Nassauische
Allgemeine Zeitung.
M L2S Dienstag den 2N Mai 1849»
Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Pränume- rationspreis ist in Wiesbaden 2 fL, für den Umfang deâ HerzogthumS Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landqrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl. 30 kr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn-und Tarisfchen Verwaltungsgebietes 2fl.4O fr. — Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Das aufständische Baden und der Zollverein.
Deutschland. Wiesbaden (Die Schulkommisfion). — Cronberg (Die souveränen Fruchtbaumschäler vom Taunus). — Frau kfnrt (Reichstag.) — Darm stadt (Ein rheinhesfischer Putsch in Aussicht. Sperrung des Verkehrs zwischen Baden und Hessen). — Vom Rhein (Asyl in Auerbach). — Koblenz (Die Truppenzüge nach dem Oberland). —, Karlsruhe (Die französische Regierung verweigert die Anerkennung der dermaligen badischen Regierung). — Bad en (Erklärung der Reichskom- miffärc). — Stuttgart (Antwort Römers über die obschwebenden Verwickelungen). — Berlin (Rückwirkung der bayerischen Kammerbc- schlüffe. Die französische Note). — Wien (Ans Ungarn).
Frankreich. Paris (Tagesbericht).
Italien. (Widerlegung).
Ostindien. (Das Pendschab dem indo-britische» Reiche einverleibt).
Das aufständische Baden und der Zollverein.
mann dleser Länder wird gegen den, der sich aus den anarchischen Schmuggellanden des südwestlichen Deutschlands versorgt, in schweren Nachthell gerathen. Mülhausen im Elsaß wird nicht säumen, seine weitberühmten Kattune in großen Massen nach dem aufständischen badischen Oberlande zu liefern; um den Zollschein wird sie dort Niemand fragen. Welch ein schwerer Schlag wird das für unsere Berliner Kattundruckereien seyn! Lyoner und St. Etienner Seidenwaaren und Seidenbänder werden unverzollt auf den vereinsländischen Märkten mit den Produkten des Gewerbfleißes von Crefeld und Elberfeld konkurri- ren, und die Männer, welche sich vorzugsweise Patrioten, Freunde der Arbeiter nennen, die Insurgenten der Rheinpfalz und des Großherzogthums Baden sind eS, welche unserer ohne, hin schon so sehr darniederliegenden Industrie diese blutigen Wunden schlagen!
Wir halten die Regierungen der Vereinslande und ins, besondere Preußen für eben so verpflichtet als berechtigt, mit aller Kraft die verletzten Rechte und Interessen ihrer Unterthanen auch in dieser Beziehung zu wahren.
Die „Konstitutionelle Zeitung" enthält folgenden bemer- kenSwerthen Artikel:
Der insurgirten Rheinpfalz und dem „aufständischen" Großherzogthum Baden gegenüber befindet sich Preußen und die übrigen Staaten des Zollvereins in einer ganz eigenthümlichen Lage. Deutsche Staaten, Preußen an ihrer Spitze, haben einen freien, nach völkerrechtlichen Grundsätzen abgeschlossenen Handels- und Zollvereinigungsvertrag mit einander eingegangen, in Folge dessen ihre Grenze in Handelsbeziehungen und gegenüber von anderen Landen als eine einheitliche sich darstellt, wonach sie gemeinschaftliche Kassen haben und gegenseitig zu gleichmäßiger Uebung des Zollschutzes verpflichtet sind.
Nun fallen aber nicht nur die Zollkaffen in Baden und in der Rheinpfalz in die Hände der Aufständischen und der von ihnen niedergesetzten provisorischen Regierungen, sondern die Zollvereinsgrenze gegen die Schweiz und gegen Frankreich — bei direkter Verladung auf dem Rhein zu Berg sogar gegen Niederland und Belgien —• ist einer meuterischen Bevölkerung übergeben, welche, sich, besonders früher, durch die höchste Vir- tuosität im Schmuggel auszeichnete und deren — von den Wogen der Empörung auf einen Tag hervorgehobenen — Führern nicht zu rathen wäre, in Constanz, Kehl, Ludwigshafen, Mannheim und an der rheinpfälzisch-französischen Grenze daö deutsche Zollsystem ernstlich zu handhaben.
Dadurch find aber nicht nur die Interessen des preußischen Staatsschatzes und die der Landeskassen der übrigen Vereinsstaaten bedroht und verletzt, cS ist der Zollverein überhaupt auf das Höchste gefährdet. ES ist die vertragsmäßige Bürgschaft nicht mehr vorhanden, daß nicht große Massen von Kolo- malwaaren unverzollt nach Baden und Rheinpfalz eingeführt werden. Den Ausfall, welchen die Zollvereinskassr dadurch erleidet, müssen die Bewohner Preußens, Sachsens, AltbayernS durch andere Steuern aufbringen und der redliche Kauf
Deutschland.
+ + Wiesbaden, 26. Mai. Die Schulkommission ist zusammengetreten und hat bereits begonnen, zu sprechen. In gespannter Erwartung sehen die Lehrer den Resultaten der Berathungen entgegen, und Viele hoffen zunächst und zuversichtlich auf Besserstellung in pekuniärer Hinsicht. Schon gut; aber dadurch ist allein unserem Volksschulwesen nicht aufgeholfen. Zur Hebung desselben gehört viel mehr, und die Kommission muß erst anderes Wesentliche zur Berathung ziehen, ehe die Sprache auf den Gehalt der Lehrer kommen kann, und dann bleibt die Feststellung des Gehaltes immer leichter, als das Oeffnen der Quellen, woraus der Gehalt genommen werden soll. —
Gewiß ist, daß die neue Zeit auch neue und gesteigerte Forderungen an die Lehrer machen wird. Jeder gehe daher erst aufrichtig mit sich selbst zu Werke und stelle seine Forderungen nach grechter Anerkennung seiner Kraft, fordere nicht, daß er esse, um den Gelüsten des Leibes zu genügen, sondern um Kraft, Rührigkeit, Lebensfrische, überhaupt den rechten Geist für seinen Beruf zu gewinnen und zu erhalten. Sein und des Volkes Interesse muß dabei das vorherrschende Motiv seyn, sein Selbst muß in des Volkes Wohl aufgehen.
Von diesem höheren sittlichen Standpunkte aus, meine ich, muß eine Gehaltsverbesserung beantragt werden, und glaube behaupten zu dürfen, daß von diesem Standpunkte aus allein ein richtiger Maßstab für die Verpflichtungen des StaateS in Bezug auf Lehrerbefoldungen, sowie der Anforderungen der Lehrer, zu finden ist. Jedenfalls ist das Streben des Einzelnen wie der Gesammtheit nur sittlich gerechtfertigt, sofern die Forderungen ihren innersten Gründen dem Volkswohle selbst finden. —
Das Streben der Lehrer nach einer Betheiligung an der