nicht gestohlen und gemordet wird, als ein Muster gesetzlicher und vo lkSthüm licher Zustände! Sosehr sind die Begriffe verwildert, so wenig weiß man zwischen^ dem Despotismus der Kabinete und dem der Parteien die gesunde Mitte sich auch nur vorzustellen. In Baden stammt dies Nebel nicht erst von heute; es ist tief ins Volk eingewurzelt und darum verzweifeln wir an der Möglichkeit, hier mit Palliativen eine Heilung zu finden.
Freiburg, 22. Mai. (M. I.) Die Abgeordneten der Nationalversammlung, Christ, Zell und Giskra, welche am 20. d. Behufs der Kenntnißnahme von unsern Zuständen hier eingetroffen sind, haben uns gestern Vormittags wieder verlassen und sind nach Frankfurt zurückgekehrt.
Aus der Pfalz, 2I. Mai. (D. Z.) Nicht genug, daß der Volksmann Bornstedt bereits im Kerker zu Kißlau schmachtet: die Mannh. Abendz. will nun auch wissen, Fenner von Fenneberg sey in Neustadt auf Befehl der provisorischen Regierung verhaftet worden. Die lithographirten Bulletins des Lanvesausschusses begnügen sich zu melden, der provisorische Oberkommandant Fenner sey, wahrscheinlich weil er sich vom Vertrauen des pfälzischen Volkes entblößt fühlte, um Enthebung von seinem Amte eingekommen und sein Gesuch bewilligt worden. Bis zum Eintreffen des zu seinem Nachfolger definitiv bestimmten polnischen Generals ist die militärische Oberleitung einer aus 7 Offizieren bestehenden Kommission übertragen worden.
Nach demselben Berichte wurde am 20. ein in Ludwigshafen verhafteter sogenannter bayerischer Spion, Graf Johne, in Neustadt eingebracht. Das Volk stürzte vor's Rathhaus und verlangte das Blut des Verräth ers; indeß gelang es Schmitt von Kaiserslautern, die Menge durch das Versprechen zu beruhigen, daß der Gefangene ungesäumt vor ein Kriegsgericht gestellt werden solle.
Landau, 18. Mai. (A. Z.) Die Festung Landau hat eine Besatzung gehabt. Die beiden Regimenter Infanterie—ihre Namen werden leider in der Geschichte verzeichnet bleiben, wenn wir sie auch nicht mehr nennen hören mochten — haben sich aufgelöst. Was nicht einzeln schon vorher fortgegangen war, verließ heute truppweise die Festung; immer Abtheilungen von 10 bis 12 Mann, im Mantel, mit gepacktem Tornister, Gewehr und Säbel, wie eine ausrückende Patrouille anzusehen, zogen hinaus, jubelnd, lachend. Ein Theil hat blecherne Feldschüsseln, andere Laibe Brod hinten aufgeschnallt; etlichen ziehen Pioniere, andern Tambours voran. Vor dem Thore schießen sie die Gewehre meist los; Vorräthe an Patronen nehmen sie auch mit. Rückbleibende werden heiter aufgefordert, nicht die Narren zu machen und da zu bleiben... Wir hätten Niemand rathen mögen, an Fahneneid und Pflichten gegen eine deutsche Reichs- und Gränzfestung zu erinnern. Offiziere stehen Posten auf den Wällen. Von den Außenwerken sind die Kanonen und Mörser hereingebracht. Die Bürgerwehr ist jetzt zum Dienst in der Festung für den äußersten Fall aufgeboten, und sie wird dem Rufe entsprechen, zu dem sie auch Rücksichten auf unangenehme Gäste, die „das Beste" wollen könnten, aufsor- dern. Wir könnten ihnen einzelne Züge schildern, die schwärzere Schatten in dieß Nachtgemälde deutscher Ehrenhaftigkeit werfen, wie ein ehrlicher Soldat, der seine Wache ausgehalten, heimkommend nichts mehr vorfindet, was ihm gehört, weder seine Menage, noch seine Wäsche oder sonstiges.... Lassen Sie uns über dieß und anderes einen Schleier ziehen. Bereits regt sich in unverdorbenen Gemüthern junger Landleute der Gedanke, freiwillig sich zum Dienst der Festung zu stellen, die doch nicht Alle im Stich lassen können. (Die Kompagnie Mineurs ist verlässig, die Artillerie minder und will großenthcils auch fort.) Anzugeben, welchen Quellen diese Zustände ihren Ursprung von weiter her verdanken, ist jetzt nicht Zeit noch passend; die Achselträgerei eines A., die gutmüthige Schwäche eines F. sind notorisch, dazu das frühere Junkerthum, die Vernachlässigung des Militärs und des kriegerischen Sinns in den letzten Jahrzehnten, die Halbheit und Ununterrichtetheit der Regierung, die in vielen Punkten nach Orenstjerna verfuhr. Doch was hilft dem Armen, der im freien Feld vom Gewitter heimgesucht wird, eine Abhandlung über die Blitzableiter!
