genannten Ansprache und der ministeriellen Politik abgegeben, und sorgen möglichst für Unterschriften.
Nichtsdestoweniger wiederhole ich meine Ansicht dahin, daß der Kampf kaum hier entschieden werden dürfte, und daß das was bereits in den Provinzen als Volksansicht sich geltend gemacht hat, so überwiegend sich gestaltet, baß es Alt- bayern sammt dem Ministerium sicher nach sich ziehen wird.
Berlin, 30. April. (Konst. Korr.) Der gestrige Abend ist ziemlich ruhig vergangen, dennoch kostete er ein Opfer. Ein Mann insultirte eine Patrouille in der Leipzigerstraße thätlich; er wurde mit Kvlbenstößen niedergeworfen; er erhob sich wieder und fuhr in seinen thätlichen Insulten fort, worauf er alsbald niedergeschossen wurde. Heute scheint jede Aufregung verschwunden.
Wien, 27. April. (Abends — D. Z.) Ich habe Ihnen oft in trüben Zeiten Bericht erstattet, nie that ich es mit schwererem Herzen als heute. Wir haben den Rubikon überschritten: Die Russen kommen nicht erst — sie sind schon da! „Rußland fühlt sich berufen, die europäische Anarchie in Ungarn zu bekämpfen, für jeden Fall, selbst ohne die Zustimmung Oesterreichs" — aber für jetzt kommt Rußland mit dessen Zustimmung und Oesterreich ist es, welches dem Erzfeind das Herz von Europa öffnet! Wenn jetzt die Deutschen nicht rasch einig werden — so sind alle Lehren der Vergangenheit und Gegenwart an ihnen verloren! Die Russen sind in bedeutender Anzahl über Luejos und CuransebeS ins Banat eingerückt. Rittmeister Hammerstein bringt heute diese Nachricht von F.-Z.-M. Puchner. Kosaken und Dragoner bilden den Vortrab. Ein zweites Korps sucht einen Weg nach Siebenbürgen, auch wenn es nicht gelingen sollte, durch den Rothenthurmpaß einzudringen. Ein drit- tes kommt auf der Eisenbahn über Krakau durch Mähren. Morgen soll eine Proklamation des Czaaren hier erscheinen, welche die Motive der Intervention natürlich von russischem Standpunkte aus darlegt, und die Bestimmung aussprechen soll, daß der russische Kaiser die Verpflegungskosten ic. seiner Truppen auf österreichischem Gebiete und für die Dauer des ungarischen'Krieges selbst übernimmt, indem Rußlands Betheiligung an dem ungarischen Kriege nicht sowohl zu Gunsten Oesterreichs, sondern in eigenem Interesse gegen die daran theilnePnenden Polen, gegen die Umsturzpartei von ganz Europa, so wie zur Verhütung von Unruhen in russisch Polen stattfinde.
Wien, 28. April. (A. Z.) Die Insurgenten wollen den Uebergang auf bas rechte Donau-Ufer mit aller Gewalt erzwingen. Den 26. April versuchte Görgey, unter dem Schutze seiner Kanonen, verstärkt durch Geschütze von großem Kaliber aus Comorn, bei Atsch, eine Meile unter der Festung, fünfmal eine Brücke zu schlagen, eben so oft wurde er von dem kaiserlichen Geschütz daran gehindert. Die Festung Comorn wird vom rechten Ufer noch immer beschossen. Preßburg ist , ruhig und von kais. Truppen besetzt, doch hört man, daß eine Jnsurgeutenabiheilung über Neutra, Fretstadel der mährischen Gränze sich nähern wolle. Bei Oebenburg wird ein Lager für 6000 kaiserliche Truppen bereitet, vermuthlich um das Wel- den'schc Corps zu verstärken, welches noch immer um Raab, Gönyö und Atsch sich konzentrirt. Alle Dampfschiffe bei Pesth sind nach Essegg gesendet worden, um unter den Kanonen dieser von kaiserlichen Truppen besetzten Festung den Ausgang des Kampfes abzuwarten. Dieselben sind sammt dem Kriegsdampfboot „Schlik" am 25. April in Effegg ohne allen Schaden angelangt, daher die hier als sicher ausgesprengte Nachricht der Wegnahme des letzter« unbegründet ist. Ebenso bestimmt lauten die Berichte über die gänzliche Räumung des untern rechten Donau - Ufers von den bei Földvar vor geraumer Zeit übergesetzten Insurgenten. Stuhlweißenburg ist ruhig, und Jellachich steht mit seinem Corps schock in Tolna. Vermuthlich wird er bei Essegg über die Donau gehen und, wie ich Ihnen vor acht Tagen schrieb, den Befehl über das österreichisch-serbische Corps übernehmen.
