände haben an dem Tage, wo sie zuerst in den Frankfurter Blättern erschien, letztere in allen öffentlichen Lokalen entfernt), die Stimme ihres Fürsten zu hören be, kamen, die auf keinen ihre Wirkung verfehlt hat. Wir können Ihnen die feste Versicherung geben, daß das hiesige Militär nichts weniger als geneigt ist, für eine Partei zu kämpfen, durch die es selbst zuerst auf die Zinne des Tempels geführt wurde!
Die Soldaten, unter denen es freilich auch einzelne schlechte Subjekte gibt (daran ist leider heutzutage in keinem Stande Mangel!) haben längst eingeschen, wozu man sie hat mißbrauchen wollen, und zum Beweis, daß sie dies in ihrer größten Mehrheit wissen, will ich Ihnen eine Thatsache erzäh, len, die unsere Republikaner sehr stutzig gemacht hat. Vorgestern kam der Befehl von Karlsruhe, daß zwei Kompagnicen des 4. Regiments nach der Pfalz marschiren sollten, um bei der beabsichtigten Einnahme von Landau mitzuwirken. Kaum waren die beiden Kompagnicen in der Frühe des Morgens abgezogen, so erklärte das zurückgebliebene Bataillon einstimmig, es werde sich nimmer zum Dienst gegen eine Festung gebrauchen lassen, am allerwenigsten aber werde es dulden, daß man seine Glieder trenne. Sofort mußte schleunigst der Befehl zum Rückmarsch jener beiden Kompagnicen gegeben werden, die denn auch einige Stunden später nach Mannheim zurück- kehrten! Daß Alles, was von Seiten des LandeSausschuffes geschehen ist, um daö Militär zum Treubruch zu verleiten, nachträglich, wo die ruhige Besonnenheit und das redliche Gefühl an die Stelle des Rausches und der leichtsinnigen Beschwörung getreten ist, nur dazu diente, die Soldaten zur richtigen Erkenntniß ihrer Pflicht zurückzuführen, davon könnte ich Ihnen Hunderte von Beispielen erzählen.
Zwei Darmstädter Infanteristen (Odenwälder) kamen gestern früh hier an und dachten wahrscheinlich Wunder, wie sie von ihren badischen Kriegskameraden mit Jubel empfangen werden würden; kaum aber hörten Letztere, daß es nicht zwei Kompagnicen Darmstädter (wie man ihnen vorgespiegelt), sondern nur zwei Deserteurs seyen, als sie sich lachend abwandten» wobei ein badischer Infanterist den beiden Darmstädtern zurief: „Geht zu den Freischärlern in die Pfalz, hier haben wir Soldaten genug."
Mannheim, 29. Mai, 2 Uhr Nachmittags. (D. Z.) So eben wird Generalmarsch geschlagen. Das 3. und 4. Linieninfanterieregiment und eine Feldbatterie, welche diesen Morgen Befehl erhalten hatten, sich marschfertig zu halten, sollen noch heute an die hessische Grenze in der Richtung von Worms ab» gehen. Zwei Eskadronen Dragoner und eine halbe Batterie reitender Artillerie sind bereits diesen Morgen in derselben Richtung aufgebrochen. Man spricht von einer Bewegung in Worms und von einem blutigen Kampfe zwischen hessischen und mecklenburgischen Truppen, an welchem die Freikorps der Rheinpfalz sich betheiligt haben sollen. Doch hört, man darüber nur schwankende Gerüchte.
