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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^N LLS Sonntag den LS Mai 18LS

Zweite Ausgabe.

u e b e r s i ch t.

Deutschland. Frankfurt (Reichstag). Mannheim (Besetzung der Rheinschanze). Düsseldorf (Die Unruhen und der Belage­rungszustand). Elberfelv (Unruhen). Münster (Der dort abgehaltene Kongreß). München (Bewegung).

Deutschland.

* Frankfurt, 12. Mai. In der heutigen Reichstagssitzung wurde der Antrag des Abg. Backhaus zum Beschlusse erhoben, dahin lautend, daß die gesammte bewaff- nete Macht Deutschlands einschließlich der Bür­ger wehr zur Aufrechthaltung der Verfassung feierlich zu verpflichten seyen.

Ein Antrag Wizards, die sächsischen Minister für das vergossene Blut verantwortlich zu machen, die Preußen zur Räumung Sachsens aufzufordern ic. wurde nicht für dringlich erkannt.

Mannheim, II. Mai. DaS hiesige Journal berichtet: Am gestrigen Abend war Ludwigshafen der Schauplatz eines Ereignisses, welches in der pfälzischen Volkserhebung eine immerhin bemerkenswerthe Aktion genannt werden darf, für uns Mannheimer aber um so bedeutsamer war, als es sich vor unsern Augen ereignete und darum doppelt lebhafte Theil­nahme hervorrief. Bekanntlich befand sich noch eine bayerische Brückenbesatzung in Ludwigshafen, deren Stärke auf 50 Mann angegeben wird. Um nun diesen Posten, der eine für alle Fälle wichtige Position bildet, zur rechten Zeit in Besitz der Landes- vertheidiger der Pfalz zu bringen, erschienen gestern Abend aus den zunächstgelegeiren Orten Rheinhessens, besonders aus Worms, bewaffnete Zuzüge von Bürgerwehren, und trafen zur ange­gebenen Zeit, nachdem sie sich durch die Frankenthaler und die Bürgerwehr der umliegenden pfälzischen Dörfer verstärkt hat­ten, an den sogenannten Hemshöfen, nahe bei Ludwigshafen ein. Sie erschienen in drei Kolonnen, faßten später auf dem Bahnhof selbst und an dem Hafen Posto, formirten daselbst mehrere Angriffskolonnen und rückten plötzlich unter Trommel­schlag in Ludwigshafen ein. Die brave Besatzung, durchgän­gig wenig geneigt, sich auf einen Kampf mit ihren deutschen Brüdern einzulassen, weigerte standhaft jede Vertheidigung; ein Theil derselben zog sich mit dem Offizier auf die Schiff­brücke zurück, wovon ein Joch alsbald von der Mannheimer Seite abgelöst wurde; während ein anderer Theil der Besatzung gleich da blieb und den in Sturmschritt anrückenden Bürgern den Posten, sammt der daselbst seit einigen Tagen aufgestellten Barrikade, ohne Widerstand überließ. Ein tausendstimmiges Hoch kündete dem am diesseitigen Ufer versammelten Mannhei­mer Publikum die glückliche und friedliche Besetzung der Rhein­schanze an, worauf bis zum Einbrüche der Nacht über das offene Brückenjoch hinüber und herüber parlamentirt wurde, wovon uns jedoch keine nähern Nachrichten zugegangen sind. In der Nacht langten von Speyer 2 bayerische Kompagnien

an, die sofort, mit Ausnahme ihrer Offiziere, den Eid auf die deutsche Verfassung ablegten, und nun mit den Bürgern die Besatzung der Rheinschanze bilden. Vom diesseitigen User wer, den heute Morgen zahlreiche bayerische Soldaten, die aus ihrem Urlaub zurückkehren, übergesetzt. Die Sachen in der Pfalz stehen, den heutigen zuverlässigen Nachrichten zufolge, gut."

Düsseldorf, 10. Mai. (O.-P.-A.-Z.) Die Thore unserer Stadt sind militärisch besetzt und es wird Niemand eingelaffen; auch in der Stadt ist es nur in Begleitung eines Soldaten gestattet, von einem Hause zum andern zu gehen. ES scheint, daß die ganze Bewegung verabredet gewesen, um das Militär durch kleine Tumulte hier festzuhalten und dadurch neue Trup­pensendungen nach Elberfeld unmöglich zu machen. Man er­wartet jeden Augenblick, daß die Stadt in Belagerungszustand versetzt werde.

Düsseldorf, IO. Mai, 6 Uhr Abends. Traurig ist die Wanderung durch die Stadt; traurig sind die Folgen des ge­strigen unüberlegten Aufstandes. In mehreren Straßen ist das Pflaster noch immer aufgerissen, obgleich die Barrikaden weg, geräumt sind; die wichtigsten Kreuzwege sind vom Militär bet setzt, so wie auch die öffentlichen Plätze, das Montirungsdepot und die Kasernen.

Die Garnison ist heute durch Zuzug aus der Nachbarschaft bedeutend verstärkt worden; das ganze 16. Regiment soll sich hier befinden, sowie etwa 14 Stück Geschütz. Bei etwa vor- kommcnden Erneuerungen der gestrigen Aufstände würde viel energischer eingeschritten werden können. Die Truppen sind zum Bivouakiren auf den Plätzen bestimmt. In Elberfeld waren sie zu schwach, um sich halten zu können, und haben sich von dort mit vieler Mühe zurückziehen müssen; besonders die Ar­tillerie kam in einer engen Straße, wo sie wenden mußte, in heftiges Feuer, das glücklicher Weise nur Helme und Leder- zeug, nicht aber Mannschaften und Pferde beschädigte. Dage­gen wurde der kommandirende Rittmeister der Uhlanen von einem schweren Steine bedeutend verletzt, so daß er hierhin in's Ho­spital gebracht wurde. Die Infanterie verlor den Hauptmann der 8. Kompagie und 4 Mann. In Solingen ist die Aufre­gung ungemein, an geschäftliches Leben denkt Niemand; Alles zieht mit Waffen jeder Art, die mit Gewalt genommen wer­den, nach Elberfeld. Die wegen Fabrikzerstörung zu Burg vom vorigen Jahre her in Elberfeld in Haft sitzenden Leute wurden befreit und hieraus auch die übrigen Gefangenen frei* gelassen.

Düsseldorf, 11. Mai. (K. Z.) Der Gemeinrerath wurde gestern Nachmittags um 4 Uhr zusammenberufen , um bei der bedrohlichen Lage der Stadt über die geeigneten Schritte, welche zu nehmen wären, zu berathen. Bekannt geworden da­von ist nur, daß die Bürger ersucht werden sollten, um 8 Uhr Abends sich nicht mehr auf der Straße sehen zu lassen, um der Aufrechthaltung der öffentlichen Ordnung nicht hinderlich zu seyn und zugleich sich selbst nicht Gefahren auszusetzen. Während der Sitzung machte General Chlebus dem Gemeinderathe be­kannt, daß (wie ich Ihnen schon gestern Abends schrieb) Be-