leit weiß, der Köni^ im höchsten Grade aufgebracht. Ich versichere Sie, daß,'bei aller Pietät für das deutsche Oesterreich, ein Fall eintreten kann, wo der König — seinen Degen gegen Oesterreich zieht. Einen solchen Gedanken hat die letzte Note ganz unzweideutig hervorgerufen. Und dieses Aeußerste, zu welchem daS versöhnlichste Gemüth getrieben werden kann, liegt doch nicht mehr so fern, daß ein König von Preußen den Gedanken daran im ersten Zorn unterdrücken möchte. Wir könnten einen „denkwürdigen Ausspruch" zitiren. — Um so stärker ist unsere Indignation über die „Neue Preuß. Zeit.", welche so nichtswürdig ist, die letzte österreichische Note unumwunden zu billigen! Sie sehen hieraus, wie wenig der König und die darin vertretene Partei harmoniren. Das aber scheint auch dem Könige zu entgehen, wie die tiefe Kränkung, welche die österreichische Note seinem Ehrgefühl und seiner edlen Gesinnung bereitet hat, die nothwendige Konsequenz der von seinen Ministern eingeschlagenen Politik ist, welche sich an das Kabinet von Ollmütz weggeworfen haben. Der Graf v. Arnim und seine ministeriellen Mitschuldigen haben unserem Könige diesen öffentlichen Affront, welcher jeden Preußen mitgetroffen hat, durch die „hohe Befriedigung" provozirt, mit welcher sie die früheren Fußtritte der Epigonen Metternich'S Hinnahmen."
Berlin, 18. April. In der ersten Kammer wird am Freitag der Abgeordnete Graf Dyhrn an den Minister von Arnim eine Jnterpellatian des Inhalts richten, daß die auf die letzte österreichische Note ertheilte Antwort dem Hause vorgelegt werden möge.
Der Ausgang eines gestern stattgchabten Pistolenduells erregt in der Stadt eine um so allgemeinere Theilnahme, als die Betheiligten sehr bekannten Familien angehörcn und der Anlaß zu jenem Vorgänge unter den schwebenden Fragen in erster Reihe steht. Die Ankunft der Frankfurter Kaiserdeputa, tion hatte den Assessor Neander, einen Sohn des bekannten Bischofs Neander, mit dem Studiosus Brandt, einem Sohne des Bürgermeisters von Brandenburg, in einen Streit verwickelt, der gestern durch einen Zweikampf ausgeglichen werden sollte. Das Ergebniß war ein sehr blutiges. Neander ist in Folge der erhaltenen Wunde sofort gestorben, und Brandt ist lebensgefährlich verwundet.
Hamburg, 12. April. Von deutschen Fürsten, Prinzen und Mediatistrten nehmen folgende an dem diesjährigen schles- wighvlsteinischcn Feldzuge Theil: Der regierende Herzog Ernst von Sachfen-Coburg-Götha (Oberbefehlshaber der thüringisch, sächsischen Brigade), der Erbprinz von Schaumburg-Lippe (Führer des schaumburg-lippeschen Kontingents), der Prinz Albert von Sachsen, der Herzog von Sachsen-Meiningen, der Prinz Ed. von Sachsen-Altenburg (bayerischer General-Lieutenant) ; nächstens werden erwartet: der regierende Herzog Adolph von Nassau und sein Bruder, Prinz Nokolaus, Graf Croy, Herzog Eugen von Würtembcrg, Prinz Salm-Salm, Offizier in preußischen Kavallerie-Diensten. (W. Z.)
Aus dem Schleswigschen, 15. April. Der Verlust bei der Einnahme der Düppeler Schanzen ist in den Zeitungen viel zu hoch angegeben worden. Aus sicherster Quelle erfahren wir, daß die Sachsen etwa 100 Mann an Todten und Verwundeten haben (darunter 5 Offiziere todt und 7 verwundet.) Die Bayern nur einige 20 Mann (kein Offizier todt.) Bei der Wichtigkeit des Resultats und der großen Schwierigkeit des Angriffs ist dieser Verlust nur ein unbedeutender zu nennen.
Oberstlieutenant von Zatrow ist als Parlamentär an den dänischen General auf Alsen geschickt worden, um die Räumung Alsens zu fordern, widrigenfalls das deutsche Heer in Jütland einrücken würde.
Vom Kriegsschauplätze in Schleswig ist die Nachricht eingelaufen, daß die Dänen den Brückenkopf bei Düppel, bei einem erfolgreichen Angriffe der Reichstruppen auf denselben, in die Luft gesprengt haben, wobei viele Deutsche, besonders Sachsen und Hannoveraner, aber auch viele Dänen geblieben seien.