Karlsruhe) 28. Mai. (Darmst. Ztg.) Man beabsichtigt einen Ueberfall ins Hessische. Plakate und Aufrufe, daß die hessischen und wünembergischen Soldaten den hiesigen augenblicklich zur Seite stehen werden (!!) find im Ueberfluß an das Militär vertheilt worden. Auch den Großherzog von Hessen zu vertreiben und weiter Frankfurt ist das Ziel. Bei, folgend ein neuer Werbcruf: „Kampflustige Männer! Wer gesonnen ist, in dem Kampfe für die gute Sache der deutschen Freiheit an den gefährlichsten Punkten einzustehen, wer entschlossen ist, mit todverachtendem Heldenmuth die feindliche Partei an jedem offenen Punkte anzugreifen, der wolle sich der zu orgmuftrenben deutsch-ungarischen Legion anschließen, zu der sich gegenwärtig schon viele entschlossene Ungarn, welche bisher von ihrem Vaterlande leider getrennt gewesen, gemeldet haben. Gemeinsam sey unser Wirken! Freiheit sey unser Ziel! Das Wcrbebureau ist in der Jnfanteriekaserne, Zimmer Nr. 13. Karlsruhe, den 27. Mai 1849. Stefan Türr, Kommandant der zu organisirenden Legion, v Jovanovits, Hauptmann der ungarischen Honveds."
Karlsruhe, 28. Mai. (O.-P.-A.-Z.) In einer seiner letzten Sitzungen hat der Landesausschuß beschlossen, noch viel „entschiedener" als bisher aufzutreten, um die mit Riesenschritten anstürmende „Reaktion" mit aller Macht zu unterdrücken. Struve, Blind und Andere machten bereits seither Herrn Brentano den Vorwurf, daß er durch seine Besonnenheit der Reaktion in die Hände arbeite.
Man will wissen, Glaubitz sollkriegsgerichtlich erschossen werden. Er war bekanntlich vom Militär zu Karlsruhe zum Obersten des Dragonerregiments Großherzog gewählt worden, verweigerte aber sodann den Eid auf die Reichsverfassung und die provisorische Regierung, weßhalb er verhaftet und in die Festung Rastatt abgcführt wurde.
Karlsruhe, 27. Mai. Der Terrorismus kündet sich täglich näher und lauter an. Die „Karlsr. Ztg.," unser neuer „Moniteur," schürt tüchtig. So schreibt sie heute: „Die Reaktion glaubt auf dem Lande fruchtbaren Boden für ihre Bestrebungen zu finden. Sie hat sich zu diesem Zwecke hinter die Pfaffen gesteckt. Pfarrer Sprenger in Dielheim bei Wiesloch hat cs versucht, von der Kanzel herab das Volk aufzustacheln gegen den Landesausschuß, und hat die Soldaten, die zum Volke halten, für „Meineidige" erklärt. Die wackern Bauern haben aber von diesen Pfaffcnstreichen hieher Anzeige gemacht. Eine Abtheilung Volkswehrmänncr wurde beauftragt, den Pfaffen einzufangen, welches sie glücklich ausführten. Seine Ehrwürden sitzen ?nun bis auf Weiteres auf dem hiesigen Brückenthore, wo Sie Zeit haben, auf einen besseren Tert für Ihre Predigten zu studiren."
Freiburg, 28. Mai. (O.-P.-A.-Z.) Heute Vormittag ist Stadtdirektor Riegel auf Befehl der provisorischen Regierung verhaftet und tn Gewahrsam gebracht worden.
Kaiserslautern, 28. Mai. (F. I.) Die provisorische Regierung setzt alles in Bewegung, was zur Beschleunigung der Volksbewaffnung erforderlich ist. Tie Rekrutirung in der Pfalz wird mit großem Eifer betrieben und etwaigen Weigerungen Strenge entgegengesetzt. Eine Zwangsanleihe ist bereits ausgeschrieben. Alle Diejenigen, deren Vermögen nicht die Höhe von 40,000 fl. erreicht, bleiben gänzlich verschont; wer 40,000 fl. besitzt, hat ein Darlehen von 290 fl. zu entrichten. Bei höherem Vermögen steigert sich der zu zahlende Beitrag in arithmetischer Progression. So werden z. B. bezahlt: Von 50,000 fl. 250 fl.; von 60,000 fl. 310 fl.; von 70,000 fl. 380 fl.; von 80,000 fl. 460 fl.; von 100,000 fl. 650 fl.; von 200,000 fl. 2200 fl.; von 500,000 fl. 12,850 fl.; von 800,000 fl. 32,400 fl.; von 1,000,000 fl. 50,000 fl.