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DieN. M. Ztg." behauptet aus sicherer Quelle, die köniqlich preußische Regierung habe noch am 19.April auf die Reklamationen einiger süddeutschen Regierungen, er­klärt, daß der König weder den Kaisertttel an­nehme, noch die Reichsversassung anerkenne.

Berlin, 28. April. Sicherem Vernehmen nach sind mit dem Hrn. v. Radowitz Unterhandlungen wegen Übernahme der Präsidentur eines neu zu bildenden Ministeriums in vollem Gange, so daß die neu anzuordnenden Maßregeln nicht mehr von dem jetzigen Ministerium erlassen werden würden.

Dem Vernehmen nach sollen die preußischen Deputirten aus Frankfurt zurückberufen werden. (Spen. Z.)

Berlin, 28. April. Ueber die Vorfälle des gestrigen Abends gibt dieDeutsche Reform" folgenden Bericht: Gleich nach Auflösung der zweiten Kammer hatte sich ein Theil der Mitglieder der linken Seite in das Lokal der Konversations­halle begeben, um dort Beschlüsse zu fassen. Viele Mitglieder zeigten sich auf dem Balkon des Hauses, viele unten an der Thüre und erregten dadurch die Aufmerksamkeit des vorüber­gehenden Volks, welches ohnedem durch die Nachricht über die plötzliche Auflösung der Kammer etwas in Aufregung gerathen war. Man erzählt sich sogar, daß ein Abgeordneter dem ver­sammelten Volke laut zugerufen habe:Der Belagerungszu­stand werde unerachtet der Auflösung der Kammer doch in 24 Stunden aufgehoben seyn."

Die hierauf entstandenen Attrouppements wurden zwischen 4 uns 5 Uhr zahlreicher Der Polizeirath Winckler machte vergebliche Versuche, dieselben mit der Schutzmannschaft zu zer­streuen. Es gelang ihm nicht, selbst nicht, indem er mit Schutz­männern zu "Pferde die Massen auseinander zu treiben suchte. Er requirirte hierauf sofort Truppen aus der Kaserne in der Kommandantenstraße, welche jedoch nicht sogleich ausrückten, weil der Kommandeur dazu noch nicht die nöthige Ordre er­halten hatte. Die Zusammenrottungen der Menschen wurden mittlerweile immer ärger, so daß die Einwirkung des Kom­mandanten, General v. Thümen, requirirt werden mußte. Fast zu derselben Zeit waren mehrere Offiziere des Regiments Franz aus der Kaserne in der Kommandantenstraße nach dem Dön- Hofsplatz gegangen, um sich dort über die Lage der Dinge zu unterrichten. Dieselben würben vom Volk insultirt. Einer von ihnen erhielt mit einer Latte einen Schlag auf den Kopf, dem andern soll der Degen zerbrochen, ein dritter soll Hinge­fallen und in diesem Zustande durch Fußtritte mißhandelt wor­den seyn. Diese Offiziere holten nunmehr Truppen aus der Kaserne der Kommandantenslraße, drangen damit auf das vor­mals Hardenberg'sche Palais aus dem Dönhofsplatz vor, und suchten denselben zu räumen. Bei dieser Gelegenheit fiel ein Schuß aus der Konversationshalle, und nunmehr machten auch die Truppen, nachdem wiederholte Aufforderungen, auseinander zu gehen, fruchtlos waren, von der Schußwaffe Gebrauch. Mehrere Opfer sind zu beklagen; bekannt sind bis diesen Au­genblick: vier Todte (drei Männer und eine Frau).

Das Volk theilte sich nun in zwei Massen, der eine Haufe blieb in der Friedrichsstadt , und suchte an der Leip­ziger- und Markgrafenstraßcnecke, so wie in der Krausenstraße Barrikaden zu bauen, welche jedoch von keiner Bedeutung waren, und sogar unter Mitwirkung der dort wohnenden Bürger hinweggeräumt wurden. Die größeren Volksmassen drängten sich über den Spittelmarkt nach der Gertrauvtenstraße und dem Petriplatz. Sowohl in der Gertrauvtenstraße als auch am Petriplatz in der Grünstraste wurden Barrikaden ge­baut, welche inzwischen gegen 10 Uhr von den nachrückenden Truppen ohne Widerstand genommen wurden. Die Barrikade in der Krausenstraße war unbedeutend, weit bedeutender war die Barrikade in der Grünstraße am Petriplatz, welche durch den Bauzaun von der Petrikirche bedeutend verstärkt worden ist. An dieser Barrikade fiel nur ein Schuß und nicht, wie gestern behauptet wurde, ein förmliches Pelotonfeuer. Da­gegen soll auch hier ein Schuß aus dem Publikum auf das Militär gefallen sey. (Verwundet sind bis diesen Augenblick (9Vi Uhr Morgens) aus den verschiedenen Spitälern fünf an- gemelvet worden, welche meist dem Handwerkerstande angehören. Die Stimmung des Volkes ist in der Friedrichsstadt ruhig, in der KönigSstadt dagegen bewegter.

