Nassauische
Allgemeine Zeitung.
â NS Montag den LS April L8LN
weite Ausgabe.
Uebersicht.
Zeitungsschau.
Deutschland. Weilburg (Die Landtagsabgeordneten. Die Gerichtsvollzieher). — H ad a mar (Berichtigung). — Frankfurt (Nachrichten aus Stuttgart). — Berlin (Gute Nachricht. Der Sitz der künftigen Reichsgewalt). — Schleswig-Holstein (Zum Andenken an Preußer). Eckernförde (Postirnng der deutschen Truppen). — Apenrade (Ein deutscher Gefangener bei den Dänen). — Schleswig (Vom Kriegsschauplätze). — Harburg (Der Herzog von Nassau). — Wien (Kaiserlicher Familienrats). Ans Serbien).
Ungarn. Raab (Die Belagerung von Komor»).
Frankreich. Paris (Tagesbericht). — Lyon (Großartige Reaktion).
Italien. Genua (Belagerungszustand). — Syrakus (Ergebung an die königlichen Truppen).
Britisch-Ostindien. (Sieg über die Sikhs).
dürfte man sich in einer groben Täuschung befinden. Die demokratische Partei richtete ihre Angriffe gegen das Ministerium, weil ihr das letztere nicht genug handelte: wird sie dasselbe beseitigen lassen in einem Augenblicke, wo es zum Handeln sich anschickt? — Mit Nichten. So große Meinungsverschiedenheiten obwalten, das Märzministerium ist Fleisch und Blut von der demokratischen Partei; im Falle eines ernstlichen Angriffs wird, wie gegenwärtig der Nationalversammlung, so dem Märzministerium gegenüber alle Feindschaft der Demokratie vergessen seyn. Wir sehen: man bereitet sich zu einem sehr gewagten Gang, den bloß die Bajonette schützen können. Zwar sieht's in Ungarn trübe aus: aber der Russe lebt ja noch. Wohlan — wir wollen's abwarten, ob man auch in Württemberg Alles auf Eine Karte setzen wird. Wie leicht aber könnte jetzt die Kurzsichtigkeit sich rächen, daß man die Kammer der Abgeord- neten zur Verwilligung der Steuern bis zum letzten Juni gedrängt hat!"
Zeitungsschau
Der „Beobachter" schreibt: „Württemberg befindet sich in diesem Augenblick in einer gefährlichen Krisis. Es ist ein öffentliches Geheimniß, daß die deutschen Fürsten, namentlich diejenigen, welche mit Märzministerien umgeben sind, Beziehungen zu andern Höfen, besonders Oesterreich und Rußland haben, in welche jene Ministerien einzuweihen man nicht eben für nöthig findet. Dazu hat Oesterreich bekanntlich durch den Vorschlag der Mediatisirung der kleinern Fürsten für Bayern, Württemberg rc. einen sehr namhaften Köder auSgeworfen. Leicht dürften gegen jene Großmacht zum Danke gewisse Versprechungen abgegeben worden seyn, wie sie Oesterreich selbst um der Dinge in Ungarn willen Rußland gegenüber abzugeben sich in der Lage gesehen haben dürfte. Wie dem nun aber sey, so viel ist gewiß, daß der König von Württemberg die deutsche Reichsverfassung anzuerkennen bis auf diesen Augenblick (20. Avril) sich weigert, daß die Ankunft des württem- bergischen Bevollmächtigten bei der Zentralgewalt, deS Herrn Sternenfels, der gestern im Schlosse sich befand, nichts gefruchtet hat, und daß die Märzminister für den Fall, daß die königliche Unterschrift nicht erfolge, bereits ihre Entlassung cinge- reicht haben. Aus der Thatsache, daß die königlichen Truppen gestern in der Kaserne konsignirt waren, ja der König persönlich in der Mitte derselben im Kasernenhofe erschien, könnte man vielleicht den Schluß zu ziehen berechtigt seyn, daß ein ernstlicher Widerstand gegen das Andringcn der öffentlichen Meinung beabsichtigt war. Ein Hemmschuh für diese Absicht ist nur die Schwierigkeit, ein neues Ministerium zusammenzusetzen. Dem Vernehmen nach waren die Herren Linden und Varnbüler diesen Morgen in daS Schloß berufen (in der heutigen Sitzung der Kammer der Abgeordneten befanden sie sich unseres Wissens nicht). Wir zweifeln, ob die Genannten in diesem Augenblicke es wagen werden, ein Portefeuille anzunehmen. Sollte man etwa aus dem Streite der demokratischen Partei mit dem Märzministerium irgend welche Hoffnung geschöpft haben, das letztere leichter beseitigen zu können, so
Der Wiener „Lloyd" sagt unterm 14. April: „Die Frankfurter Nationalversammlung hat mit Oesterreich gebrochen, und wir sagen eS mit tiefem Schmerz, ohne Noth gebrochen. Eine europäische Großmacht, welche mehr Einwohner und ein größeres Gebiet hat als ganz Deutschland ohne sie, ist von dem deutschen Parlament behandelt worden, als wäre es ein reußisches Fürstenthum oder ein anhalt'sches Herzogthum. Man hat diesem großen Lande geflissentlich Bedingungen vorgeschrieben, die sie es nicht erfüllen konnte, die man nicht erwartet hat, daß es erfüllen würde. Wäre es der Wille des deutschen Volkes, daß geschähe, was geschehen wird, wir könnten uns in daS dann Unvermeidliche wohl mit Schmerz, aber mit Ruhe fügen. Aber zornig schwillt das Herz, und die Seele empört sich, wenn sie erkennt wie das schlimme Werk das gefördert, daS Ergebniß der Ehrsucht, des Parteigeistes, kleinlicher Intriguen, parlamentarischer Kabalen und unwürdigen Prinzipienschachers gewesen ist. Oesterreich wollte den Eckstein des großen Bundes bilden; es verzichtete darauf dessen Spitze zu seyn. Es hatte das Anrecht der Macht, eS hatte das Anrecht der Geschichte den ersten Platz in Deutschland zu verlangen; eS hat nur einen Platz auf gleicher Höhe mit den andern gro- ßen Staaten gefordert. Und man hat ihm seine Mäßigung mit Hohn vergolten. Man hat cs erniedrigen, und ihm einen Platz anweisen wollen unter dem Hause Hohenzollern, dem Platze gleich, welchen man dem Herzogthum Dessau und dem Fürstenthum Waldeck angewiesen hat. Die Weisen von Frankfurt mögen sich ihres Werkes freuen. Sie mögen jubeln in dem Glauben, daß sie das erreichr, was nicht Cäsar und nicht Napoleon gelingen wollte: Deutschland auf immer zu spalten Doch vielleicht rächt sich noch das Werk an seinen Schöpfern; vielleicht wird das Volk sein Vaterland lieber haben, als diejenigen, welche nur eine Ecke desselben zu lieben vermochten, und welche darum die Feinde des großen, des schönen Deutschlands wurden."