Nassauische
Allgemeine Zeitung.
J£ 96»
Dienstag -en 2L. April
18449»
Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Prânume- rationspreis ist in Wiesbaden S fl., für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thnrn- und TariSschen Vcrwaltungsgebietes 8 fl. 40 fr. — Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen« berg'scheu Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Amtlicher Theil.
Die Truppen in Schleswig-Holstein.
Dienstnachricht.
Nichtamtlicher Theil.
Glänzende Genugthuung.
Klcindeutschland? Reindeutschland!
Deutschland. Wiesbaden (Landtag. Die Nassauer in Schleswig- Holstein).— La » genschwalbach (Katzenmusik). — Köln (Der katholische Kongreß. Mord). — Berlin (Die deutsche Frage). —Wien (AuS Ungarn).
Frankreich. Paris (Tagesbericht).
Italien. Catania (Die Einnahme der Stadt).
Nachschrift.
Sprechsaal für Stadt und Land.
Amtlicher Theil.
Wiesbaden, den 23. April.
Nach heute eingegangenem Berichte ist der Brigave-Staab und das 2te Regiment gegenwärtig in Hohenweststävt und der Umgegend dislozirt, wo es weiteren Befehl erwartet.
Alefeld.
Dem Pfarrer Andreas Mauch zu Kleinsüßen im Königreich Württemberg ist die erledigte Stelle eines Professors an dem Pristerseminarium zu Limburg übertragen worden.
Nichtamtlicher Theil.
* Glänzende Genugthuung
Nie war die Stellung der vielgeschmähten aufrichtg Konstitutionellen eine günstigere als eben jetzt. Denn die Ein- müthigkeit, mit welcher unsere Partei für Durchführung der Reichsverfassung, für die Anerkennung der Kompetenz des Reichstags in die Schranken tritt, gibt doch wohl einen bes, jeren Beweis, daß wir das Recht der Erhebung des deutschen Volkes von 1848 gründlich anerkennen, daß wir es mit der Freiheit aufrichtiger meinen, als alle Revolutionsphrasen, alle bramarbasirende Begeisterung, die wir aus Rücksichten des gu# ten Geschmackes den demokratischen Gegnern überlassen haben.
Wir befinden uns nun auch einmal wieder in der denkbareren Lage, in welcher wir uns vor der Revolution stets befunden, nämlich vorwärts zu treiben, anzufeuern, und nicht, wie wir in der letzten Zeit leider so häufig mußten, Einhalt zu thun und zu mäßigen.
Es ist uns sogar die glänzende Satisfaktion geworden, daß unsere demokratischen Widersacher in demselben Hauptgrundsatz zu uns herübergelreten sind, ob dessen sie uns vor wenigen Wochen noch für gutmüthige Einfaltspinsel ansahen, nämlich in dem treuen Festhalten an der Reichsversammlung. Denn jetzt greifen dieselben Demokraten, die vordem nur schimpften und spotteten über das Profefforen- Parlament, über den reaktionären Reichstag, die uns so un- zâhligemal vorrechneten, wie der Reichstag schon längst alles Vertrauen der Nation verloren, /dieselben Demokraten greifen jetzt nach dem Reichstag als dem letzten Rettungsanker, und vergessen ganz, daß sie vor wenigen Wochen erst genau die nämliche Stellung zu demselben eingenommen haben, welche die jüngste österreichische Note zur Entrüstung des ganzen Vaterlandes einnimmt! So berühren sich die Ertreme, die Wühlerei von oben und die Wühlerei von unten, der Absolutismus von oben und der Absolutismus von unten!
Dieselben Demokraten, welche vor Kurzem erst den Erbkaiser als ein lächerliches Hirngespinnst hingestellt, beginnen jetzt für denselben in die Schranken zu treten. Darin liegt bei den Edlern und Bessern eine anerkennenswerthe Selbstentsagung. Aber man wird uns doch wohl vergönnen, jetzt auch einmal, und zwar zuletzt, zu lachen, wenn sich dieselben Leute unter das schirmende Dach der Paulskirche flüchten, welche vor einem Monat nur das Sodom und Gomorrha der Reaktion in derselben gesehen. Wir haben immer an der wahren und alleinigen Vertretung der Nation durch den Reichstag festge- halten.
Außerdem ist cs die schönste satyrische Strafe des Schicksals, daß dieselben Leute, denen doch alle fürstliche Regierung ein Gräuel, jetzt plötzlich herzefroh sind, daß 28 „Tyrannen" der Sache des Volkes einen so mächtigen Nachdruck geben, daß jene Leute zugestehen müssen, wie so viele von den verhaßten Märzministerien, deren Freisinn nach demokratischer Lesart gleich dem Märzschnee sofort von den ersten Sonnenblitzen der Fürstengunst aufgeleckt worden war, daß diese Ministerien mit einem Male die Sache der Nation erfochten und im Wesentlichen damit vorangegangen sind, womit die „ächten Demokraten jetzt nachhinken, nämlich mit der Anerkennung des Reichstages!
Doch wir wollen den gerechten Spott nicht weiter treiben, sondern vielmehr eingestehen, daß die Einmüthigkeit beider Parteien in der wichtigsten Entscheidungsfrage der Nation einen höchst erfreulichen Eindruck auf uns übt.
In den Mitteln und Wegen werden sich die Parteien doch wieder scheiden. Wir werden vor wie nach stiller und anspruchsloser unsere Bahn gehen, als die lärmende, tobende Demokratie, aber wir werden nicht minder sesthalten an dem Grundpfeiler unseres Bekenntnisses. Zu Aufstand und Empörung wird die konstitutionelle Partei nicht die Hand bieten, und wenn die Anarchisten für dieses Zahr auf eine vermehrte Auflage der 48r Straßenkrawalle zählen, dann haben sie sich stark verrechnet. Denn die durch die neuesten Ergebnisse so glänzend gerechtfertigte konstitutionelle Partei wird sich diesmal nicht wieder überrumpeln lassen, wie vordem.