aus gebunden, an ihrer Uneinigkeit wenigstens oder ihrem Widerstande die Einheit Deutschlands nicht mehr scheitern kann.
Es gilt jetzt wiederum, den günstigen Zeitpunkt nicht zu versäumen, und Dasjenige zu ergreifen, dessen auch nur unvollständige Gewährung uns Alle noch vor fünfzehn Monaten dankbar und glücklich gemacht haben würde. Die lebendige Einheit des Vaterlandes muß jede in P a t r i o t e n h ö h e r st e h e n, als die todte p a p i e r n e; und Diejenigen, die selbst den Weg deS blutigen Aufruhrs nicht scheuen, um diese Einheit herbeizuführen, wie könnten sic einen Weg verwerfen, auf welchem immerhin die Nation die endgültige Entscheidung nach freiem Willen spricht!
Berlin, 16. Mai 1849. Bassermann.
Deutschland.
Darmstadt, 18. Mai. Eine außerordentliche Beilage zur hiesigen Zeitung enthält folgendes Bulletin. „DaS nach der badischen Gränze vorgeschobene, vorläufig unter dem Befehle des Kriegsministers Grafen Lehrbach stehende Truppenkorps besteht aus den großh. Yess. Jnfanterieregimentcrn Nr. 2, 3 und 4, einem von Frankfurt abgesandten k. würtemb. kombinirten Infanterieregiment, sodann 4 Schwadronen Reiterei und 5 Geschützen. Die nächste Aufgabe des Kommandirenden war, den großh. bad. Kriegsminister, General Hoffmann, welcher mit 16 Geschützen hart bedrängt in der Gegend von Ladenburg stehen sollte, wo möglich zu befreien. Graf Lehrbach brach daher am 17., Morgens um 3 Uhr, mit dem Hess. 2. Jnf.- Reg., 1 Schwadron und 3 Geschützen von-Heppenheim zu einer Rckognoszirung gegen Ladenburg auf und traf nach 8 Uhr in Virnheim ein, wo das dahin beorderte 3. hessische Infanterie- Regiment bereits von Worms eingetroffen war. Alle bis dahin eingezogene Nachrichten ließen indessen fast sicher vorauS- setzen, daß es dem General Hoffmann gelungen war, sich nach dem Gebirge hin zu ziehen, und daß er sich nach Würtemberg Lurchzuschlagen gedenke. Da ein Vordringen auf 6 bis 7 Stunden inbüS tNMrgMe baoiuue
Umständen keinerlei Erfolg versprechen konnte, so mußte sich der Kommandirende auf seine zweite Aufgabe, nämlich die Abhaltung von Zuzügen, beschränken. Zu dem Ende »ertheilte er seine Truppen in die angemessenen Stellungen. Kleine Abtheilungen insurgirter Truppen und Freischaaren entfernten sich schnell bei dem Erscheinen der diesseitigen Truppen. Der Kriegsminister Graf Lehrbach kann nicht genug den trefflichen Geist rühmen, der die ganze, zum Theil junge Mannschaft der ihm untergebenen Truppen beseelt, und den Eifer, mit welchem dieselben die mit den Märschen verbundenen bedeutenden Anstrengungen getragen haben."
Köln, 18. Mai. Aus Iserlohn haben wir die Nachricht, daß am 17., Morgens Va 10 Uhr, der Angriff auf die Stadt vom 24. Jnf.-Reg. und von Detachements des 13. und 17. Regiments begonnen hat. Um 11 Uhr war die Stadt vollständig in den Händen der Truppen und die Bürgerschaft höchst erfreut über die Befreiung vom Terrorismus. Anfangs haben die Truppen sehr milde verfahren und sehr viele Gefangene gemacht; nachdem aber der Oberlieutenant Schrötter des 24. Infanterie-Regiments durch einen Schuß in die Brust gefallen war, haben namentlich seine Leute den Kampf mit außerordentlicher Erbitterung fortgesetzt, und sind viele der Aufständischen gefallen. Die Truppen, sowohl jene des 24. Regiments, als auch die Rheinländer und Westfalen des 17. und 13. Regiments, haben mit großer Ausdauer und mit regem Eifer gekämpft.