Leipzig, 16. Mai. (D. Z.) Der Wunsch eines Abschluß seâ im Sinne des Königs von Preußen lebt auch heute noch, aber die Furcht ist überwiegend, daß cs dafür schon zu spät
sey. Traurige Regierungen, deren Stärke fast allein auf den Fehlern ihrer Feinde beruht. Hätte man in Sachsen die Reichsverfassung anerkannt, so ist es zwar möglich, daß dennoch ein Aufstand erfolgt wäre, denn die Veranstaltungen dazu sind älter als Tzschirners Auftreten für die Reichsverfassung, sie schreiben sich aus einer Zeit her, wo er deren größter Gegner wär. Man hatte auch fremde Hülfe nicht verschmäht, wie ich gestern auf das Unzweideutigste belehrt wurde. Ein struppiger von Branntwein glühender und duftender Mann sprach mich auf der Straße um eine Gabe an; „ick bin dirige' nach Leipzig," sagte er, pour faire revolution, aber ick sein sehr mal- lleareux, Alles ruhig und ick sein ohne Arbeit." Es ist also zweifelhaft, ob der König durch ein Zugeständniß, wie es in s Würtemberg gemacht worden ist, den Sturm hätte gänzlich abwenden können, aber gewiß ist, daß viele ehrliche Enthusiasten sich nicht betheiligt haben würden und daß von der Verwüstung Dresdens das Gesindel allein die Schuld zu tragen gehabt hätte, während man jetzt die Regierung keineswegs davon befreit.
Berlin, 20. Mai. (D. Z.) Rußland hat plötzlich „mau- vaise minie â bon jeu“ gemacht, nämlich die Räumung Jütlands in kategorischer Weise („widrigenfalls!"—) verlangt. Ich hüte mich wohl von einer russischen „Note" zu sprechen! Ich lasse die Art der Notifikation ganz absichtlich unberührt. Soviel mögen Sie als bestimmt annehmen, daß Rußland die Forderung gestellt hat.
Wien, 18. Mai. (Allg. Z.) Die Insurgenten haben sich größtentheils hinter die zweite Karpathenkette zurückgezogen, wohl um abzuwarten, bis die Russen ihre einzelnen Korps durch die Eingangspunkte in Marsch gesetzt haben, und dann mit ganzer Macht auf dasjenige zu fallen, welches hiezu ihnen das geeignetste scheint. Von Preßburg bis Trentschin hat man daher keinen Ueberfall zu befürchten. Von Altendorf bis Alscho-Veretzke waren die Russen einem solchen Angriffe mehr ausgesetzt, daher der plötzliche Halt der Truppen vor dem Zipser Komitate, in welches sie noch nicht eingerückt sind. Das Jnsurgentenheer rekrutirt in der dortigen Gegend sehr stark, von Debreczin und Großwardein kommen MunitionSvorräthe, von Komorn Kanonen und aus Polen über das Gebirg neue Zuzüge, gegen welche das Gouvernement in Lemberg .Vorsichtsmaßregeln ergreift. Die Russen indessen wissen die Marschroute und Stärke ihrer Truppen so geschickt zu maskiren, daß man selbst in Galizien hierüber nie im klaren ist.
Wien, 19. Mai. (A. Z.) Die Ereignisse am Kriegsschauplätze sind in ein neues Stadium getreten. Die bisher offensiven Bewegungen der Insurgenten beschränken sich auf die Defensive, einzelne fliegende Korps abgerechnet. Das Bombardement auf Ofen und von da auf Pesth ist eingestellt, und die Magyaren haben sich von den Ofner Höhen zurückgezogen (?). Dafür wird die Belagerung von Temeswar durch Bem mit aller Energie betrieben; die Insurgenten beabsichtigen um jeden Preis diese Festung in ihre Gewalt zu bekommen, da sie wohl wissen, daß in derselben ein bedeutender Waffenvorrath und andere Schätze im Werthe von vielen Millionen verborgen sind. —
Italien.
Wir fassen die neuesten italienischen Nachrichten kurz zusammen, mit dem Vorbehalt, sie morgen ausführlicher mitzu- theilen. Aus Sizilien fehlen uns fortwährend direkte Nachrichten. Indessen bestätigen Turiner und Londoner Blätter unsere neuliche Meldung aus Neapel, daß man in Palermo auf'S Neue zu den Waffen gegriffen. An der Spitze des Aufstandes stand Scordato, der die provisorische Regierung abgesetzt hatte. Der Kampf schien am 4. Mai begonnen und bis zum 9. gedauert zu haben. Sonderbarerweise erwähnt ein vor uns liegender Brief aus Neapel vom 10. Mai nichts von dem Stand der Dinge auf der Insel. Der Großherzog von Toskana war am 7. in Neapel angekommen. Er hatte bett Cav. Baldasseroni zum Präsidenten des neuen toskanischen Ministeriums ernannt, und den Duca di Casigliano mit dem Portefeuille des Auswärtigen betraut. AuS Gaeta wußte man, daß der französische Botschafter Herzog von Harcourt und der französische Gesandte am Hofe von Neapel, Graf Rayneval, sich im französischen Hauptquartier zu Palo (zwischen Rom