Nassauische
Allgemeine Zeitung.
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Donnerstag den 12 April
18LS
Zweite Ausgabe.
Uebersicht.
Amtlicher Theil.
Dienstnachrichten.
Nichtamtlicher Theil.
Zeitungsschau.
Deutschland. Frankfurt (Reichstag. Die österreichischen Abgeordneten. — Mannheim (Wachsende Aussichten der Republik. Hecker). — Stuttgart (Die Tarissche Post). — Berlin (Der König. Politisches Epigramm). — Rendsburg (Bericht eines Augenzeugen). — Wien Radetzky Ritter des goldnen Vließes).
Frankreich. Paris (Lamormora zieht als Sieger in Genua ein).
Dänemark. (Die dänischen Linienschiffe).
Italien. Rom (Die Einschmelzungsbarbareien).
hierbei zunächst Betheiligten überlassen. Dem deutschen Volke in seiner unendlichen Mehrheit ist es prinzipiell vollkommen gleichgültig, in welcher Weise die Reichsregierung geordnet werden wird, nur Eines ist sein klarer Wunsch und sein festes Verlangen, daß Friede und Freiheit bewahrt, und der Bürger und Bauer nicht gezwungen werde, einer gelehrten Doktrin zu lieb, Eigenthum und Leben auf das Spiel zu setzen.
DaS Vaterland ist nicht in Gefahr und wird auch nicht in Gefahr kommen, selbst wenn noch Monate vergehen sollten, bis eine zweite Reichsversammlung die letzte Hand an das Verfassungswerk legen wird; wohl aber müßte Deutschland mit unseliger Spaltung, mit langwierigem Bürgerkrieg bedroht werden, wenn auch jetzt wieder bloße Parteirückstchten und Klubbsintriguen über den patriotischen Sinn der Mehrheit der Paulskirche die Oberhand gewinnen könnten.
Amtlicher Theil.
Der provisorische Lehrvikar Nickel in Eyershausen ist definitiv zum Lehrvikar daselbst ernannt worden.
Lehrer Jung zu Hirschberg, Amts Diez, ist auf sein Ansuchen in den Ruhestand versetzt und Schulkandidat Fritz von Oberneisen zum Lehrvikar daselbst in provisorischer Eigenschaft ernannt worden.
Nichtamtlicher Theil.
Zeitungsschau.
Was kann die Nationalversammlung jetzt noch thun? Diese Frage beantwortet die „Frankfurter Zeitung" in folgender Weise :
Nach der Aufnahme, welche die Abordnung in Berlin gefunden hat, kann für die Vertreter dcö deutschen Volkes keine Rede mehr davon seyn, sich abermals einer Entwürdigung auszusetzen; jetzt ist es ein Ehrenpunkt geworden, ganz abzusehen von einem jeden Plane, welcher irgendwie zu einer neuen Demüthigung führen könnte. Die Nationalversammlung hat die Verfassung in zweiter Lesung beschlossen; sie durchzusühren liegt nicht in ihrer Macht; so möge denn das Provisorium bestehen bleiben, bis durch eine andere Versammlung das Nöthige vorgenommen, oder bis die Regierungen sich über die Bestellung der obersten Reichsgewalt geeinigt haben werden.
In welcher Weise die Spitze des Bundesstaates dereinst geordnet werden möge, — die Nationalversammlung, als aus dem Volke hervorgegangen und zunächst berufen, des Volkes Interessen zu wahren, hat sicher ihr Augenmerk vorzugsweise nur darauf zu richten, daß jene Paragraphen, welche von den Rechten des Volkes handeln, aufrecht erhalten werden; die Regelung der dynastischen Verhältnisse kann sie füglich den
Das Ollmützer Hofblatt, der „Oesterreichische Korrespondent", läßt sich über die deutsche Frage folgendermaßen vernehmen:
„Die Frage, was da geschehen wird in Deutschland, wenn der Auserwählte die Krone nicht annimmt, wie kaum anders zu erwarten steht, beschäftigt alle Geister, und wird, je nach dem Standpunkt der Partei und der Bildung, verschieden hypothetisch beantwortet. Die natürlichste Ansicht dürfte seyn, daß die Nationalversammlung, ihre Unfähigkeit, zu einer Einheit zu gelangen, einsehend, still nach Hause gehe und das Werk der Regenerirung Deutschlands geschickteren Händen überlasse. Es liegt darin kein Tadel der hohen Nationalversammlung, die viele höchst ehrenwerthe Elemente in ihrem Schooße trägt. Es ist eben jener merkwürdige Riß, der seit Jahrtausenden durch Deutschland geht und selbst durch die großen Geister der Salier und der Hohenstaufen nicht geheilt werben konnte; jenes merkwürdige germanische Auseinandergehen in praktischen Dingen, wovon bereits der alte Tacitus meldete und die letzte Abstimmung in der Paulskirche am 28. März eine neue glänzende Manifestation ist. Man braucht dabei an keine Bosheit der Oesterreicher, Bayern und der andern Nicht- stiminenden zu denken; es ist ganz einfach, man mag sagen was man will, jener unbegreifliche historische Hauch, der über die Germanen weht. Etwas Neues in Leben und Politik einzuführen, dazu haben die Deutschen kein Talent, und es war daher ein höchst unglücklicher Gedanke der gelehrten Herren Professoren, die ihr Volk hätten besser kennen sollen, innrem Entwürfe die Idee eines Neukaisers aufzustellen, statt ihr System an das Gegebene anzuknüpfen. Denn gerade darin ist der Deutsche ein Meister, sich das Gegebene mundrecht zu machen, und cs wäre mit etwas weniger Ueberstürzung und etwas mehr Billigkeit von allen Seiten ein neuer deutscher Bund möglich geworden, der den Bedürfnissen des deutschen Volkes vollkommen genügt hätte. Dem deutschen Volke ist es nie eingefallen, weder im Süden noch im Norden, ein Mandat zur Wahl eines Kaisers zu geben; es ist dieser Gedanke erst künstlich in das Volk verbreitet worden. Denn wir haben doch im vorigen März auch gelebt, und in der deutschen Bewegung