Schleswig-Holstein. Die deutschen Truppen arbeiten an einer Umkehrung der Düppeler Schanzen gegen Alsen. Die dänischen Zeitungen betrachten diese Insel als eine „Festung ersten Ranges", die schleswig-holsteinischen dagegen geben sich der Hoffnung hin, nun von Düppel auö die Sonderburger
Batterieen demontiren ynd nach Alsen hinüber gelangen zu können. Daß man nicht eher in Jütland einrücken konnte, ehe man sich Alsen gegenüber vor Ueberfâllen gesichert hatte, scheint gewiß. Die nächsten Tage müssen nun lehren, ob es mit der Ueberschreitung der jütischen Gränze Ernst ist; vielleicht daß die dänischen Kriegsschiffe, die, wie berichtet, mit Hales'schen Brandraketen ausgerüstet sind, den General v. Prittwitz zwingen, Wrangels vorjährige Drohung wahr zu machen, „daß für jedes deutsche Haus ein Dorf in Jütland brennen solle." Bis jetzt haben übrigens alle Gerüchte, als hätten dänische Kriegsschiffe sich vor dem Eckernförder Hafen gezeigt, sich un- gegrundet erwiesen.
Stettin, 17. April. So eben mit der vorpommer'schen Post geht von Stralsund die Nachricht ein, daß in der Nähe von Stralsund ein kleiner dänischer Kriegökutter mit Proviant und Munition für die in der Ostsee kreuzenden Kriegsschiffe auf seichten Sand gelaufen ist. DaS Dampfschiff „der Adler" ist sofort mit Militär besetzt ausgegangen, um obiges Schiff zu nehmen und mit Preußen zu besetzen. Es soll 12 bis 16 Kanonen führen.
Cilli. Die Herstellung des Haupttunnels am Sömme« ring ist bereits im Wege der öffentlichen Konkurrenz ausgeschrieben. Die Kosten dieses Riesenbaues, welcher bis zum 15. September 1851 vollendet seyn muß, sind annäherungsweise auf 1,155,125 fl. C.-M. berechnet, welche Summe jedoch bloß als Grundlage zur Bemessung der Kaution zu dienen hat. Durch die anhaltend ungünstige Witterung des letzten Monats wurden auch die Arbeiten an der Südbahn verzögert, doch dürfte die Eröffnung der Linie bis Laibach voraussichtlich im Spätsommer dieses Jahres erfolgen. (Gr. Z.)
Wien, 16. April. Wenn nicht Alles trügt, so haben sich unsere Radikalen gewaltig verrechnet, wenn sie so froh über die Entfernung des alten Melden waren. Sein Nachfolger „Freiherr Böhm" hat sich in einer sehr kernigen Proklamation als einstweiligen Stellvertreter seines Vorgängers angekündigt und scheint nicht der Mann zu seyn, dessen Wien bedurft hätte, um versöhnende Maßregeln durchzuführen.
Das erwähnte Aktenstück ist sehr präzis und lautet: An die Einwohner Wiens! Se. Majestät haben dem F. Z. M., Freiherrn von Melden, eine andere wichtige Aufgabe anzuver- trauen, und mich zum kommandirenden Generale in Ober- und Niederösterreich und Stellvertreter des Gouverneurs zu ernennen geruhet. Es wird meine Sorge seyn, die während des Ausnahmezustandes von meinem Vorgänger angeordneten Maßregeln mit strengster Gerechtigkeit aufrecht zu erhalten. Die friedlichen Bürger Wiens sollen denselben Schutz, wie bisher, finden. Den Uebelgesinnten, den Störern der öffentlichen Ruhe und Ordnung aber werde ich mit Kraft entgegen! zu treten, und ihre Pläne zu vereiteln wissen. Wien, den 15. April 1849. Der kommandirende General von Ober- und Niederösterreich und Stellvertreter des Militär- und Zivilgouverneurs, Freiherr Böhm, F.-M.-L.
Der ehrenwerthe alte Herr General ist der Schrecken aller Lieutenants und hat sehr strenge Begriffe von Disziplin, weßhalb er geeignet schien, die etwas unwirsch gewordene Residenz im Zaume zu halten. Ein heute Morgen hier eingetroffener Kourier soll höchst wichtige Nachrichten auS Ungarn überbracht haben und erwartet man daher ein Bülletin. Unsere Nachrichten aus Pesth reichen bis zum 14. und melden nichts Bedeutendes. Ein Plakat des königlichen Kommissärs verbietet den Pesthern daS Hinausströmen in's feindliche Lager. Der Kommandant eines Jnsurgentenhaufenö hat auS Waitzen die Anzeige gemacht, daß General Götz mit allen seinem Range gebührenden Ehren begraben worden ist. In Pesth werden Wollsäcke u. dgl. aus den Magazinen genommen und nach Ofen zu dem Schanzenbau gebracht. Die Theuerung der Lebensbedürfnisse ist auf's Höchste gestiegen.
5 Uhr. Ich öffne noch einmal den Brief, um Ihnen ein so eben verbreitetes Gerücht zu melden. Die Brigade Ram- berg soll von den Ungarn gefangen genommen worden sein. Hier in Wien bereiten sich ängstliche Familien vor, die Stadt zu verlassen, weil sie thörichterweise bereits die Ungarn vor den Mauern der Stadt sehen.