KabinetS zur deutschen Angelegenheit sagt, wird von dem wiederholten und stürmischen Beifalle des Hauses ausgezeichnet: Da spuckt schon wieder in Schleswig-Holstein oder unter den dänischen Diplomaten jener Hr. v. Wildenbruch, der da sagte: Preußen zieht das Schwert nicht für Schleswig-Holstein, sondern für die Rechte des Herzogs aus der Scheide. Derselbe Hr. v. Wildenbruch soll sich schon wieder dort oben herumtreiben (Heiterkeit). Meine Herren, es ist das keine geringe Sache, wenn man sieht, daß das Blut der Söhne Deutschlands nutzlos geopfert wird, um so welke Früchte zu erringen, wie in dem letzten Kriege (rauschender Beifall), wenn man steht, daß unsere deutschen Krieger, welche sich so heldenmüthig geschlagen, die, wie die alte Garde, im heftigsten Kanonen- feuer gestanden haben, wenn man sieht, wie sie geopfert werden sollen für solche nichtsnutzige Rücksichten (wiederholter Beifall auch von der Ministerbank), Rücksichten, wie sie auch in manchen Gesprächen zu Tage gekommen sollen seyn, von denen Gott verhüte, daß sie wahr seyen."
Endlich kommt er auf die Maßregeln, die diese Versammlung zu ergreifen hat. Die Ausschußanträge der Mehrbeit gehen dahin, daß die Versammlung mit ihren Beschlüssen ruhe. Dürfen aber die Führer ruhen, wenn das Heer an allen Punkten vorrücken soll? Der Nation zu sagen, handle du, wir wollen indessen ruhen, das wäre nicht wohlgethan, es wäre eine Täuschung der Nation, die sich schwer an Ihnen rächen würde. Nein, Deutschland erwartet, daß Jeder seine Schuldigkeit thut, und Sie sind zu allererst zu einem entschiedenen Handeln verpflichtet. Wenn sich der Reichsverweser nicht ausdrücklich lossagt von der österreichischen Note, so ist an ein ferneres Zusammenwirken der deutschen Exekutivgewalt mit dieser Versammlung nicht mehr zu denken. Herr Vogt schließt mit der wiederholten Mahnung zur That und unter dem anhaltenden und allgemeinen Beifalle des HaufeS.
(Schluß folgt.)
Stuttgart, 23. April, Abends 8 Uhr. (O.-P.-A.-Z ) Die Abendsitzung der Kammer der Abgeordneten konnte vor dem Hinzudrängen der Zuhörer in den Saal, welches laute Scenen des Wortwechsels veranlaßte, lang nicht beginnen. Viele Zustimmungsadressen werden wieder verlesen. Die Nachricht, daß heute Abend der König die sämmtliche Garnison in Ludwigsburg inspiziren werde, wird von den Gruppen der Abgeordneten lebhaft besprochen. Die Sitzung fing AbendS 6 Uhr an. Der Berichterstatter des Fünfzehnerausschusses, Stockmaier, stellte folgenden Antrag:
„Die Kammer der Abgeordneten beschließt: in Erwägung, daß unsere Departements Chef schon zu wiederholten Malen seit dem 16. d. M. die dringende Bitte an das Staatsoberhaupt gestellt haben, das Zurechlbestehen der deutschen Reichsverfassung auszusprechen, andernfalls aber gebeten haben, sie von den ihnen anvertrauten Posten zu entheben, in fernerer Erwägung, daß die gegenwärtige Ministerkrists ohne die größte Gefahr für das ganze Land nicht länger andauern kann, die Minister zu ersuchen, in Person sich unverweilt zu Sr. Majestät dem Könige nach Ludwigsburg zu begeben und zu erklären, daß sie ihre Bitte wiederholen, und jedenfalls, wenn im Laufe des morgenden TageS eine königliche Entschließung nicht erfolgt, sie sich als von dem Könige entlassen betrachten müßten."
Dieser Antrag wurde von der überwiegenden Mehrheit angenommen und dem Zusatz Wolfs, den Termin axuf 9 Uhr, dann auf 12 Uhr des morgenden TagS zu bestimmen, keine weitere Folge-gegeben. Ein Antrag von Scherr lautet: „in Betracht, daß nach bekannten Vorgängen in andern Ländern das von der Krone in Betreff der deutschen Reichsverfassung angenommene Verzögcrungssystem daS Schlimmste befürchten läßt, in Betracht, daß das Staatsoberhaupt mit Umgehung seiner verantwortlichen Räthe und der Vertreter des Volkes unmittelbar in einem Aufruf an das Volk appellirt hat, in Betracht, daß die Aufregung im Volke stündlich wächst, beschließt die Kammer der Abgeordneten:
1) In einem Manifest an das Volk die Sachlage unumwunden auseinanderzusetzen; und Volk, Militär- und Zivil, beamte zur Zurückweisung jedes Angriffs gegen die Reichsverfassung aufzufordern; 2) zu erklären, daß die Staalsregierung die Beeidigung sämmtlicher Staatsbürger auf die Reichsver, fassung kinleiten möge; 3) zu erklären, daß die Kammer so lange permanent ist, bis die Krisis vorüber ist; 4) auSzu- sprechen, daß sich die Vertreter deS Volkes nöthigenfallS unter den Schutz der Bürgerwehr des ganzen Landes stellen. Dieser
Antrag wurde als für heute noch unzeitig von Holzinger u. A. bekämpft und zurückgenommen. Dagegen zog Schoder die Konsequenzen des heutigen Kammerbeschlusses folgendermaßen:
„Von der Krone ist es nur auf eine Verzögerung abgesehen; wenn aber der König die Minister morgen nicht entläßt, so sehen sie sich als entlassen an; dann haben wir keine Regierung. Denn ein König jvhne Minister kommt in einem konstitutionellen Lande nicht in Betracht, und unsere Pflicht ist es dann morgen, zu thun, was das Wohl des Vaterlandes erfordert, und das letzte Mittel zu ergreifen, nämlich: die Einsetzung einer Provisorischen Regierung." Dagegen erfolgte kein Widerspruch. Wir glauben aber auch heute Abend noch an eine friedliche Lösung der allerdings hoch gestiegenen Krisis, und können nicht umhin, die besonnene, feste Haltung aller Stände rühmend anzuerkennen.
