Volk in all' seinen verschiedenen Kreisen ganz einig, zum ersten Male einig mit den Erklärungen der Stände in unsern Kammern. Es könnte also, sollte sich die Regierung in diesem Punkte obstinant erweisen, auch bei uns harte Nüsse aufzuknacken geben.
Berlin. (D. Z.) Da man über die geringe Kriegslust der jütischen Bevölkerung wohl unterrichtet ist, so will man Dänemark indirekt dadurch zum Frieden zwingen, daß man dieses schönste Mark der Monarchie aussaugt. In dieser Beziehung sollen dem Kopenhagener Kabinet mehrere Noten zu, gegangen seyn, des Inhalts, daß der höchst Kommandirende des Reiches, General von Prittwitz, ermächtigt sey, in Jütland Kontributionen auf Höhe des Werthes der von den dänischen Kriegsschiffen schon genommenen, oder noch zu nehmenden Kauffahrer mit ihren Ladungen einzutreiben, weßhalb er stets über die deßsallsigen Verluste in Kenntniß gehalten werden würde.
Vielleicht in Folge dieser unerfreulichen Note ist, wie unS wenigstens von verläßlicher Hand versichert wird, ein eigenhändiges Schreiben des Königs von Dänemark an den König von Preußen angelangt, worin derselbe neue Friedensvorschläge, und wie es heißt, unter annehmbaren Bedingungen als früher, macht. Das preußische Kabinet will dieselben bei der deutschen Zentralgewalt bevorworten.
Altona, 24. April, Abends, Ueberinstimmenden Aussagen von Reisenden zufolge, deren Bestätigung natürlich abzuwarten ist, wäre Kolding das Opfer seines eigenen Fanatismus geworden! Als am gestrigen Tage unsere braven Krieger dem Feinde entgegenrücklen und sich nach langem, heftigen Kampfe mit großem Verlust an Todten und Verwundeten vor der großen Uebermacht des Feindes in das Innere der Stadt kämpfend zurückziehen mußten, "ba' stürzten ihnen die Einwohner dieser Stadt aus den Fenstern glühende Kohlen, siedendes Wasser und sonstige Flüssigkeiten auf die Köpfe, und von den Dächern wurden schwere Steine auf die Reihen der Unsrigen gewälzt. Schrecklich sollen die Verstümmelungen einzelner Soldaten seyn. Wenn auch Wenige eines pötzlichen Todes starben, so sind doch Viele unter ihnen, an deren Genesung man sehr zweifeln muß. Einzelne sind bereits unter den größten Schmerzen ^verschieden. Die Kranken und Verwundeten erfuhren von Seiten der Koldinger eine unglaublich rohe Behandlung. Man versagte ihnen Alles, auch selbst daö Nothwendigste. In Folge aller dieser Scheußlichkeiten, welche bald zur Kunde des Obergenerals Bonin gelangten, sandte derselbe sofort die nöthige Artillerie nach Kolding mit dem Befehle, die Stadt in Grund und Boden zu schießen.
Die Beschießung begann gestern Nachmittag um 3 Uhr,! nachdem unsere Truppen sich aus dem südlichen Theile der I Stadt nach Wonstld zurückgezogen und sämmtliche Kranke und Verwundete in Sicherheit gebracht hatten. Es währte nicht lange, und die ganze Stadt stand in hellen Flammen, welche noch aus derselben emporschlugcn, als die letzte Feldpost von Wonsilv, dem Hauptquartiere Bonin's (gestern Abend 11 Uhr), abging. Unser Verlust soll , wie sich denken läßt, sehr bedeutend seyn, doch nicht minder der der Dänen. Nach einigen Berichten soll das 13te dänische Bataillon, aus lauter Schleswigern bestehend, nachdem es eine Salve auf 50 Schritte gegeben, trotz aller Bestrebungen seiner Offiziere, die Waffen ge, streckt haben und 17 der Letzteren gefangen seyn. Auch heißt es, eine Schwadron blauer Husaren sey gänzlich aufgerieben. —
Mit diesen Nachrichten trifft auch daS Gerücht ein, daß Orla-Lehmann gefangen genommen und nach Schleswig geschafft ist.
Näheres läßt sich noch nicht angeben. Im Norden war das Gerücht verbreitet, daß der Oberbefehlshaber der Reichs armee, der preußische General v. Prittwitz, seine Entlassung als Oberbefehlshaber eingereicht habe, da er sich in einer kritischen Lage befinde, indem die Zentralgewalt entschieden daS Einrücken in Jütland verlange, der König von Preußen aber solches inhibiren wolle. Man sagt zugleich, daß der Herzog von Nassau oder der Herzog von Sachsen-Koburg- Gotha an Prittwitz'S Stelle treten würde.
Flensburg, 22. April. (A. M.) Die nach Kopenhagen gesandte Deputation scheint abschlägig bcschieden zu seyn, und eS war gestern in den Düppeler Schanzen die Nachricht ver, breitet gewesen, es sey in Sonderburg ein Aufstand auSge- brochen. An gar vielen Stellen in Sonderburg sieht man von den Sundewitter Höhen aus die weiße Flagge auf den Häu
sern wehen; man weiß nicht, ob sie in der That so viele Laza« retht haben, oder ob man dadurch die Schonung der Stadt vor den feindlichen Geschützen indirekt erzwingen will.
