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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

â 82. Samstag den 7. April 18419»

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Dienstnachrichten.

Nichtamtlicher Theil.

Zeitungsschau.

Deutschland. Frankfurt (Die Festung Alessandria. Erklärung des Abgeordneten Schoder. Verleumdung. Neue Note von Ollmütz. Volks­versammlung in Heidelbergs. Freiburg (Struve und Blind). München (Staatsrathssitzung über die Kaiserfrage. Erklärung.) Berlin (Zerrüttung der häuslichen Verhältnisse. Die Anrede der Reichs­deputation an den König). Wien (Die Zeitungskautionen. Gleich­gültigkeit der Menge über die Gestaltung Deutschlands. Altona Die Unterhandlungen mit Dänemark abgebrochen. Der Kieler Hafen blokirt. Schleswig (Die Eröffnung der Feindseligkeiten).

Ungarn. Pèsth (Strenge des Fürsten Windischgrätz. Kriegsszene).

Frankreich. Paris (Tagesbericht).

Italien. (Nachrichten vom Kriegsschauplätze).

'Amtlicher Theil.

Dem Professor Bellinger zu Hadamar ist die Direktion des Schullehrer-Seminariums zu Idstein provisorisch über­tragen worden.

Der provisorische Lehrvikar Presber in Gondersdorf ist definitiv zum Lehrvikar daselbst ernannt worden.

Nichtamtlicher Theil.

Z e i t u n g s s ch a u.

Wir lesen in der Oberpostamtszeitung vom 4. April: x Wie natürlich bildete die durch telegraphische Depesche hierher * gemeldete Antwort des Königs von Preußen an die Depu­tation der Nationalversammlung einen Hausttgegenstand der Unterhaltung sowohl vor, als während der nicht zahlreich be­suchten heutigen Sitzung. Es wäre offenbar voreilig, ein ab­schließendes Urtheil über eine Antwort fällen zu wollen, von welcher wir selbst hoffen, daß sie keine abschließende, keine den Entschluß des Königs vollständig und unwiderruflich aus­drückende seyn möge. Wir beschränken uns darauf, im Allge- s meinen von dem Eindrücke und den Urtheilen Einiges wieder zu geben, welche durch die Depesche hervorgerufen wurden.

Unverhehlt war die Freude der Oesterreicher und ihrer ) Bundesgenossen, zum Beweis, daß die königliche Antwort auch t eine den Hoffnungen und Erwartungen der deutschen Patrio­ten ungünstige Auslegung zuläßt. Von unsern Freunden hör­ten wir so manchen mit dem leidigen Trost sich beruhigen, daß

man einen anderen Bescheid nicht erwartet habe. Andere da­gegen glaubten besonderen Anstoß an der von dem Könige ge­fordertengemeinsamen Berathung der einzelnen deutschen Negierungen" nehmen zu müssen; das Prinzip der Vereinba­rung, meinten sie, sey damit unnöthiger, wie unerwarteter Weise überspannt. Aber schwerlich dürfte doch in dem ange­führten Passus mit Nothwendigkeit der Hinweis auf einen Gesammtkongreß der deutschen Regierungen zu finden seyn. Der König spricht andrerseits von den durch die Nationalver­sammlung ihmübertragenen Rechten", sowie davon, daß er bereit sey, durch die That zu beweisen,daß die Männer sich nicht geirrt haben, welche ihre Zuversicht auf meine Treue, auf meine Liebe zum gemeinsamen deutschen Baterlande stützen." Wir glauben ein Recht zu haben, gerade aus diese letzteren Worte und gerade auf unsre Interpretation der bedenklicheren Stellen den Nachdruck zu legen,' da die Erklärung des Mini­sters von Brandenburg in der Kammersitzung vom 2. April sie unterstützt.

Wie dem aber sey, der Einfluß der königlichen Antwort wie nicht minder des Schreibens unserer Deputation auf die heutige Sitzung war kein günstiger. Wir stehen durch unsere letzten Beschlüsse mit der Linken insoweit auf wesentlich gleichem Boden, als wir mit ihr die Verpflichtung zur Durchführung unserer Verfassung anerkannt haben. Möge aber die Linke nicht vergessen, daß diese Durchführung nur dann gelingen kann, wenn die Beschlüsse und Schritte der Versammlung nie das Maß der im Volke sich regenden Sympathien, nie das Maß des praktisch und moralisch Möglichen überspringen. Wir wünschen, daß man sich auf jener Seite die Mahnungen Bas­ser mann' s zu Herzen nehme. Dringliche Anträge auf Kon­ventionsmaßregeln sind schwerlich geeignet, in der Nation den Glauben zu stärken, daß in Frankfurt diejenigen Männer noch forttagen, welche neben der Entschiedenheit des Entschlusses die Weisheit und die Mäßigung in der Wahl der Mittel nach wie vor zu bewahren verstehen. Die Erfahrungen der heuti­gen Sitzung haben übrigens die Weidenbuschpartei aufs neue zum engsten Zusammenhalten ermahnt. Die nie unterbrochene Kontinuität ihrer Zusammenkünfte wird auch ferner während der jetzt abermals eingetretenen Ferien aufrecht erhalten wer­den ; vor Allem aber sind wir eifrig bemüht, unser Lager, viel­fach dezimirt wie cs ist, zu vervollständigen, und wir erlassen auch auf diesem Wege die dringende Aufforderung an alle die Unsrigen, nicht durch Abwesenheit die heule nur kaum vermie­dene Gefahr zu vergrößern. Daß neulich ein rettender Ent­schluß gefaßt wurde, schließt Zücht aus, daß noch einmal ein verderbender gefaßt werden kann. Möge Alle eingedenk seyn, daß noch immer das Vaterland in Gefahr ist!

Der Standard schreibt:Wir haben von einem ge­schätzten Freund, der soeben von Paris kommt, folgende Mit­theilung erhalten: Der 82jährige Radetzky hat den europäischen Frieden gerettet! England und Frankreich haben ihre vereinte Vermittelung angeboten, um die Integrität Sardiniens zu wahren; die österreichische Regierung hat sie durch ihre Re-