tiger Weise vollbracht worden, indem man die österreichischen Deputaten dabei habe mitwirken lassen, während durch die staatsrechtlichen Veränderungen im Kaiserstaate ihr Mandal erloschen gewesen sey. Es käme also nunmehr darauf an, die zweite Lesung der Verfassung noch einmal vorzunehmcn, und dabei die Punkte zu beobachten, welche die Kabinete als die wichtigsten bezeichnet haben. Diese sollen dann seyn die Verwandlung der erblichen Kaiserwürde in eine erbliche Reichsstatthal- terwürde, die Bestellung eines Reichsrathes, das Zugeständniß des absoluten Veto und die Umformung des Wahlgesetzes durch Herstellung gewisser Wahlstufen. Möchte die Reichsversammlung darauf nicht eingehen, so würde, und darin sind die Varianten einig, auf Grund eines zu oktroyirenden Wahlgesetzes eine neue Versammlung berufen, unterdessen aber von dem Könige von Preußen die Reichsverweserschaft übernommen werden.
Köln, 13. Mai. BiS jetzt ist noch kein Angriff auf die fest verbarrikadirte Stadt Elberfeld unternommen worden; für Morgen soll man einen Ausfall beabsichtigen. Wahrscheinlich wird man unterliegen, wenn es zu einer offenen Schlacht kommt; vielleicht wartet man von Seiten des Militärs, bis die Elberfelder selbst ermüden und kapituliren. Es würden dadurch viele Menschenleben erhalten, da ein Angriff höchst blutig enden muß. —
Was die Landwehr anbelangt, so ist dieselbe, wie man hört, an manchen Orten schon eingetreten und es nimmt den Anschein, als sey der Parorismus in der Provinz für diesmal schon wieder am Brechen.
Kaiserslautern, 13. Mai. (O.-P.-A.-Z.) Ueber die Bewegung in unserer Rheinpfalz täusche man sich nicht. Sie wird nicht getragen von einer Minorität, von einer Partei des Umsturzes, nein, es ist das ganze Volk, dasselbe pfälzische Volk, welches in den Stürmen des vergangenen Jahres nie den Boden des Gesetzes verließ, weil eS diejenigen freisinnigen Institutionen, welche man im übrigen Deutschland erstrebte, großentheils schon besaß — es ist, ich wiederhole es, daS ganze Volk , welches sich einmütig erhebt, der Reiche wie der Arme, der Beamtenstand wie der deS Militärs, um dem Par- tikulariömus der bayerischen Staatsregierung entgegen zu treten. Und eine solche moralische Macht möchte dann schwerer zu bekämpfen seyn, als ein von einzelnen Fanatikern angezettelter, und bloß von Proletariern ausgeführter Putsch. Der Landesausschuß ist, wie das Volk, einig, an der von der Nationalversammlung beschlossenen Reichsverfassung festzuhalten, und wenn es auch gegründet ist, daß Einzelne die jetzige Bewegung nur als eine Brücke zur Republik betrachten, so würde es, gerade wie in Würtemberg, doch genügen, alle Gemüther zu beruhigen, wenn der König von Bayern sich rasch entschließen könnte, die Reichsverfassung sammt den Grundrechten anznerkcnnen. Leider aber ist hierzu noch keine Hoffnung da.
Düsseldorf, 14. Mai, 10 Uhr Morgens. (K. Z.) So eben kommt ein Bahnzug, welcher 9 Uhr 15 Minuten nach Elberfeld abgegangen, zurück, da die Schienen der Eisenbahn auf der Elberfelder Seite aufgebrochen sind. Auch heißt es allgemein — doch kann diese Nachricht nicht verbürgt werden — die schöne Brücke bei Senborn sey beschädigt worden. Die Kommunikation mit Elberfeld durch die Eisenbahn ist auf jeden Fall unterbrochen. — In Gräfrath sollen bereits über hundert Gewehre wieder zurückgebracht seyn.
Einem Privatbriefe aus Hagen vom 12. Mai entnehmen wir noch Folgendes: Nachdem man gestern einen Tag der Unruhe gehabt hatte, nämlich in der Spannung der Erwartung über neue Nachrichten, erreichte der Spektakel gestern Abend spät den Gipfel. Das Volk hatte nämlich einen dreispännigen Bremerwagen im Auge, auf welchem einige zwanzig Soldaten, die angeblich hieher kamen, um Rekruten abzuholen (sie gehörten zum 34. Jnf.-Reg.), ihre Gewehre liegen hatten. Der Wagen fuhr in den Unterberg bei Bettermann, und die Soldaten folgten, um, wie sie sagten, ihr Gepäck zu holen. Da brach der Instinkt des Volkes los; die Soldaten wurden verjagt, der Wagen untersucht, und man fand 25—30 Fässer Munition für das 2. Bataillon deö 16. Landwehr-Regiments, nach Iserlohn bestimmt. Der Wagen wurde nun gleich gedreht und durch die Stadt in's Eilperfeld geführt; was weiter daraus geworden, weiß ich nicht. — So eben heißt es, bei Balve sey
ebenfalls ein Wagen mit Munition vom Volke genommen, und auf der Enneperstraße ein gleicher mit Shrapnells und Kanonenkugeln. — Was es noch geben mag, weiß der Himmel; das Volk ist wirklich kampfeömuthig und will für einander einstehen. (K. Z.)
