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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

J£ 107* Montag den 7. Mai 18LN

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Der Aufstand in Dresden.

Deutschland. Fra nkfnrt (Die heilige Allianz. Reichstag. DasSt'iel in Homburg). V om Rhei ii (Die Gemeinderäthe). Freiburg Der Prozeß gegen Bornstedt und Fickler). Au s der Pfalz (Die Beschlüsse von Kaiserslautern). München (Mathy). Berlin (Die Aufstellung dreier Truppenkorps). Altona (Baldiger Angriff auf Fridericia). Flensburg (Requisition für die deutschen Truppen in Jütland). Wien (Die Russen).

Frankreich. Paris (Einrücken der Franzosen im Rom).

Der Aufstand in Dresden.

Dresden, 3. Mai. (O.-P.-A.-Z.) Die Dinge werden hier sehr ernst. Nachdem der König ehegestern Abend vor der Deputation des deutschen Vereins geweint, hat er diesen Morgen die der Stadl Freiberg mit Rauheit behandelt. Dies hat sehr böses Blut gemacht. Die Gruppen auf den Straßen werden immer drohender und zahlreicher. Der König hat er< klärt, er werde ganz zu Preußen halten. Diese Ansicht soll er festhalten, seitdem der Flügeladjutant, Prinz Croy, von Berlin an ihn abgesandt worden ist. Weitere Deputationen will er gar nicht empfangen. Man erwartet eine Proklamation, die dies erklärt. Es gehen Gerüchte, die königlichen Wagen stünden gepackt. Prinz Albert sey aus Schleswig behufs einer Abdankung zurückberufen, preußische Truppen stünden bereits in Großenhain; ich bezweifle zur Zeit noch glleS, wie­wohl Gerüchte oft der vorauögehende Schalten der Wahrheit sind. Herr von Karlowitz hat, wie ich Ihnen gestern voraus­sagte, die Bildung eines Ministeriums abgelehnt. Jetzt'ist Dr. Zschinsky (früher 14 Tage Ministerverweser) berufen. Wer ihn kennt, sagt, er thut deßgleichen.

Diesen Morgen war eine Deputation beim König, wie er sie noch nicht gesehen hat, 16 Mann Bürgerwehr, Offiziere und Gemeine, mit Waffen. Sie wurden ebenfalls natürlich abschlâglich beschieden. Darauf wieder Versammlung der Bürgerwehr. Um 1 Uhr soll Appell geschlagen werden. Dieser Moment wird für Dresden entscheiden. Der Zweck soll seyn, die Bürgerwehr zu versammeln, daß sie die Erklärung an den König beschließe: falls das Land durch fremde Truppen be­droht werde, stehe sie mit Blut und Leben für König und Va­terland ein. Demnächst soll sich das Militär über dieselbe Frage erklären.

Die Artillerie hat an der Aufregung des Regiments Prinz Albert Theil genommen, und ein Offizier (Lieutenant v. Zobel) den Soldaten zugeschrieen: sie seyen meineidige Hunde! Die Dresdener Zeitung" erzählt wenigstens letztere Thatsache.

Indem ich dieses schreibe, 12 Uhr Mittags, tagen die Stadtverordneten und werben alle Vereine und die Bürgerwehr aufgefordert, sich untereinander mit den Behörden zu Nieder­setzung eines Vertheidigungsausschusses zu vereinigen; das Vaterland sey, je nach Verträgen mit Preußen, von einer preußischen Intervention bedroht.

2 Uhr. So eben wird die Bürgerwehr durch Appell zu­sammenberufen. Aus der Altstädter Reiterkaserne rückt die Reiterei aus.

Dresden, 3. Mai, Abends 6 Uhr. Der Aufstand ist bereits in vollem Maße losgebrochen. Um 1 Uhr begaben sich neue Deputationen des Stadlraths und der Stadtverord­neten zum Könige. Der König weigerte sich. Auch Der Ober­kommandant der Bürgerwehr des Landes that vergebens Schritte. Die Demonstration der letzteren unterblieb, weil der Kommandant, Kaufmann Lenz, im Augenblicke der Gefahr abdankte. Die meisten Befehlshaber der Bataillons, v. Bran­denstein, Leihbibliothekar Richter u. A. folgten diesem Beispiele. Dennoch versammelte man sich. Um_2 Uhr kam ein Volks­haufe mit deutschen Fahnen, und griff, trotz der Abmahnun­gen der Bürgerwehr, das,Zeughaus an, welches nur von einer Kompagnie Linie besetzt ist. Die Bürgerwehr konnte nicht cinschreiten, da sie ohne alle Munition ist.

Die Menge erbrach das äußere Thor des Zeughauses und drang in den Hof. Jetzt schoß das Militär, und es fielen fünf Todte. Ein Bataillon Bürgerwehr marschirte nach dem Zeug­hause, dem Militär zu Hilfe. So wie es sich davor aufstellte, gab dieses Feuer und das erste Glied sank. Wie viele Todte und Verwundete, ist noch ungewiß. Dies steigerte die Erbit­terung. In diesem Augenblicke wird immerfort Generalmarsch geschlagen und von den Thürmen Sturm geläutet. Reitende Boten fliegen auf die Dörfer, um das Landvolk zu Hilfe zu holen. Die Kavallerie hat aufgeseffen und ist zum Schlosse gezogen. Die Infanterie im Schlosse will, wie ich soeben höre, die Bürgerwehr angreifen, weil der König flüchten will. Um 2 Uhr machte er schon einen Versuch dazu, die Pferde wurden ihm aber ausgespannt, in den Stall zurückgeworfen, die Krip­pen zerstört, der Vorreiter vom Pferde gerissen, das Thor mit umgestürzten Wagen verrammelt.

Ein am Zeughause Gefallener ward auf einen Leiterwagen gelegt, und etwa um 4 Uhr vor den Balkon des Schlosses gefahren. Unter wildem Geschrei warf man da die Fenster ein, klagte den König des Mordes an, entblößte die Wunden. Es ließ sich Niemand am Fenster sehen. Das Militär blieb im Schlosse. Ich war Augenzeuge. '

Eben verbreitet sich das Gerücht, das Zeughaus sey in der That genommen. Auf dem Markt baut man Barrikaden und sperrt die Hauptstraßen ab. Kanonen sind nicht da. Die einzigen fertigen Batterien sind nach Schleswig abgegangen. Man erwartet zum Abend von zwei Seiten Preußen einrücken zu sehen; indessen sollen auf der schlesischen Eisenbahn und auch bei Riesa die Schienen ausgehoben seyn. Die Nacht wird wahrscheinlich sehr blutig werden, und das Alleräußerste liegt nah. Die Reiterei von Freiberg rückt soeben ein. An Infanterie ist nur ein Regiment hier. Die leichte Infanterie wird von Leipzig erwartet. Ich muß schließen, um Ihnen noch vor Abgang der Post diese Nachrichten zukommen zu lassen. Man sagt, Dr. Zschinsky sey wirklich als Minister vereidet.

4. Dia i Morgens. Ein Brief konnte gestern Abend wegen der Barrikaden nicht auf die Post gelangen, die an vie­len Straßen errichtet wurden. Die Nacht sollte Zuzug von Außen kommen. Allein sowohl dieser, als auch fremde Trup-