Staatsrath Goppelt ist nach Heilbronn abgereist, um einen bewaffneten Zuzug der Heilbronner Bürgerwehr, welcher dort beabsichtigt wurde, zu verhindern, da derselbe, ganz abgesehen von der Gesetzlosigkeit eines solchen Schrittes, die Lage deS Ministeriums eher erschweren, als erleichtern würde.
München, 21. April. Die Agitation für die unbedingte Anerkennung der Reichsverfassung fängt an, in ganz Bayern um sich zu greifen.
Weimar, 22. April. Heute Morgen reiste der Erbgroß- Herzog nach dem nordischen Kriegsschauplätze ab, und wurde von der Bürgerwehr mit klingendem Spiele nach dem Bahnhöfe geleitet.
Dresden, 22. April. In der ersten Kammer hat man gestern beschlossen, wegen Nichtabberufung des Gesandten in Wien ein Mißtrauensvotum an das Ministerium abzugeben. Der Minister des Auswärtigen, v. Beust, wurde, als er sprach, durch Husten und dergleichen Geräusch von der Gallerte auS unterbrochen, und verließ in Folge dessen den Saal. — In der zweiten Kammer beschloß man, den Finanzminister von Ehrenstein eventuell in Anklagestand zu versetzen, weil derselbe einem Kammerbeschlusse entgegengehandelt. Die MinisterkrifiS ist also eingelreten. Wie sie enden wird, weiß man nicht.
Wien, 17. April. (A. Z.) Nach der Mittheilung eines sehr verläßlichen Reisenden ist die Lage der Dinge in Ungarn keineswegs beunruhigend. Die Insurgenten waren zwar bisher numerisch die stärkeren und immer auf der Offensive, aber in den fast täglichen Scharmützeln und Neckereien zogen sie fast immer den kürzeren; wenn wir auch Leute verloren, so steht unser Verlust in keinem Verhältniß zu dem ihrigen, und namentlich die Husaren haben schon sehr gelitten.
Altona, 22. April. (O.-P.-A.-Z.) Die schleswig-holsteinische Feldpost hat heute vom Kriegsschauplätze die authentische Nachricht gebracht, daß die in Jütland vorgestern eingerückte Division Haftrow unmittelbar vor Kolding auf eine starke feindliche Kolonne (4—5 Bataillone und 4 Schwadronen Reiterei) gestoßen, die jedoch nach einem hartnäckigen Kampfe, der sich selbst in den Straßen der Start fortsetzte, geworfen und durch Bajonettenangriff der Feind herausgedrängt wurde. Das 9. schleswig-holsteinische Bataillon soll durch eine, geschickt ausgeführte Bajonnetattaque sich besonders ausgezeichnet haben, ebenso das 3. Jägerkorps. Die Dänen haben hierauf die Flucht ergriffen und sich bis in die Gegend von Veile zurückgezogen, wo ein stärkeres dänisches Detasche- mcnt konzentrirt seyn soll. Der diesseitige Verlust wird auf 20 — 30 Todte und Verwundete angegeben, auch haben die Unsrigen einige Gefangene gemacht.
Wien, 19. April. Vor Pesth lagern mit den Insurgenten zahlreiche Massen des aufgebotenen Landsturmes, welche die kaiserlichen Heerführer über die wirkliche Zahl der Streiter täuschen sollen. Indessen kehrten die Jazygier, müde des Wartens, in ihre Heimath zurück, und die Husaren sollen sehr ungehalten seyn, daß bei allen Angriffen nur sie ihre Haut zu Markt tragen, während die Infanterie den tof. Truppen nicht mit demselben Muthe widerstehe. Auch haben die polnischen Chefs ihr Mißvergnügen überKoßuthsHartnäckigkeit geäußert, mit welcher er von allen Orten zahlreiche Landstürmler mitführt, die alle Bewegungen des Heeres erschweren, und durch ihr massenhaftes Davonlaufen bei den ersten Kanonenkugeln Verwirrung in den geordneten Reihen erzeugen. Man hat bei den jetzigen häufi-