Nassauische
Allgemeine Zeitung.
^ L«8
Dienstag den 8. Mai
1849»
Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, Lie Beiblätter einmal täglich. mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Pränume« rationSpreis ist in Wiesbaden S fl., für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 40 fr. — Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen« berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Der Krieg in Schleswig-Holstein.
Deutschland. Frankfurt (Ankunft preußischer Truppen. Ein Reichs- kommiffär nach Rheinbayern). — Rheinbayern (General Dukour). — Köln (Widerlegung). — Hannover (Agitation für die Reichsverfassung). — Berlin (Die Misston Bassermann's. Antwort Coburg's und Deffau's. Neuestes aus Dresden). — Schleswig-Holstein (Reitergefecht). — Wien (Bom ungarischen Kriegsschauplätze. Die russtsche Hülfe). — Triest Die Beschießung von Malghera).
Frankreich. Paris (Tagesbericht).
Ungarn. Ofen (Politische Plane und Anstchten der ungarischen Insurgenten).
Nachschrift.
Der Krieg in Schleswig-Holstein.
Unsere deutschen Truppen erfechten über die Dänen einen Sieg nach dem andern. Glänzend haben sich die Schleswig- Holsteiner selbst beiKolding wieder geschlagen, und diese Waf- fenthat ist nach dem Sieg bei Eckernförde derjenige Triumph, welcher alle anderen, bis jetzt erfochtenen überstrahlt. Sie ist um so höher anzuschlagen, als die Schleswig-Holsteiner Gelegenheit fanden, sich allein mit dem Feinde zu messen und die Uebermacht zurückzuwerfen.
Schmachvoll aber würde es seyn, wenn die Früchte dieses Sieges nicht weiter verfolgt, sondern unbenutzt gelassen werden sollten, wenn man mit deutscher Kraft ein frevelndes Spiel treiben und Jütland verschonen wollte. Die deutsche Zentralgewalt ist zwar fest entschlossen, diesmal mit Energie vorzuschreiten, allein was sagt das preußische Kabinet dazu? — v. Prittwitz verzögert den Einmarsch der Truppen nach Jütland*). Ob aus Taktik und Vorsicht, um mit Sicherheit die ferneren Operationen zu leiten, oder ob mit Vorsatz, auf geheimen preußischen Kabinctsbefehl? Fern vom Kriegsschau- platze läßt sich hierüber nicht mit Bestimmtheit urtheilen. Wir müssen zwar wünschen, daß nur strategische Gründe die bestimmenden seyen bei einer solchen Zögerung.
Dabei stoßen aber auch demjenigen, welcher dem Kriegsschauplätze fern steht, einige bescheidene Zweifel auf, wenn öf, fentliche Blätter melden, daß der deutsche Oberbefehlshaber sein Hauptquartier nach Apenrade verlegt und dem im Reichs- kriegSdienste verwendeten hannover'schcn General den Oberbefehl im Sundewitt überläßt.
Noch mehr muß man aber besorgt werden, wenn man die Politik des preußischen Kabinets in das Auge faßt, welche in der schleswig-Holsteinischen Frage befolgt wird. Es ist kein Geheimniß mehr, daß zwischen den Kabineten von Olmütz und Petersburg ein volles Einverständniß besteht, in welches
*) Nach den neuesten Nachrichten hat General Prittwitz sein Hauptquartier nach Christiansfclde, (nördlich von Haderslebcn, jedoch noch auf schlcswigschcin Gebiet) verlegt und den Reichstrnppen Befehl zum Einrücken nach Jütland gegeben.
das Ministerium Brandenburg-Manteuffel eingeweiht ist und womit eS vollständig harmonirt. Sonst hätte Preußen zu der österreichischen Note nicht geschwiegen. Das Ministerium in Berlin übernimmt es aber, sich in österreichisch-russischem Schlepptau fahren zu lassen. Die Politik des Grasen Arnim in der schleswig-holsteinischen Frage geht mit der österreichischrussischen Politik in dieser Sache Hand in Hanv, und mag immerhin Arnim in der preußischen Kammer versichert haben, daß in Petersburg keine Verhandlungen über diese Frage gepflogen würden? sondern nur in London, so weiß man nur zu gut, wie auch in London ein rufftfler Gesandte sich befindet, russischer Einfluß also auch dort eben so gut seine Minen springen lassen kann, als in Petersburg. Denn die Kunst Rußlands, mit welchem es Deutschland im Schach hält, besteht in den überall durch seine Gesandten fein angelegten und tief verhüllten Intriguen.
Leider sind es aber nicht blos geborne Russen, die sich dieser Politik widmen, sondern Deutsche, welche schmachvoll sich ihr verkaufen und sich nicht schämen, ihr Vaterland und seine theuersten Interessen auch an das Ausland zu verrathen, wenn nur sie ihre Rechnung finden und ihre Pläne durchführen. Die Ansichten Oesterreichs über die Sache in Schleswig-Holstein und ebenso die Ansichten Rußlands sind zu bekannt und wir wissen, was wir zu erwarten haben, wenn auf ihrer Basis die Friedensunterhandlungen begonnen und abgeschlossen würden. Dafür hätte eS solchen Aufwandes, solcher Anstrengung, solcher Tapferkeit nicht bedurft, und wir müßten es bedauern, wenn nur dafür so mancher brave Deutsche auf schleswigschem Boden sein edles Blut vergossen hätte. Der Krieg muß dießmal rasch und energisch geführt und der Friede nicht durch Hin- und Herdiplomatisiren herbeigeführt, sondern den Dänen von den Deutschen diktirt werden, ebenso wie ihn Oesterreich, ohne um diplomatische Noten sich zu kümmern, in Turin diktirt.
Wir hoffen und erwarten aber, daß das Reichskriegsministerium seinen eignen Weg geht und sich um die Diplomatenschmiede in Berlin nicht kümmert, sondern gerade in dem jetzigen Augenblicke alle Kraft aufbietet, um Jütland sobald als möglich occupiren und die Insel Alsen säubern zu lassen. Dann ist der Sieg unser, der Feind steht allein, unablässig von frein, dem Einflüsse in unserer Gewalt und die Brüder in Schleswig- Holstein, für die wir die wärmsten Sympathieen im Herzen tragen und die ob ihres Muthes und ihrer Tapferkeit und ihrer begeisterten Vaterlandsliebe wahrlich die Freiheit verdienen, sind von dem dänischen Uebermuthe, der sie lange genug bedrückt und verhöhnt hat, befrein Ein solcher Ausgang wird zugleich nicht wenig dazu beitragen, Deutschland im Auslande Ansehen und Achtung zu verschaffen. Allein er ist nur möglich auf dem Wege der Tapferkeit und der Ehre , nicht auf dem Wege der Diplomatie! (Darmst. I.)
Deutschland.
Frankfurt, 5. Mai. (D. Z.) Wie man hört, ist in der Umgegend ein Bataillon neuer preußischer Reichstruppen eingerückt.