Einzelbild herunterladen
 

Nassauische

Allgemeine Zeitung.

k

M S8

Donnerstag den 26. April

1849»

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume- rationSpreiS ist in Wiesbaden 8 fl., für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 3 fL 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn-und Tarisschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bèi den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Die Königreiche.

Die bevorstehende Generalsynode der evang.-prot. Kirche im Herzogthum Nassau.

Deutschland. Langenschwalbach (Katzenmusik). Westerburg

(Die westerwälder Eisenbahn). Mainz (Garnisonswechsel). Frank­furt (Reichstag). Stuttgart (Fortdauernde Krisis). Mün­ch en (Agitation für die Reichsverfassung). Weimar (Der Erbgroß­herzog nach Schleswig-Holstein). Dresden (Ministerkrisis). Schleswig (Einrückender Reichstruppen in Jütland; siegreiches Ge­fecht). Wien (Die Lage der Dinge in Ungarn).

Ungarn. Pesth (Vom Kriegsschauplätze).

Frankreich. Paris (Tagesbericht).

Die Königreiche.

Vor Jahren schon sagte Weber, der Wanderer durch Deutschland: Würtemberg möge nie vergessen, daß es Kö­nigreich heißt, aber keines ist; was aber von Würtcmberg, gilt auch für Sachsen und Hannover, und am Ende gar auch von Bayern. Hängt etwas am Namen, am regni nomen inane ?

Es gab auch einmal dem Namen nach vier Königreiche: Sodom, Gomorrha, Adama und Zeboim, f. 5 Mos. 29, 23. 1 Mos. 14, 2; sie gereichten nicht durch ihr Leben, sondern durch ihr letztes Schicksal zur Erbauung: sie gingen unter, nahmen ein Ende mir Schrecken. Unsere vier Königreiche sollen nicht untergehen; sie sollen auf­gehen im deutschen Reiche, sollen vier Ecksteine seyn zu seiner Erbauung.

Die bedeutendste jener biblischen Königsstädte, Sodom, welche auf keine vernünftigen Vorstellungen hörte, zog die drei andern in's Verderben nach sich. Aber die Zeiten sind gün­stiger jetzt, denn damals, besser hier als dort. Bayern wird schlimmstenfalls allein seinen Weg bergab gehen.

Die Kirche sagte einst: cogite intrare; wir sagen: will Bayern nicht herein in's deutsche Reich, Jo bleib' es draußen, und konstituire sich in Gottes Namen zu einem eigenenrömisch Arm." Die Leute von Sodom wollten in's Haus herein, aber sie fanden den Weg nicht, weil sie mit Blindheit geschla­gen wurden; die Staatslenker Münchens wollen nicht herein, weil sie mit Blindheit geschlagen sind; aber sie finden ver­muthlich auch keinen Weg, um dauernd draußen zu bleiben. Verzweifle man nicht an Bayern.

Ohnehin hegt und pflegt die dortigen AbsonderungSgelüste mit Andern ein Mann , welcher, solang er in der Schweiz raunte und rasaunte, noch jede Sache, deren er sich annahm, zu Grunde gerichtet hat. Mög' er auch jetzt sich gleich bleiben! Möchte aber auch der verlorene Sohn heimkchren in'S Vater­haus! Dann wollen wir das Mastkalb schlachten, wie Ev. Luc. 15, 23 geschrieben steht, und unS mehr über ihn freuen, als über neunundneunzig Gerechte.

K Die bevorstehende Generalsynode der evang.-prot Kirche im Herzogthum Nassau.

1. Allgemeiner Ueberblick.

Die festliche Osterzeit ist im Laufe des Jahres herbeige­kommen, und mit ihr die Reihe kirchlicher Erquickungstage für die Gemeinden. Zu der freudigen Zuversicht, welche die Wen- dung vaterländischer Geschicke während der letzten Wochen in den Herzen der auf eine bessere Zukunft Deutschlands Hoffen­den hervorgerufen hat *), gesellt sich darum nächst dem bele­benden und verjüngenden Lenzgefühle die Erfahrung reicher Stärke und frievenvoller Erneurung in der GlaubenSaemein- schäft.

Da geziemt es denn auch, den Blick wiederum zu richten arif die in dem vergangnen Jahre angebahnten Fragen und Bestrebungen für eine Umgestaltung der äußeren kirchlichen Ordnung, für eine Herbeiführung größerer und wahrhaftigerer Betherligung der Gemeinden an den Beziehungen ihres kirch­lichen Verbandes selber. Und wenn bei der Unruhe und Un­entschiedenheit des vorigen Jahres, durch die Gâhrung und wilde Aufregung der Gemüther namentlich in den verflossenen HerbsteStageil viel Trübes und Bittres, ja selbst Verderbliches und Zerstörendes für den kirchlichen Frieben der evangelischen Gemeinden unsres Landes ist hervorgetreten: so darf in ähnlicher Weist wie für die großen Verfassungs - Verhältnisse des Bölkerlebens und <vtaatenwesens, dermalen auch für die Betrachtung und Handhabung der kirchlichen Verfassungsfragen eine ruhigere Haltung, eine versöhnlichere Stimmung, eine gerechtere Einsicht erwartet werden. Wenn darum Schreiber dieses unternimmt, in den Spalten deS vorliegenden, mit stei­gendem Danke von der Bevölkerung des Nassauischen Landes werthgeschätzten Blatte auf die bevorstehenden allgemeineren kirchlichen Berathungen, durch Erörterung etlicher wichtiger Gesichtspunkte die Gemüther vorzubereiten: so geschieht es mit dem stillen Wunsche, es möge vielleicht der Eine oder der Andere durch diese und jene Hindeutung zu einer umsichtigeren Erwägung aller hierbei in Frage stehenden wichtigen Angele­genheiten freundlich veranlaßt werden, bevor etwa durch Wie­derkehr erneuerter Aufregung und Verstimmung das Fricdens- ziel einer wahren Presbyterial- und Synobal-Ordnung aber­mals dem Gesichtskreise entschwinden sollte.

Es darf wohl nicht befremden, daß die mannigfaltigsten Hoffnungen und Erwartungen auf den Erfolg der bevorstehen­den Generalsynode mit großer Spannung, ja hier und da mit ungerechtfertigter Ungeduld gerichtet sind. Sie ist ja die erste seit mehr denn 30 Jahren für die evangelische Kirche in Nassau wiederum beabsichtigte. Das kirchliche Verfassungsleben in ihr ist aber seit jener Vereinigungs-Berathung zu Idstein zu sehr in blos äußerlicher, weltlich-verwaltender Weise geleitet wor­den, ihre Bevormundung durch die vorgesetzten Behörden des Staates ist zu ausgedehnt gewesen, ihre innere Lebenskraft hat sich in letzterer Zeit zu ohnmächtig erwiesen, als daß nicht bei

*) Dieser Artikel ist wie man sieht, bereits vor mehreren Wochen ge­schrieben. Die Red.