Dresden, 11. Mai, Abends. (D. Z.) Aus Chemnitz wurden über Altenburg und eine halbe Stunde hinter Leipzig, wohl um Aufsehen in der Stadt zu vermeiden, nach dem Dresdener Bahnhof der berüchtigte und in der Dresdener Revolution so schrecklich wirksame Russe Bakunin, so wie Heubner, Mitglied der provisorischen Regierung, der Postsekretär Martin, bekannt als fanatischer Freund der Polen, unter Militärbe, deckung hier eingebracht. Auch Todt ist gefangen nach Dresden gekommen; er soll wahnsinnig geworden seyn. Es ist zu beklagen, daß diese Kraft nun wohl dem Vaterland entzogen wird. Von allen Seiten werden Gefangene nach Dresden eS- kortirt.
Die Kirchen, von denen die Sophienkirche zerschossen, die Frauenkirche für Gefangene hergerichtet ist, können vielleicht noch nächsten Sonntag für den Gottesdienst nicht verwendet werden; das Theater ist, wie man sich denken kann, noch auf lange Zeit geschlossen. Dr. Zschinsky der Ministerpräsident ist beim König, Richard von Friesen ist zum Minister des Innern ernannt und bereits in großer Thätigkeit. An eine Reaktion der sächsisch en Regierung ist nicht zu denken; die konstitutionellen Freiheiten werden gewahrt werden, aber für die deutsche Verfassung wird sich Sachsen nun wohl erst mit Preußen erklären.
Dresden, 12. Mai. Nach amtlicher Mittheilung des Ministeriums des Innern sind zur Aufrechthaltung (oder vielmehr Wiederherstellung) der öffentlichen Ruhe und Sicherheit in Sachsen fünf außerordentliche Regierungsbevollmächtigte ernannt. Ueber den Verlust an Todten und Verwundeten beim Dresdener Straßenkampf von Seiten der Truppen veröffentlicht das königl. sächsische Kriegsministerium unterm 11. Mai eine genaue Liste.
Es sind darnach im Ganzen an Getödtetcn geblieben: 31 Mann , nämlich 8 Preußen und 23 Sachen. An Verwundeten 96 Mann — 34 Preußen und 62 Sachsen. Wenn wir damit die unverhältnißmäßig größere Anzahl der gefallenen Aufständischen vergleichen — 320 sind bereits nach der Leipz. Ztg. gezählt — so geht doch daraus hervor, welch' einen erstaunlichen Vortheil das Kriegshandwerk gewährt.
Berlin, 12. Mai. (K. Z.) Die eigentlichen Berathungen des Kongresses sollten erst heute beginnen, da der Kongreß bis jetzt gleichsam mit seiner Konstituirung beschäftigt war. Eine Angabe meines letzten Briefes muß ich dahin deutlicher bezeichnen, daß der Kongreß provisorische Sicherheits-Maßregeln, von denen ich Ihnen sprach, und die etwaige Uebertragung der Zentralgewalt an Preußen in den Kreis seiner Berathungen nicht gezogen hat. Dies sollte für den Moment höchster Noth den Mitglidern des Bundes in direkter Zurücknahme ihrer Vollmacht überlassen werden. Bleibt der Reichsverweser, so wird man den Plan auf sich beruhen lassen. Es ist nun die Aufgabe des Parlaments, den Reichsverweser nicht durch moralischen Zwang zu inRücktritt zu v eranl assen. Stüv e wird von Zeit zu Zeit nach Hannover zurückkehren, aber als Mitglied des Kongresses selbst fortan an den Berathungen Theil nehmen. Beust wird von Dresden erwartet. Pro, kesch von Osten hat bezüglich des Kongresses keine sehr präzisen Instruktionen, und er ist bis jetzt bei den Berathungen mehr gegenwärtig, als er thätig eingreift.
Wien, 11. Mai. Wir entnehmen der „Pesther Zeitung" vom 6. d. nachstehende Daten. Koffuth hat in einem Berichte an die Nationalversammlung, worin er sich, gemäß dem Willen der Nation, Präsident und Gouverneur von Ungarn und allen dazu gehörigen Ländern nennt, folgendes bereits bestätigtes Ministerium ernannt: Inneres und Präsidentschaft, Barthol. Szemere; Auswärtiges, Graf Casimir Batthyany; Finanzen, Dufchek; Kommunikationen, Cfanyi; Kultus, der Cfanader Bischof Michael Horvath; Justiz, Vucovics; Krieg und Handel wird später angezeigt. Nach dem letzten Berichte vom 6. Nachmittags 4 Uhr war Ofen durch 28 Stunden bombardirt und bereits Bresche geschossen worden. Die ungarischen Batterien stehen auf dem Adler-, Schwaben - und Blocksberg. Einzelne Husaren waren bereits in die untere Stadt Ofen eingedrun-