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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

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Freitag den 27. April

1849»

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Prânume- ratiouspreis in Wiesbaden 2 ft, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 2 ft 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn-und TariSschen Verwaltungsgebietes 2 ft 40 fr, Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen« berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Die gesetzliche Agitation in Würtemberg.

Deutschland. Wiesbaden (Der deutsche Verein, Publikation mehrer«

Gesetze). Frankfurt (Reichstag. Berichtigung). Wien (Der

Kriegsschauplatz an den Fluß Gran verlegt).

Ungarn, Pesth (Die Insurgenten).

Frankreich. Paris (Tagesbericht).

Italien. Florenz (Neues Ministerium). Die livornestschen Republi­kaner. Pale rm o (Die Kämpfe um den Besitz von Catania).

Sprechsaal für Stadt und Land.

* Die gesetzliche Agitation in Würtemberg.

Der König hat also doch nachgegeben. Die drängende Nothwendigkeit ließ keinen andern Ausgang erwarten.

Diese Krisis ist von unberechenbarer Bedeutung. Sie zeigte uns ein Bild, welches wir bisher in so bestimmten Zü­gen noch nicht gesehen: einen revolutionirenden König gegenüber seinem auf dem Boden des Gesetzes treu ausharrenden Volke!

Wird man jetzt in Dresden, München, Hannover, Berlin daran glauben, daß alle Parteien, daß das Volk einmüthig ist, die Reichsverfassung durchzusetzen und ausrecht zu erhalten? Wo eine geschichtliche Thatsache so laut spricht, da sollte man wohl meinen, daß die Wahrheit auch bis zum Ohre der Könige durchdringen müßte.

Das Volk ist konservativ geworden, das Volk ist des Re- volutionirens müde, cs betrachtet die Reichsverfassung, welche die Revolution abschließt, als den Rettungsanker seiner Wohl­fahrt. Wäre es nicht frevelhaft, immer auf's Neue wieder die Revolution Hervorrufen zu wollen!

Wie die Parteien in der Nationalversammlung, so haben auch die Parteien im Volke stillschweigend einen Pakt geschlos­sen. Wir stehen mit den bisherigen Gegnern ein für die Ver­fassung, ob wir gleich Manches anders in derselben gewünscht hätten, und sie fechten mit uns für das Kaiserthum, ob es ihnen gleich auch nicht in allen Stücken bequem ist. Es ist aber diese Allianz keine künstlich gemachte, sie hat sich vielmehr von selbst ergeben, sie entsprang aus dem Bedürfnisse, endlich einmal wieder unter den Schutz eines allgemeinen Gesetzes zu treten.

Wir sind jetzt wochenlang umhergegangen und haben ein kaiserliches Gesicht gemacht, und nun will man uns immer noch mit einigem diplomatischen Zaubcrgemurmel den Kaiser hinweg eskamotiren? Das wäre ein gemeinsamer Hohn für Alle.

In den Freiheitskämpfen des vorigen Jahres zersplitterte sich das deutsche Volk. Denn der Begriff der Freiheit ist ein gar vieldeutiger, und waS dem Einen Freiheit dünkt, däucht dem Andern Knechtschaft. Viele fürchteten Zügellosigkeit und Uebergriffe, Viele hatten zu verlieren und der materielle Ver­lust war in der That allgemein.

Bei der Einheitsfrage wird Niemand verlieren, Hande und Industrie kann vielmehr durch ihre vollständige Lösung wieder zur Blüthe kommen. Niemand wird in seinem Rechte gekränkt werden, nicht einmal die Könige. Oder'ist ihnen nicht in dem neuen deutschen Reich eine viel ehrenvollere Selbst­ständigkeit geboten, als sie jemals unter Metternich's Macht­sprüchen besassen? Höchstens sind es die kleineren Fürsten, welche, nach dem Wegfall des Reichsrathes, eine Einbuße ihrer individuellen Machtvollkommenheit zu gewärtigen haben. Und doch waren es gerade diese, welche am ersten -ustimmten zu der neuen Reichsverfassung.

So geschah es denn auch, daß der Drang nach Vollen­dung ter Einheit im Sinne der endgültigen Reichstagsbe- schlüste mit wahrhaft wunderbarer Schnelligkeit im deutschen Volke um sich griff, ob man sich gleich dessen vor einigen Wo­chen noch nicht hätte versehen können. Ja es scheint, als ob der unpraktische Hader über monarchische oder republikanische Staatsform, der uns durch ein ganzes Jahr des Jammers so viel gebracht, nun endlich vergessen und begraben werden sollte über der Einheitsbewegung.

Die Ereign. ffe in Würtembèrg sind um so bedeutsamer, als das Ministerium, die Kammer und das Volk, wiedas Ziel ein gesetzliches war, so auch in den Mitteln nicht fehlgegriffen haben und über eine gesetzliche Agitation nicht hinausgeqangen sind. Erst wo das Volk in solcher Weise Maß zu halten versteht, erscheint es mündig. Wir hätten darum aus dem Gesammtbild der würtembergischen Agitation die Schnurre des Hanauer Turner-Zuzuges weggewünscht. Denn durch einen solchen jedenfalls sehr verfrühten und unbe­rufenen Schritt wurde ganz derselbe Standpunkt provozirt, den man an dem König bekämpfte, nämlich der revolutionäre gesetzwidrige.

Nach zwei Seiten hin also ist unS ein Ercmpel gegeben: den Leuten in den Königsburgen, daß sie nicht revolutionireu sollen gegen das Gesetz; den Leuten in den Hütten, daß sie nicht revolutioniren sollen für das Gesetz.

Wir wollen hoffen, daß die Mahnung nach beiden Seiten gewirkt hat.

Deutschland.

* Wiesbaden, 26. April. In der gestrigen, sehr zahl­reich besuchten Generalversammlung des Deutschen Vereins wurde eine Adresse an die würtembergische Kammer beschlossen, worin der Dank und die Anerkennung des Vereins für ihr mannhaftes Verhalten ausgesprochen werden soll.

Außerdem wurde eine trefflich gearbeitete Abhandlung des Herrn Schulinspektor Ebenau über die Vorzüge des ZweikammersnstemS verlesen. Dieselbe soll als Zuschrift an das nassauische Volk gedruckt und im Lande verbreitet, auch unserer Kammer von Seiten des Vereins übergeben werden.

6 Wiesbaden, 25. April. Die Nummer 12 des Verord­nungsblattes für Nassau enthält die Publikation des Gesetzes über die Ablösung der Gruudabgaden und Gülten, die nach-