Altona, 25. April. Ueber das Treffen jenseits Kolding laufen .fortwährend interessante und die bekannten Thatsachen ergänzende Nachrichten ein. So sollen die fanatischen Koldin- ger Verwundete auf eine entsetzenerregende Weise verstümmelt haben; von 70 hiervon nach Christiansfelde ins Lazareth ge­brachten Unglücklichen sind kaum vier von ihren nächsten Freun­den und Bekannten wieder erkannt worden. Es klingt dieS etwas unglaublich, aber es ist von der schleswig-holsteinischen Feldpost, die heute Abend hier ankam, und von mehreren zu­verlässigen Leuten, die ebenfalls mit dem Bahnzuge über Rends­burg aus Hadesleben kamen, bewahrheitet worden, was übri­gens dem jütischen Volkscharakrer, der sehr roh ist, wohl zu­zutrauen seyn mag. Ueber die Tapferkeit, mit der die Unsri- gen an diesem Tage gefochten, gibt es nur eine Stimme; zweimal über feindliche Uebermacht aus der Stadt geworfen, haben sie dieselbe zum dritten Male genommen und den Feind geschlagen. Außer den gefangenen 17 dänischen Offizieren und einigen Kompagnien des 13. dänischen Bataillons ist auch noch vie 70 Mann starke Feldwache in westlicher Richtung von Kol­ding von schleswig-holsteinischen Dragonern aufgehoben und nach Hadersleben eingebracht worden. Orla Lehmann sitzt auf Gottorf und genießt der freundlichsten Behandlung; er wollte als Spion der dänischen Armee dienen und gelangte er in die Hände der Unsrigen.

Gestern ist nichts in Jütland vorgefallen. Die Schleswig-Holsteiner haben nördlich von Kolbing bis Veile auf einer Rckognosziruug den Feind zu treffen geglaubt, fan­den jedoch keinen einzigen Dänen. Das Gros der dänischen Armee hat sich nach Friderizia zurückgezogen. Die Reichstrup­pen sind bis an die jütische Grenze vorgeschoben, haben die­selbe aber nicht überschritten. Die schleswig-jütischen Enklaven sind indessen von preußischen Truppen besetzt. Heute sind die Dessauer, 800 Mann stark, hier angekommen, sowie eine preußi­sche Brandraketenbatterie, welche beim Angriff auf Alsen ver, wendet werden soll. Der Truppenzug wird wohl noch dieser Tage beendigt seyn.

Wien, 26. April. Die amtliche Wiener Zeitung meldet ausKrakau, 24. April: Die preußische Regierung soll aus Anlaß der jüngsten Kriegsereignisse in Ungarn die Zusammenziehung eines Observations korps zur Deckung der schlesischen Gränze beabsichtigen; ein Generalstabsoffizier, der heute ankam! hat den Auftrag, dießfalls mit dem hiesigen Militäroberkommandanten, F.-M.-L. von Lcgedicz, ins Einvernehmen zu treten."

Prag, 25. April. (D. Z.) Gestern Abends vor 8 Uhr langte Fürst Windischgrätz mit einem besonderen Zuge hier an, buchstäblich das Bild einer gefallenen Größe! In einen grauen Mantel gehüllt, die Mütze tief in die Stirn gedrückt, durch­schritt er, von mehreren Offizieren begleitet, schweigend die Reihe der Zuschauer, die sich, ungeachtet der Bahnhof geschlos­sen war, eigens daselbst eingefunden hatten. Dem Vernehmen nach beabsichtigt der Fürst nach Belgien überzusiedeln; alle Söhne desselben haben ihre Entlassung aus dem k. k. Militär­dienste genommen.

Galizien.

Lemberg, 18. April. Der General der Kavallerie, Ham­merstein, hat bis heute Lemberg noch nicht verlas­sen, und ein Theil der hiesigen Garnison, das 1. Bataillon Deutschmeister, marschirte erst am 14. d. M. nach Stryi, um ein dort stehendes Bataillon, welches nach Ungarn bestimmt ist, abzulösen.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

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