Elberfeld, 17. Mai. Unser Aufstand ist wie ein Nebel verschwunden. Die Bürger und Landwehr haben das Rathhaus und alle 'Wachtposten besetzt, und die Zuzüge sind aus der Stadt entfernt. Man arbeitet überall an Beseitigung der Barrikaden. Diese plötzliche Veränderung ist den Berichten der von Berlin zurückgekehrten Deputation der Herren Dr. Pagenstecher, Landgerichts-Präsident Philippi und Simons- Köhler zuzuschreiben. Gestern Abend gegen 6 Uhr langten die Herren hier wieder an und begaben sich in eine Bürgerver- sammlung, die bei dem Chef der Bürgerwehr, Hrn. v. Poppel, stattfand. Sie berichteten daselbst, der König habe die Reichs-
Verfassung, wie sie in der ersten Lesung festgestellt worden sey, angenommen; doch bestehe er auf einer Veränderung des Wahlgesetzes und auf Anerkennung des absoluten Veto und halte die Bedingung fest, daß die anderen Fürsten Deutschlands die modifizirte Reichsverfassung freiwillig annehmen. Diese letzte Bedingung, so versicherten die Herren Deputirten, sey in Erfüllung gegangen, indem die Könige von Sachsen, Hannover und Bayern sich mit Preußen über die Annahme der Rcichsverfassung verständigt haben. Eine Erklärung in diesem Sinne werde in einigen Tagen erfolgen und eine Proklamation deS Königs an sein Volk/ die am andern Tage erscheinen sollte, dieselbe vorbereiten. Die Mittheilungen der Deputation werden durch eine telegraphische Depesche bestätigt.
Trier, 15. Mai. (K. Z.) Die Gestellung und Einkleidung der einbeorderten Kriegs-Reservisten ist hier mit der größten Ordnung und ohne den geringsten Widerspruch erfolgt.
Braunschweig, 16. Mai. (D. Reichs«Ztg.) Einem Gerüchte nach soll gestern Stüve auf seinem Rückwege von dem Berliner Vereinbarungs-Kongresse erzählt haben, daß noch bis zum nächsten Freitag die Verfassung publizirt werden solle. Man werde sich darüber wundern, wie deutsch sie sey. Nur drei Punkte seyen geändert: der Titel Kaiser in Schirmherr, das suspensive Veto in ein absolutes, die geheime Abstimmung in eine öffentliche umgewandelt.
Frankreich.
Paris, 16. Mai. Die bis heute bekannt gewordenen Berichte über die Wahlen zur gesetzgebenden Versammlung stellen eine sehr starke Majorität für die gemäßigte Partei in Aussicht.
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Heidelberg, 17. Mai. (D. I.) Gestern Abend spät, sind die beiden Reichskommissäre Zell und Christ hier durch nach Karlsruhe gereist, um, wie ich hörte, den provisorischen Landesausschuß zur Rückberufung des Großherzogs zu bewegen. Daß sie keinen Erfolg haben werden, ist wohl mehr als wahrscheinlich!
Heilbronn, 17. Mai. Der „Schwäbische Merkur" berichtet: „Wir erfahren, daß die auf würtembergisches Gebiet übergetretenen badischen Truppen von badischen Freischaaren verfolgt und von den Heilbronnern in Schutz genommen wurden. Die Offiziere wurden mit der Eisenbahn nach Ludwigsburg befördert, während die Kanonen den badischen Freischaaren ausgeliefert wurden. Der badische Kriegsminister, General Hoffmann, befindet sich unter den Offizieren in Ludwigsburg. Eine Anzahl der Soldaten kehrte ins Badische zurück. (Nach einem Berichte der Karlsruher Zeitung wurden diese Soldaten zwischen Sinsheim und Heilbronn gefangen genommen.)
Freiburg, 17. Mai, Abends. (O.-P.-A.-Z.) So eben trifft aus Neustadt auf dem Schwarzwald die Nachricht ein, daß General v. Gail ing, Kommandant einer badischenTrup- Penabtheilung, von der Bürgerwehr zu Neustadt gefangen genommen und auf sein Schloß bei Freiburg gebracht wurde, wo er bewacht wird.
Der Gemeinderath der Stadt Lörrach hat mittelst Schreibens an die inzwischen abgetretene und neu konstituirte Regierung des Oberrheinkreises diese benachrichtigt, daß derselbe den Landesausschuß nicht anerkenne, sondern dem „Aufruhr" mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln entgegentreten werde. In Folge dessen geht morgen ein Landeskommissär nach Lörrach ab, um die Beamten abzusetzen und neue zu bestellen.
Straßburg, 17. Mai. Der Großherzog von Baden ist von Lauterburg nach Hagenau gekommen, wo er einstweilen verweilen wird.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.