An Todten sind heute Nachmittag wieder 10 beerdigt, dar, unter 1 noch von den ersten Gefechten her, den man jetzt aber erst gefunden hat. Die Zahl der Schwerverwundeten ist bedeutend. Für die Pflege und Erquickung derselben hat sich schon reiche Liebe bethätigt, aber es darf nicht Wunder nehmen, wenn bei der großen Anzahl der Leidenden solche Hilfe noch immer keineswegs überflüssig ist, besonders fehlt es an Bett- und Leinenzeug, Leibwäsche, Hemden u. s. w.
Nachschrift.
Frankfurt, 28. April. (O.-P.-A. Z.) In höhern Kreisen war gestern Abend das Gerücht von einer Auflösung der zweiten Ständekammer in Berlin verbreitet. Authentische Nachrichten oder telegraphische Depeschen sind uns über diesen Gegenstand bis jetzt noch nicht zugegangen.
Hannover, 26. April. Durch eine königliche, vom 25. April datirte und von den Ministern gegengezeichnete Proklamation ist die zweite Kammer der hannover'schen Ständeversammlung für aufgelöst erklärt.
Berlin, 26. April. (O.-P.-A.-Z.) In der zweiten Kammer wurde heute die Debatte über den Walveck'schen Antrag beendigt und angenommen wurde ein Amendement von Unruh: Erster Theil: „die Fortdauer des Belagerungszustandes ohne Zustimmung der Kammer ist ungesetzlich und die Kammer billigt nicht die Fortführung desselben" mit 184 gegen 139 Stimmen. Zweiter Theil: „Das Ministerium ist aufzufordern, den über Berlin verhängten Belagerungszustand sofort aufzuheben" mit 177 gegen 153 Stimmen.
Kolding, 23. April. (O.-P.-A.-Z.) Der heutige Tag wird für ewige Zeiten glänzend in der Geschichte Schleswig- Holsteins dastehen; denn das Heer desselben hat jetzt den Dänen in voller Wahrheit gezeigt, daß es willig bereit ist, sein Blut für die Befreiung des Vaterlandes von fremdem Jocht zu verspritzen. Von deS Morgens 8 bis Abends 5 Uhr kämpften die schleswig-holsteinischen Bataillone gegen ein Korps von 16,000 Mann Dänen, die unterstützt wurden von zahlreichen Batterien und drei kleinen Kriegsschiffen, mit dem Muthe deS Helden, der Ruhe des alten Soldaten.
Bisweilen von der Uebèrmacht zurückgedrängt, griffen sie stets von Neuem mit neuem Muthe wieder an, bis endlich der Feind, gänzlich von allen Seiten geschlagen, sich eiligst gegen Fridericia zurückzog, verfolgt theilweise von unsern Dragonern. Furchtbar hat das ruhige besonnene Feuer der Unsern in den feindlichen Reihen gewüthet, und das dänische Husarenregiment, was sehr den wohlgezielten Schüssen des 2. schleswig- holsteinischen Jägerkorps preisgegeben ward, ist stark gelichtet, und viele Pferde desselben sind den Unsern als Beute zugefallen. Auch sonst haben wir viele Gefangene gemacht, wie auch viele Soldaten des 13. dänischen Bataillons, größtentheilö aus Nordschleswigern bestehend, zu uns übergegangen sind.
Leider ist auch unser Perlust nicht gering, denn so weit er sich bis jetzt noch ermitteln läßt, beträgt er an Todten und schwer Verwundeten einige hundert Mann. Die Dänen haben aber viel mehr verloren, überall liegt es voll von todten dänischen Soldaten
Kolding selbst, dessen Einwohner zum Theil den Dänen beistanden und aus den Fenstern auf unsere Soldaten schossen, ist theilweise angezündet worden.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Frachtpreise.
Namen der Städte.
Datum der
Pr eise.
Waizen pr. Malter
'WlfLlfr.
Korn pr. Malter Ptdl fl. lkr.
Gerste pr. Malter
Hafer pr. Malter
WtlfMfr.
Pfd
fl.lkr.
Bingen ....
25. April
260
8
42
266
5
51
147
4
20
129
3
15
Die;.....
20. April
310
14
28
290
9
—
260
7
—
—
4
30
Dillenburg . . .
21. April
300
14
40
300
10
—
260
8
—
190
5
30
Friedberg . . .
30. März
215
8
55
196
5
54
75
4
42
136
3
20
Hadamar....
21. Jan.
14
30
8
50
7
—
4
15
Herborn ....
14. April
320
15
—
360
10
10
260
7
200
0
Mainz.....
23. März
200
9
8
200
6
3
200
0
13
200
6
6
Wiesbaden . . .
26. April
170
8
10
160
5
—
144
4
40
96
2
50