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Nassauische Allgemeine Zcitnng.

^Z 1O1* Montag den SV April L8LV

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Amtlicher Theil. .

Dienstnachricht.

Nichtamtlicher Theil.

Zeitungsschau.

Deutschlaud. Wiesbaden (Landtag). Kaub (Der Bürgerverein) Fran kfurt (Der Reichsverweser und die Reichsminister. Publikation der Reichsverfaffung. Reichskonimifsäre an die königlichen Höfe. Wider­legung. Bestätigung der Nachrichten aus Berlin). Vom Neckar (Lauter Jubel). Freiburg (Aufruf an die Katholiken). Berlin (Die kleinen Staaten und die preußische Armee. Camphausen u. Arnim. Preußische Hülfe für die Oesterreicher. Kollektivnote der König. Die Stadt in großer Aufregung). Altona (Bülletin über die Schlacht bei Kolding). Bom Kriegsschauplätze). Wien (Die bösen Nachrichten aus Ungarn. Bestätigung. Neues Gefecht). P r a g (Fürst Windischgrätz).

Frankreich. Paris (Tagesbericht).

Italien. Rom (Die Gegenrevolurion).

Polen. Warschau (Zusammenziehung von Truppen. Der Kaiser von Rußland).

Amtlicher Theil.

Dem Landbaumeister Mäurer zu Herborn ist gestattet worden, seinen Wohnsitz nach Dillenburg zu verlegen.

Nichtamtlicher Theil.

delei, ein gänzlicher Bankerot an politischer Einsicht, eine un­glaubliche Gedankenlosigkeit über die nothwendigen und unab­wendbaren Folgen der Ereignisse haben in unzähligen Köpfen die heilloseste Verwirrung über unsere äußere Politik angerich­tet, und die radikale Presse weiß diese politische Unmündigkeit mit Erfolg zu ihren Zwecken auszubeuten. Die Verwirrung ist so gränzenlos, daß Mancher seine Sympathieen an die Ma­gyaren und auch zugleich an unsere armen Sachsen in Sieben­bürgen verschenkt; daß mancher Andere gegen die russische Suprematie im Süvosten eifert, und in demselben Athem auch gegen den Sieg Oesterreichs im ungarischen Kriege; als ob nicht die Sachsen gerade unter magyarischen Schwertern blu­teten, und als ob die Beseitigung der russischen Uebergriffe möglich wäre ohne ein großes, mächtiges Oesterreich! Wenn diese Begriffsverwirrung über unsere Stellung zu dem Aus­lande weiter geht, so könnten wir es einmal erleben, daß un­sere sentimentalen Politiker Sammlungen veranstalteten, um den Finanzen der armen Dänen aufzuhelfen.

Endlich scheinen die gelesensten Wiener Journaledie Presse" undder Lloyd" ihrem Kampf in Bezug auf die deut­sche Frage entsagt , und sich darüber vereinigt zu haben, daß Oesterreich sich mit Süddeutschland, namentlich mit Bayern und Würtcmberg, Preußen mit den übrigen nord- und mittel, deutschen Staaten verbünden beide Bünde aber wieder un­ter sich gegenüber dem Auslande eine Schutz- und Trutz­allianz eingehen sollen. Der Lloyd gibt zu verstehen, als wäre dieß nicht- bloß ein Gedanke der Journale. Warten wir die Entwickelung, ab. DieOstdeutsche Post" ist über den Vor­schlag des kroatischen Landtagsausschusses zu einem ziemlich föderativ gehaltenen südslavischendreieinigen Königreiche" entrüstet.

Zeitungsfchau

Die Kölnische Zeitung schreibt: Es ist gewiß eine seltsame Erscheinung, daß man in Deutschland in weiten Kreisen leiden­schaftlich Partei gegen eine Sache ergreift, für welche im Thal der Theiß und der Donau Ströme deutschen BluteS die Erde düngen. Man denke sich eine Empörung des armen Irland; man denke sich einen Krieg Englands in Indien oder irgendwo auf der Erde, den nur die bloße Eroberungslust diktirte: wo würde der Britte seyn, dem nicht die Schaamröthe in die Wan­gen stiege, wenn ein brittischer Mund der Sache Britanniens das Unterliegen wünschte? Gewiß kein Engländer würde über das Wort zweifelhaft seyn, diesen Wunsch zu charakterisircn. Die Größe und die Macht des Vaterlandes: das ist der ewige Polarstern in dem politischen Jdeengange jedes Britten; wer sie bekämpft, den nennt er Feind; wer dem Feinde den Sieg wünscht, den nennt er Verräther.

Wie weit sind wir Deutsche noch von diesem Selbstbewußt­sein, diesem Mannesstolze entfernt! Eine gefühlvolle Empfin-

Daily News" bemerkte neulich über die gegenwärtige reaktionäre Weltlage:Wir befinden unö jetzt auf dem Wege vollständiger Reaktion und sind eingestandenermaßen zu den Ideen, Grundsätzen und politischen Glaubensartikeln von 1815 zurückgekehrt, Rußland ist wieder nahe daran, seinen alten Einfluß wiederzugewinnen. Oesterreich Hal sich gänzlich in Rußlands Arme geworfen, während eine und dieselbe Hand die Politik beider Länder leitet. Gegenüber einer solchen furcht­baren Verbindung z a u d e r t P r c u ß e n und -z e i g t sich feig. Frankreich thut sein Möglichstes (?), um Widerstand zu leisten, aber mit jedem Tage zeigt cs sich mehr, wie machtlos die Anstrengungen Frankreichs sind. In England sehen wir die Reaktion in eben so deutlichen Umrissen, als selbst in Wien. Lord Aberdeen hat noch einmal das alte Hofkleid seiner Ideen angezogen. Er spricht ganz so stolz, herabwürdigend und ab­solutistisch, wie Nesselrode. Er wendet sich nicht mehr an daS HauS als Kollege Peels, sondern als das Echo von Lord Brougham'S und Lord Stanley'S aufgefrischter Neigung zum Absolutismus." Derselben Zeitung zufolge beabsichtigt die