Einzelbild herunterladen
 

Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^N 121» Donnerstag den 2L. Mai 18419»

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des SanntagS. Der vierteljährige Pränume- rationspreis ist in Wiesbaden Ä fl., für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthums und Kurfurstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn-und Tarisschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Die süddeutsche Bewegung.

Deutschland. Von der Lahn (Ein Pulvermagazin. Armselig oder lächerlich?). Diez (Das Auseinandergchen der Parteien). Darm­stadt (Gemeinsame Maßregeln der verfassungstreuen Regierungen). Worms (Der Angriff auf Landau). Mannheim (Bewaffneter Zug nach Frankfurt). Karlsruhe (Maßregeln der provisorischen Regie­rung. Volksversammlung in Stuttgart). Freiburg (Die gewählten Offiziere. Vollkommene Ruhe). Hei lbronn (Das Verfahren der Gränzbevfilkerung gegen die badischen Flüchtlinge). Stuttgart (Stimmung). Kirchheim (Markgraf Wilhelm). Wien (Vom ungarischen Kriegsschauplätze).

Frankreich. Paris (Tagesbericht).

Italien. Mailand (Bologna kapitulirt).

Nachschrift.

* Die süddeutsche Bewegung

Aus Baden will also eine Freischaar nach Frankfurt ziehen zum Schutze der Nationalversammlung falls nämlich bis zu ihrer Ankunft die Versammlung nicht vollständig auf und davon gelaufen ist! Herr Raveaur der jedoch in dieser Beziehung ausdrücklich vom Parlamente desavouirt worden ist hat es den Badenern gesagt, daß die Paulskirche ihres Schutzes bedürfe. Einstweilen wird es jedoch erlaubt seyn, einiges Mißtrauen in dieseBeschützer" zu setzen,j denn es will uns immer noch nicht einleuchten, was die badische Re­bellion mit der Reichsverfassung zu schaffen gehabt, da ja die entflohene Regierung eben so viel, ja noch viel mehr zur An­erkennung und Durchführung der Verfassung that, als die gegenwärtige. Oder verfügt etwa die Reichsverfassung, daß die Soldaten ihre Offiziere fortjagen und ermorden sollen? daß demokratische Vereine das Land regieren und Ministerien ein- und absetzen sollen? daß den Massen daS Recht zusteht, durch schwurgerichtliches Urtheil mit Gefängniß Bestrafte frei zu lassen? Wenn das die Reichsverfassung festsetzt, dann scheint allerdings der badische Aufstand zur Durchführung der Verfassung unternommen worden zu seyn!

Wenn aber etwa Struve'sche Freischaaren eine solche Durchführung der Reichsverfassung auch außerhalb der Grän, zen ihres Landes in's Werk zu setzen trachten sollten, dann dürften sie sich wohl eines ähnlichen Empfanges gewärtigen, wie ihre Genossen, als sie dieser Tage gen Landau zogen.

Denn die Heuchelei, mit der man jetzt dieDurchführung der Reichsverfassung" zur Maske alles Unfuges macht, muß entlarvt werden. So will man dem Volke etwa weiß machen, gegen die mit Schmach bedeckten badischen Soldaten dürfe nicht einmal ein ObservationSkorpS aufgestellt werden, weil diese Soldaten auf die Reichsverfassung geschworen haben!' Als ob dieser Schwur jeden andern Frevel zudcckte und tilgt?! Am Ende sperrt man auch die Diebe nicht mehr ein, wenn sie die Reichsverfassung beschwören.

Der konstitutionellen Partei, die in der letzten Zeit die passive Bundesgenossin der Wühler gewesen, sind jetzt die

Schuppen von den Augen gefallen, sie sieht ein, daß sie sich hat düpiren lassen, ganz ebenso, wie ihre Parteiführer in der Paulskirchc, die jetzt keine andere Rettung mehr aus der Falle sehen,- in die sie leichtsinnig genug gegangen sind, als, indem sie ihr Mandat niederlegen.

Wir aber wollen unser Mandat nicht niederlegen. Es ist Zeit, daß die konstitutionelle Partei wieder aktiv hervortrete.

Während der deutsche Süvwesten fieberhaft aufgeregt ist, und aller kaum erst aufblühender Wohlstand wieder geknickt wird, erfreut sich Norddeutschland der Ruhe und des Friedens, und das preußische Ministerium strickt fleißig an dem großen Netze, mit welchem cs bald den revolutionslustigen deutschen Süden wird gefangen haben. Unterdessen fahren die Demo­kraten fort, in ihrer bodenlosen Verblendung dem Feind in die Hände zu arbeiten. Auch in Nassau beabsichtigt man jetzt so hören wir, wir lasten uns aber gerne widerlegen eine zweite Auflage der badischen Ereignisse zu veranstalten. Man will nämlich auch hier, wie dort, durch die Klubbs regieren, durch die KlubbS das Ministerium stürzen. Die sämmtlichen demo­kratischen Vereine werden dem Ministerium ihr Mißtrauens­votum senden. Was weiter erfolgt, wird sich zeigen. Wir möchten nur den mißtrauischen Herren das Eine zu bedenken geben, daß sie noch einen Schritt weiter gehen möchten in ihrem Mißtrauen; dann würden sie finken, daß bei dem Ab­treten Hergenhahns nicht ein radikaleres, sondern jedenfalls ein konservativeres Ministerium zu erwarten ist ein Mi­nisterium, welches zur Vereinbarung die Hand bietet.

Die Zeit ist kritisch, ganz besonders kritisch für die Demo­kraten. Sie haben mit dem Könige von Preußen die Rolle gewechselt. Vor wenigen Wochen noch war-er es, der va banque spielte; jetzt sind eS die Demokraten. Sie hätten sicher gehen können, wenn sie mit den Konstitutionellen gegangen wären. Jetzt ist aber die Volkserhebung zu einer Parteierhe­bung, zu einer, in einen Winkel Deutschlands zurückgedrängten Parteierhebung geworden, und unterdessen arbeiten die Ver­blendeten fort, uns ja recht rasch ihren Feinden in die Arme zu führen.

Deutschland.

3 Aus dem Lahnthale, 21. Mai. Gestern verbreitete sich in meinem Wohnort die Nachricht, daß in der Stadt Ha­damar ein großes Pulvermagazin errichtet worden sey, worin das nöthige Pulver von den sich etwa in unsrer Gegend sam­melnden Freischärlern, besonders denjenigen Nassauern, welche die preußischen Soldaten bekriegen und ihnen den Durchzug durch unser Land gewaltsam verwehren wollten, zu fassen sey. Die Neugièr trieb mich auch nach Hadamar; ich sah daS famöse Pulvermagazin, ein großes im Freien aufgestelltes Faß, woran in markirlen Buchstaben ein Plakat folgenden Inhalts befestigt war:

Pulvermagazin."

Das Tabakrauchen ist hier bei schwerer Strafe verboten." Neugierige Landleute in Menge besahen sich dieses Maga­zin, nahmen furchtsam die Pfeife aus dem Munde, wenn sie