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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

â 123. Samstag den 26. Mai 1849.

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume­rationspreis ist in Wiesbaden 8 fl., für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Großherzogthums und Kursürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt T fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgcbietes 8 fl. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- terg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Neuester Kammerbeschluß.

Zur Charakteristik der Verfassungs-Bewegung in Baden.

Deutschland. Aus dem Amte Hochheim (Eine Freischaar).

(Aus dem Agit Hachenburg (Volksversammlung). Mannheim (Erklärung des Hofgerichts). Karlsruhe (Großherzogliches Hof­theater". Die Heidelberger Professoren), Berlin (Der Kongreß ge­scheitert. Neue Pläne). Wien (Aus Ungarn).

Nachschrift.

Sprechsaal für Stadt und Land.

* Neuester Kammerbeschlust.

Fast in demselben Augenblicke, wo in der nassauischen Kammer der Beschluß gefaßt wurde, daß, weil die Reichsge­walt offen gebrochen habe mit der Nationalversammlung, die Landesregierung dem Neichsministerium den Gehorsam auf­kündigen solle fast in demselben Augenblicke gesteht die Nationalversammlung dem Anträge Würth's, der die Ver­fügungen des ReichsministeriumS für null und nichtig erklärt haben will, die Dringlichkeit nicht zu, spricht also gerade daS Gegentheil von dem aus, was die nassauische Kammer als Motiv ihres Beschlusses vorausstellte.

Wenn also die Reichsversammlung die Erlasse deS Reichs- ministerinms noch für bindend hält, dann wird die nassauische Regierung doch wohl auch das Gleiche thun müssen.

Wäre also unsere Kammer etwas wenigerrapid" in ihrer Beschlußfassung gewesen, so würde sie sich eine Blamage erspart haben.

Ein Antrag Lehn e's in der darmstädtischen Kammer, der dem Braun'schen dem Inhalte nach ziemlich gleich war, nur in der Fassung etwas mehr politischen Takt und Einsicht bekundete, ist mit starker Majorität abgelehnt worden.

Die nassauische Kammer hat also die traurige Ehre, die ersten Anträge durchgebracht zu haben, welche den Riß zwischen den Parteien in den verfassungstreuen Ländern unheilbar machen müßten wenn sie nach der Abstimmung des Parla­mentes über den Wüvth'schen Antrag überhaupt noch einen Sinn hätten! Die nassauische Kammer hat die Ehre, noch weniger politischen Verstand bekundet zu haben, als selbst das Parlament in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung!

Zur Charakteristik derVerfassungs- Bewegung" in Baden.

Ein in derDarmstädter Zeitung" abgedruckter Privat­brief aus Karlsruhe gibt folgende Schilderung der dortigen Zustände:

Ich kann Ihnen nur Trübes auS unserm ehemals blühen­den Lande berichten, und wir müssen auf das Schlimmste unS gefaßt machen; mit jedem Tage wird unsere Lage gefahrbrin­gender, stündlich brechen neue Cohorten fanatistrter Sansculot- tes, sogenannter politischer Flüchtlinge, Diebe und Vagabunden über die ihnen von unserer neuen Regierung freundlichst geöff­neten Grenzen, und wir können jetzt schon von unserm Lande sagen:Es war das Paradies, und ist jetzt das Zuchthaus des ganzen deutschen Vaterlandes." Blicken Sie auf viele Kandidaten unseres neuen Regimentes, so werden Sie diesen Ausspruch vollkommen bestätigt finden, Kandidaten, würdig das Szepter über solche Verfechter der deutschen Freiheit zu schwin­gen. Brentano steht noch ehrenwerth da, und mir scheint eS, daß er sich nachgerade seiner Regierungs-Kollegen zu schämen anfängt, aber er wird von den andern, und durch deren An­hang im Schach und ihren Tendenzen willfährig gehalten.

Alle Geschäfte stocken, die meisten Läden sind geschloffen, der Handwerker ist ohne Gesellen, diese finden cs bequemer, sich als Freischärler einquartieren zu lassen und gut zu schmau­sen, als zu arbeiten; nur kurze Zeit, und der Handwerker, der mit 3 4 Mann solcher Freischärler täglich heimgesucht ist, wird bald um Brod für seine eigene Familie verlegen seyn. Da heißt es nun freilich, die Sicherheit des PrivateigenthumS ist noch nicht gefährdet worden, nun ja, man stiehlt und plün­dert noch nicht, man organisirt nur die Anarchie nach einem Aussaugungssysteme.

Im Oberlande aber steht es schon schlimmer, da gilt Ei­genthum schon als Diebstahl.

Die Bürger sind zum großen Theile gutgesinnt, deßhalb wollte man siè entwaffnen, um mit ihren Waffen die neuen Zuzügler auszurüsten, da Waffen und Munition erschöpft sind; aber ein entschiedener Protest der Bürgerschaft hat seine gute Wirkung nicht verfehlt.

Auch die Soldaten sind zum großen Theil noch nicht de- moralisirt, sie stehen für ihren Fürsten und würden sich auf seinen Ruf um ihn schaaren, um seine Rechte zu vertheidigen, aber dieser Ruf kann nicht zu ihnen dringen, denn die Pro­klamation des Großherzogs ist überall unterdrückt und vernichtet worden, und den Soldaten hat man plausibel gemacht, der Großherzog sey aufgefordert worden, zurück zu kommen, er wolle aber weder von seinem Lande, noch von sei­nem verrätherischen Militär etwas wissen.

Schreiten fremde Mächte in unserem Lande ein, so gibt es einen verzweifelten Kampf, unsere blühenden Felder werden verwüstet und wir sind den Plünderungen der fliehenden In­surgenten preisgegeben. Uebcrläßt man uns unserem Schick­sale, so zehren und reiben sich die Elemente gegenseitig auf, und Raub, Mord und Plünderung sind wieder der Ausgangs­punkt unseres Schicksales.

_ Schon fangen die wohlgefüllten Staatskassen, die man in Beschlag genommen, sich zu lichten an, die riesigen Rüstungs­ausgaben und das Heer unserer Regenten absorbirten schon viel, man hat also schon um freiwillige Beiträge zu Deutsch­lands Heil petitionirt; fallen diese nicht reichlich und nach Wunsch auö, nun dann fordert man, waS nicht gutwillig geboten wurde. Würden wir nur durch fremde Truppen ent-