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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

J£ 94» Samstag den 21 April 1849»

Zweite Ausgabe.

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Uebersicht.

Zeitungsschau.

Die deutsche Flotte.

Deutschland. Weilburg (Politische Windstille. Die alte Kirmesgarde.

Untüchtige Bürgermeister. Die Proklamation des Herzogs). Hanno­ver (Nachricht aus Ulderup). Berlin (Die österreichische Note. Interpellation. Duell). Hamburg (Die deutschen Fürsten, welche in Schleswig-Holstein fechten). Aus Schleswig (Der Verlust bei den Düppeler Schanzen. Der Brückenkopf bei Düppel in die Luft gesprengt).

Schleswig-Hol stein (Die Insel Alsen). Stettin (Ein däni­scher Kutter auf den Sand gelaufen). Cilli (Der Tunnel am Söm- mering). Wien (Der neue Gouverneur).

Ungarn. (Bericht derWiener Zeitung").

Frankreich. P a r is (Tagesbericht. Gnizot's Manifest).

Niederlande. Haag (Denkmal für den verstorbenen König).

Rußland. Petersburg (Der Kaiser).

Zeitun gssch an

Die deutsche Zeitung schreibt über die neueste preußische Note: Der Reichsministerpräsident hat der Reichsversammlung die Erklärung des preußischen Bevollmächtigten vom gestrigen Tage zugehen lassen. Die Frist, innerhalb deren sich die preußi­sche Regierung über die Annahme oder Nichtannahme der Reichs­verfassung definitiv aussprechen zu wollen erklärt hatte, ist-ab­gelaufen, und was erklärt sie nun ? sie wollen o ch eine kurze Frist warten."Mehrere der größeren deutschen Staaten hät­ten ein Einverständniß (mit der von der Reichsversammlung festgesetzten Verfassung und getroffenen Wahl) bis jetzt nicht zu erkennen gegeben; hiernach fehle zur Zeit die Vorbedingung der Entschließung des Königs." Ist cs aber nicht kläglich, daß die preußische Regierung immer die letzte seyn will, die sich ausspricht? daß sie, die ihrer Macht und ihrem Einfluß nach die andern leiten sollte, immer von den andern geschleppt seyn will? Setzt der preußische Bevollmächtigte doch selbst im Schlußsatz die Möglichkeit, daß die Regierung sich entschließe, auch wenn noch die Zustimmung größerer deutscher Staaten zu der dem König von der Reichsversammlung zugedachten Stel­lung fehle!" Warum also nicht jetzt schon sich entschlossen? Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit des Augenblicks?" Man sollte denken, die Wichtigkeit des Augenblicks sollte zu schnellen kühnen Entscheidungen begeistern die preußische Regierung hält wichtige Augenblicke für geeignet, Fristen zu erbitten. Mit diesem Verfahren ist es nur übereinstimmend, wenn die preußische Regierung, wie Herr Camphausen in der­selben Note gesteht, zwar von Anfang an erwartet hat, daß Oesterreichin einen Bundesstaat mit Repräsentarivverfassung nicht eintreten werde," dessen ungeachtet aber auf die Unter­handlungen mit Oesterreichmit der größten Befriedigung" eingegangen ist. Zur Unentschiedenheit der That paßt freilich die Zweizüngigkeit des Wortes am besten. Man möchte die

Beschlüsse der Reichsversammlung dem Scheine nach anerken­nen, (so wieder in dieser Note: die Regierung erachte durch Oesterreichs Weigerung einen Bundesstaat um so weniger für ausgeschlossen,als diese Ausnahme von der Reichsversamm­lung in ihren Beschlüssen vorgesehen ist") und sich der Sache nach unabhängig von ihnen machen. Das Ministerium Bran­denburg mag das diplomatisch finden, die Welt nennt es aber eine kleinliche Politik. Wohin sie führt, welchen Dank sie selbst bei denen findet, derelwillen man sie verfolgt, das be­weist die neueste österreichische Note an das preußische Kabinet natürlich wer seinen eignen Werth nicht schätzt, wird von Andern verachtet. Und als die preußische Regierung von Oesterreich sich abhängig machte, da war es doch immer eine Großmacht, an die man sich lehnte, jetzt aber, von Oesterreich zurückgestoßen, von Hannover und Würtemberg sich bestimmen lassen.

Ein Trost ist noch in dieser unglücklichen Lage! Wo die Freunde nicht helfen, da thun es die Feinde! Wie zur Ret­tung der deutschen Einheit, kommen stets die österreichischen Noten. Der offene Hohn, mit dem die Reichsversammlung be­handelt wird,welche ein ideales Reich angestrebt" und den Boden des Gesetzes verlassen habe, die Schamlosigkeit, mit der alle Thatsachen der Revolution verläugnet werden und der deutsche Bund als noch bestehend hingestellt wird, ist mehrals alles Andere geeignet, das deutsche Volk in seinen Bestrebun­gen ausharren zu machen, ihm den Willen und die Kraft zu geben, alle Widerwärtigkeiten zu überwinden.

DerGlobe," das bekannte Sprachrohr Lord Palmerstons, läßt sich in rühmlicher Weise angelegen sein, die Bestrebungen der Deutschen, zu einer Reichseinheit zu gelangen, gegen die Kritteleien und Verunglimpfungen des torystischenQuarterly Review" in Schutz zu nehmen, wie überhaupt gegen diejenige Partei,bei welcher" wie derGlobe" sich ausdrückt,es feste Maxime geworden ist, daß selbst ein ungeheurer National­gewinn die geringste Verletzung, welche einer regierenden Familie wiederführe, nicht wieder gut machen könne." Eine Stelle in diesem Artikel heißt:Die Bildung eines einheit­lichen Deutschlands neben einem einheitlichen Frankreich wird Europa ein ausgezeichnet konser­vatives Element zuführen," und eine andere:wenn der alte Bundestag, dies Ideal organisirter Ohnmacht, wieder ins Leben gerufen würde, um einen deutschen Kaiser zu wählen, so würde sich in seinem Schooße eine bedeutende Stimmen­mehrheit dahin aussprechen, daß das erbliche Kaiserthum Preußen zu übertragen sei." Freilich, meint der Globe, es habe einmal eine Zeit gegeben, wo Orenstiern und Mazarin damit überaus zufrieden gewesen, ein Volk zum Nachbarn zu haben, welches sich Pommern und Elsaß durch die Finger schlüpfen ließ.