Mit dem Einmarsch der Russen wird es nun ernst. Heute sah man zwei russische Offiziere, begleitet von Neugierigen, durch die Gassen Wiens spazieren. Die Sage, daß russische Truppen in Lundenburg oder gar auf dem Marchfelde mit der Nordeisenbahn angekommen wären, ist falsch. Vielmehr scheint eS, daß sie in diese Gegend nicht kommen, sondern von Teschen -• über Jablunka in das Trentschiner Komitat, dann von Krakau
über Dukla in das Saroscher Komitat einrücken werden. Sie sollen die von den kaiserlichen Truppen unterworfenen Theile besetzen, aber an dem Kampf selbst keinen Antheil nehmen.
Teschen (Oesterr. Schlesien), 26, April. So eben ist ein russisches Hülfskorps hier eingerückt. Es ward, wie allenthalben in Schlesien, von der Bevölkerung freundlich empfangen, denn Alles sehnt sich nach friedlichen Zuständen, da unser ganzer Handel nach Ungarn darniederliegt. Aus dem angränzenden Arvaer und Trentschiner Komitat kommen zahlreiche Flüchtlinge nach Schlesien, und diese wie andere Nachrichten geben uns die Gewißheit von der dort durch die Magyaren eingeführten Gewaltherrschaft. Man schätzt das in Schlesien eingerückte russische Hülfskorps auf 25,000 Mann. Die Bewohner Schlesiens wie auch die von Mähren sind der Regierung treu ergeben, und die Ordnung wurde, ungeachtet fast alles Militär nach Ungarn marschirt ist, keinen Augenblick gestört. (A. Z.)
Niederlande.
Haag, 27. April. (D. Z.) Wie verlautet, ist zwar das Limburger Kontingent (auch ein Theil des Luxemburger) vom deutschen Reichsministerium wirklich aufgeboten worden, um nach Schleswig-Holstein zu marschiren; allein die niederländische Regierung hat dagegen remonstrirt und in Folge dessen ist das Kontingent nicht abgezogen.
Frankreich.
□ Paris, 30. April. Aus Gaëta sollen Depeschen eingelaufen seyn, welche der Pabstinlervention leicht eine ganz andere Wendung geben könnten. Das Ultimatum des Elyses sey von der Umgebung des Pabstes verworfen worden, weil sie dem römischen Rebellenvolke auch nicht das geringste Zuge- ständniß machen wolle. Die Verlegenheit ist ziemlich allgemein.
— Die Reform kündet die Gründung eines Italienischen Komite's mehrerer Moutagnards, mit Le d ru-R o lli n, Lam enais, Sch ölch er und Pyat an der Spitze, an.
— Miroöl awski ist aus Palermo zurück!
Italien.
Parma, 24. April. (A. Z.) Heute bewegte sich die erste Kolonne des unter Feldzeugmeister -Baron d'Aspre hier stehenden zweiten Armeekorps auf der Straße nach Massa; die andern Kolonnen folgen morgen und übermorgen ebendahin. Obwohl bis jetzt über den Zweck dieser Operation noch das größte Stillschweigen herrscht, so läßt sich der Richtung nach doch vermuthen, daß das Ziel dieser Bewegung Livorno und Florenz seyn dürfte. DaS hier abmarschirende zweite Korps wird durch die Brigade Pfannzeltern ersetzt. F. M. L. Baron Stürmer soll Zivil- und Militärgouverneur hier werden. In Bälde hoffe ich über diese Expedition nähere Nachrichten geben zu können.
Aus Mittheilungen von Mestre hören wir, daß heute die Beschießung Malghera's beginnen soll. Die Venezianer Blätter sprechen in enthusiastischen Pbrasen von ihrer Vertheidigung bis auf den letzten Mann; wer jedoch die Tapferkeit der Lombarden gesehen und dann noch glaubt, daß der Venezianer (gegen den jeder Lombarde ein Held ist), wenn eö wirklich zum Kampfe kommt, kräftigen Widerstand leistet, der wird sich durch so schöne Worte nicht lange irreleiten lassen und etwa glauben, Venedig werde ein zweites Saragossa werden. Freilich konnten sie bis jetzt, in ihren unzugänglichen Gewässern, beschützt von einer nicht unbedeutenden Flotte, ruhig und sicher sitzen und von ihren Heldenthaten sprechen; doch jetzt heißt es Beweise liefern.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Richl.