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Nassauische Allgemeine Zeitung.

^N 92» Donnerstag den LS April 18LS

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Präuume- ratiousprcis ist in Wiesbaden 8 fl., für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und KurfürstenthnmS Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisfchen Verwaltungsgebietes 8 fl. 40 fr. Jnsera le werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen« berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Bericht des Hauptmann Müller von Eckernförde.

Nichtamtlicher Theil.

Deutschland. Wiesbaden (Landtag). Frankfurt (Reichstag).

Braunschweig (Der Herzog).

Frankreich. Paris (Tagesbericht). Marseille (Unruhen).

Italien. Genua (Die eroberte Stadt). Sizilien (Die neapolita­nischen ErpeditionStruppen).

Amtlicher Theil.

Eckernförde, den 8. April 1849.

An

Herzogliches Artillerie-DivisionS-Kommando das

Batterie-Kommando.

Es war in der Nacht vom 4. auf den 5. April, als in dem drei Stunden von Eckernförde entfernten Dorfe Gettorf, wo die Batterie einquartirt war, allarmirt wurde. Es mochte ohngefähr 12 Uhr sein, als wir unter Bedeckung des Bataillons Sachsen-Gotha auf der Landstraße gegen Eckernförde uns in Bewegung setzten. Die Stille der Nacht, sowie ein nicht un­bedeutender Wald, den wir passiren mußten und der hier zwischen der Landstraße und dem Wasser liegt, erheischten die größte Vorsicht; zumal die dänischen Schiffe nicht weit von dem Walde entfernt, die Anker ausgeworfen hatten, daher sich eine Landung leicht erwarten ließ. Ich ließ deßhalb die Bat­terie am Eingänge des Waldes halten und starke Patrouillen des Bataillons Gotha von der Sicherheit des Durchgangs vorher Gewißheit nehmen. Nach deren Rückkehr setzte ich erst den Marsch fort und machte an einem hohen Walvrücken, 500 Schritte vom Meeresstrande, halt. Die Küste wurde besetzt, starke Patrouillen entsendet, und das Bataillon Coburg-Gotha und die Artillerie lagerten sich; es blieS ein starker und kalter Wind, weßhalb Feuer angezündet wurde. Bei Tagesanbruch gewahrte man 9 dänische Segel am Horizont, die zwischen Eckernförde und Nör Anker geworfen hatten. Da die Schiffe keine Bewegung machten, und ruhig vor Anker blieben, bekam ich den Befehl wieder nach Gettorf zurück zu marschiren; einen Zug aber zur Verstärkung der nördlichen Strandbatterie über Eckernförde zu entsenden, wozu ich den Herrn Oberlieutenant Werren mit zwei OPfündern kommandirte. Das Bataillon Co­burg-Gotha schloß sich der Batterie an. Als ich ungefähr eine Stunde von meiner Station entfernt war, bemerkte ich, daß die dänischen Schiffe nach dem Eckernförder Hafen segel­ten, und sowie sie in den Bereich des Kanonenschusses der Strandbatterie kamen, begann die Kanonade. Ich ließ die Bat­terie kehrt machen und' ging im gestreckten Trabe bis zur

Waldspitze, wo wir gegen Morgen halt gemacht und gelagert hatten, vor, einen Granat- und Kartuschwagen ließ ich der Batterie folgen, die übrigen Munitionswagen und sonstige Fuhrwerke ließ ich unter Kommando des Feldwebels Leonardi außer dem Bereiche des Kanonenschusses auf der Straße so aufstcllen, daß eine rückgängige Bewegung schnell bewerkstelligt werden konnte.

An der Spitze des Waldes 50 Schritte vom Meeresstrande nahm ich Position und ließ das Feuer eröffnen, als eine Fre­gatte und ein Kriegsdampfschiff in den Bereich des Kugel- schusses kamen. Nach ungefähr 8 Schüssen wurde von einem Kriegsdämpfer die erste Granate gegen uns geworfen, deren Stücke vor der Batterie einschlugen; die Fregatte Gefion von 44 Kanonen schweren Kalibers gab nun eine Lage gegen die Batterie ab; aber die Kugeln, die wahrscheinlich durch das Schwanken des Schiffes zu kurz gingen, erreichten nur theil­weise das Ufer.

Ein Kriegsdämpfer warf beständig Granaten gegen die Batterie; eine davon zerschlug neben dem rechten Flügelgeschütz einen 3 Zoll im Durchmesser haltenden Baum, eine zweite zer­sprang zwischen den Lasteten und den Protzen in einer Höhe von 20 Schritten (die Protzen standen in einer Vertiefung). Eine 24pfündige Kugel ging durch die Batterie so nahe an dem Kopfe des Fußkanoniers Löhr vorbei, daß ihm das Blut auS dem rechten Ohre kam. Bei näherer ärztlicher Untersuchung hat sich ergeben, daß das Trommelfell zersprungen ist, und der Mann auf dieser Seite für immer taub bleiben wird. Nach­dem 30 bis 40 Schüsse geschehen waren, fing die Bedienungs­mannschaft an, ganz ruhig zu arbeiten und ' brachte bei jedem Einschlagen einer feindlichen Kugel oder Zerspringen einer Granate ein Hurrah.

Die Dänen beabsichtigten ein ganz in der Nähe meiner Position gelegenes Haus in Brand zu schießen, indem sie be­ständig Granaten darauf warfen.

Die Schiffe unterhielten eine mörderische Kanonade und demontirten in der nördlichen Strandbatterie drei Geschütze so, daß diese nur aus drei Geschützen ihr Feuer fortfetzen konnte.

Der Herr Oberlieutenant Werren unterstützte diese Bat­terie mit zwei Kanonen und war dem Feuer sehr ausgesetzt. Die zwei Dämpfer waren durch ein kreuzendes Feuer von 6 nassauischen Geschützen und der nördlichen Strandbatterie so zugerichtet, daß sie sich aus dem Gefechte zurückziehen mußten. Nach eingelaufenen Nachrichten soll eines dieser Schiffe unter­gegangen seyn. Die Fregatte legte sich näher an die nördliche Strandbatterie und das Linienschiff entwickelte sein ganzes Feuer gegen die südliche Strandbatterie, welche mit vier ^Pfän­der besetzt war.

Ich mußte wegen zu großer Entfernung das Feuer ein­stellen. Die Kanonade, welche bis 1 Uhr dauerte, war furcht­bar; man hörte nur einzelne Schüsse aus den Strandbatterien und der unsrigen, von den Schiffen war es ein die Erde er­schütternder Donner. Letztere zogen um 1 Uhr die weiße Flagge auf.

Es trat nun eine Waffenruhe ein.

Es war ein erhabenes Schauspiel geworden, welches sich den Nachmittag wieder erneuerte.