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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

â HO* Donnerstag den LV Mai 18âS

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Prânume- rationSpreiS ist in Wiesbaden s fl-, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großher^ogtbums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 2 fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen LerwaltungSgebietes S fl. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen­de rg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

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Uebersicht.

Unterscheidung der Parteien.

Deutschland. Wiesbaden (Landtag). Hadamar (Widersetzlich­keit). Frankfurt (Reichstag. Die äußerste Linke und die Märzvereine).

Aus der Pfalz (Proklamation Eijenstucks). Aus dem nörd­

lichen Schleswig (Baldige Entscheidung erwartet).

Frankreich. Paris (Die Expedition gegen Rom).

Nachschrift.

Unterscheidung der Karteien

In einem Augenblick, wie dem gegenwärtigen, in welchem alle Parteien (mit Ausnahme der Partei der Reaktion selbst) sich gegen den ein gemeinsames Gut bedrohenden Feind ver­schmolzen haben, in'welchem die wahrhaft konservative, welche eine auf dem gesetzlich erkanntewVolkSwillen dauerhaft gegrün­dete Staatsordnung für Deutschland in der konstitutionell mo­narchischen Form erreichen will, nur durch das kurzsichtige Drängen einer Alles niederwerfenden Reaktion dahin gebracht ist, sich mit der republikanisch-demokratischen Partei in Dieselbe Linie zu stellen in diesem Augenblicke hat unsere Partei vor Allem die Aufgabe, die Ruhe in der Bewegung zu bewahren, an Recht und Gesetzlichkeit auch im Kampfe gegen die Gewalt treu festzuhalten. Sie kann sich auch keinen Augenblick die tie­fen Unterschiede verhehlen, welche sie von der augenblicklich mit ihr verbündeten Partei dauernd trennen.

Wir das ist der Unterschied wollen die Reichsver­fassung darum gegen die willkürliche Hand der Gewalt aufrecht erhalten wissen, weil wir in ihr den auf gesetzlichem Wege gesunkene n Abschluß eines für alle Verhältnisse unsicher« und gefährlichen Provisoriums finden, weil wir in der Reichsverfassung die festen Gränz st eine aufgerichtet sehen, innerhalb deren die Bewegung sich fortan zu halten hat.

Diese Gränzen sind so schrankenlos weit, daß Viele, Viele mit Bcsorgniß und innerer Angst der praktischen Wir­kung mancher Gesetzesbestimmungen entgegensetzen, daß Keiner alle Bedenken zurückhalten und eitel nennen kann.

Aber wir wollen die Verfassung, um der festen Grundlage willen, welche sie Allen gleichmäßig bietet und wodurch sie Alle beschränkt, wir wollen sie, weil wir durch dieselbe den recht- und ordnungsmäßigen Weg zu weiteren Verbesserungen vor, bereitet und dagegen in dem entgegengesetzten Wege, der Oktroyi- rung, den Anfang unabsehlicher Erschütterungen erblicken. Wir nehmen die Verfassung mit dem Vertrauen auf die gesunde Natur des deutschen Volkes, denn wir vertrauen, baß gerade dieser konservative Kern im Volk durch die Annahme eines Alle bindenden Grundgesetzes mächtig gestärkt und befähigt werde, auch sehr weite und lare Formen im erhallenden Geiste anzuwenden.

Die demokratisch-republikanische Partei aber will die Reichsverfassung nur um ihres lockern, schranken-

j losen Charakters willen und weil sie darin den Aus­gangspunkt einer wci tergreifenden Bewegung findet. Dazu kommt, daß die ganze Partei des Umsturzes, mit ihrem inländischen und ausländischen Troß sich an die gegenwärtige Bewegung, wie an jede andere, sie mag kommen, woher sie will, und gehen, wohin sie will, ohne lange zu wählen, an­klammert.

Ihr ist Verfassung und Parlament, deutsche Einheit und Gesetz so gleichgültig, wie alle Stichwörter, die sie im Munde führt, sie will nur das Wasser getrübt wissen, um darin fischen zu können, und jede Unruhe, jede Unzu- friedenheit, jede Revolution ist ihr recht, am liebsten aber eine tüchtige Reaktion, wie die gegenwärtige, weil diese ihr das Spiel am bequemsten macht.

Darum haben wir die ernsteste Pflicht, auf den Weg zu achten, den wir beschreiten, um auch in dem Sturm und Drang der Bewegung, ohne die nichts zu erreichen ist, unsere feste, eigene Richtung nicht zu verlieren. Diese Richtung fordert von uns, von dem gesetzlichen Wege keinen Schritt zu weichen, jo lange er uns nicht burch offene Gewalt ver, sperrt ist.

Ein Blick in die jüngsten Ereignisse zeigt, wie haarscharf die Dinge beisammen liegen, die gewissenhaft getrennt werden sollten. Neigt unsere Sympathie freudig zu den Erhebungen in Sachsen und in der Pfalz, insoweit sie der deutschen Sache gelten, so fühlt sie sich gleicherweise durch das zurückgeschreckt, was darin die Urjprungszeichen der verführenden, extremsten Partei trägt: dort die provisorische Regierung und Diktatur eines Tzschirner, hier Drohung der Kassenwegnahme und Steuerverweigerung.

Liegt auch im deutschen Volke der Sinn für Gesetzlichkeit und der richtige Instinkt des Rechts, so vergesse man doch nicht, daß die Massen leicht beweglich sind, daß die Aufgabe Aller, die auf das Volk einwirken, mit strenger Redlichkeit und Ge­wissenhaftigkeit vollbracht werde, und daß die Bewegung mit festem Geist und Arme geleitet und gehalten werden muß, da­mit sie nicht zügellos dem Abgrunde zueile. Dieser Grundsatz soll uns keinen Augenblick verlassen. Alle Parteien wirken jetzt auf dasselbe Ziel hin: denn der Widerstand gegen das, was Alle nicht wollen, hält sie momentan zusammen und muß sie zusammenhalten, wenn nicht dem Feind der Sieg bleiben soll. Aber was wir wollen, trennt uns eben so weit von den Hel­den des Umsturzes, als von den Rittern der Reaktion. In diesem Bewußtseyn haben wir unsern Weg unwandelbar zu wählen, in diesem Bewußtseyn liegt unsere Stärke.

(Darmst. Ztg.)

Deutschland.

* Wiesbaden, 8. Mai. (Landtag. Fortsetzung.) Die Tagesordnung führt zur Berathung über den Gesetzentwurf, die Errichtung der Volkswehr im Herzogthum Nassau be­treffend". Berichterstatter Heydenreich. Im Eingänge des Kommissionsberichtes wird die gegenwärtige Lage Deutsch-