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geachtet wurde. Mit höhnender, wilder Gier stürzte sich der Abschaum roher Entsittlichung auf alle durch die Zett gehei­ligten Anstalten und Einrichtungen, und nannte dieses gewalt- thätige Thun Freiheit! Auf diesem Wege der Gleichma- chcre'i sollte das Ziel der Einheit erreicht werden!

Ich frage, wie ist es möglich, daß der rechtliche und der besitzende Theil der Nation, auf den sich das ganze Gebäude des Staates stützen muß, zu solcher Freiheit und zu solcher Einheit ein Herz fassen, daß er sich aufrichtig einer Richtung anschließen kann, die unsere Freiheitsfreunde bewußt oder un­bewußt so eifrig in's Leben einzuführen suchen? Dieser ist der Schlüssel zu unserer Uneinigkeit, und diese wird eher nicht gehoben werden, bis Jeder neben dem eigenen Rechte auch die Rechte Anderer achten und schätzen lernt. Dann erst ge­langen wir durch die Einigkeit zur Einheit und durch die Einheit zur Freiheit.

Deutschland.

* Wiesbaden, 31. März. In der heutigen Sitzung der Ständekammer wurde die Anforderung für das Theater ver­handelt. Nach langer Debatte, die wir nebst dem übrigen Theile der Verhandlung im nächsten Blatte nachtragen werden, sind alle Anträge, sowohl diejenigen, welche auf Verwilli- gung, als welche bedingungsweise gegen eine solche gelautet gefallen, dann geht die Kammer auf eine Weile auseinander und nimmt hierauf mit 21 unter 32 Stimmen die Fassung an: daß die Regierung einen Kredit von 3000 fl. bewilligt erhal­ten solle für vier Wochen, um alsdann definitive Vorschläge zu einer wohlfeileren Organisation des Theaters einzubringen, wo dann eine definitive Weiterbewil­ligung erfolgen soll.

{* Aus dem Amte Hochheim. Daß nicht allein im Amte Hochheim tolle Gemeinderathsbeschlüsse an der Tagesordnung sind, beweist der Artikel von der Lahn in Nr. 74 der Nass. AÜg. Zeitung und gibt dem Einsender dieses Gelegenheit we­gen der Entziehung des PfarrbesolvungsholzeS ein zweites Exempel zu liefern: In der Gemeinde Wallau hat nämlich der Herr Pfarrer ebenfalls als Besoldungstheil ein Quantum Wellen wenn ich nicht irre, 200 Stück jährlich anzu­sprechen. Auch diese Holzabgabe wird dem Herrn Pfarrer in Wallau von dem dasigen Gemeinderath beharrlich verweigert und ist pro 1849 noch bis jetzt nicht abgeliefert, obgleich die Lieferung Pränumerando für daS Kalenderjahr geschehen soll. Wallau steht indessen in seiner Opposition gegen den Ortsgeist­lichen in hiesigem Amte nicht allein, indem ein anderer Ort sich in dieser Beziehung noch viel unvortheilhafter auszeichnet, wovon Sie nähere Details in diesen Blättern, nach deren ge, nauer Ermittelung mitgetheilt werben sollen.

Forscht man nach dem Grund dieser traurigen Erschei­nungen, so findet man diesen unzweideutig in den öffentlichen Reden der Umsturzparthei, wovon unter andern am 11. Juni v. I. ein herrliches Pröbchen an dem Weiher zu Hochheim zu hören war. Die Parthei der Wühler hat sehr gut berechnet, daß, wenn sie recht triftig auf die Pfaffenherrschaft in ihren versalzenen Vorträgen losschlägt, sie gleichzeitig bei Vielen daS Heilige der Religion mit untergräbt, und Menschen ohne posi­tive Religion am leichtesten als Maschinen bei einer Revolution gegen Gesetz und Ordnung zu gebrauchen. Auch in manchen Tagesblüttern und Flugschriften wirb, denn hierzu noch genug Schmutz in die Welt geschleudert.

-^PVom Main Durch die unserm Herzogthum Nassau ge­schenkte freie Gemeindeverwaltung ist der Dienst eines Bür­germeisters in mehr als einer Beziehung ein Ehrendienst ge­worden , denn

1) ist der Erwählte durch Stimmenmehrheit oder mit an­dern Worten durch das auf ihn gesetzte Vertrauen sei. ner Mitbürger zu seiner Stelle gelangt, und

2) haben in vielen Gemeinden hiesiger Gegend die Gemein­deräthe für eine so niedrige Besoldung gesorgt, daß die Bürgermeister allerdings die Ehre als 'BesoldungStheil mit in Anrechnung bringen müssen, wenn der Schaden einigermaßen ausgeglichen werden soll.

Ein großes Uebel ist jetzt in vielen Orten an der Tages­ordnung, nämlich die Vergebung der Gemeinderech­nerstellen an den W e ni gstne h me nd e n um eine runde Summe, wobei die Verordnung hinsichtlich der Hebgebühren

umgangen wird. Es erregt wahrlich wo nicht Ekel, doch Mit­leiden, wenn man hört, daß auf diese Weise Rechnerstellen vergeben sind, wo 100 fl. Gelderhebung nicht einmal 45 kr. Hebgebühren abwerfen können. Daß sich übrigens eine Rech­nersstelle am allerwenigsten zur Vergebung an den Wenigst­nehmenden eignet, steht Jeder ein, welcher den Dienst auch nur oberflächlich kennt.

Frankfurt, 23. März. Nach dem am nächsten Donnerstag den Aktionären der Taunuseisenbahn zu erstattenden Jahres­bericht sind die seither in der Schwebe gestandenen Verhältnisse der Bahn zur fürstl. Thurn- und Tariö'schen Post nunmehr definitiv geordnet. Hiernach bezahlt die Post für den Trans­port der Bricffelleisen und der kleinen Pakete die Hälfte der gewöhnlichen Tarifansätze, für den Transport der Reisenden aber und des Passagierguts den vollen Betrag jener Ansätze.

Frankfurt, 30. März. Die Versuche zur Bildung eines neuen Reichsministeriums scheinen aufgegeben, da der Erzher­zog dem interimistischen Ministerium Gagern, das nur zur Fortführung der laufenden Geschäfte sich anheischig gemacht hatte, die weitere Amtsführung mit voller Machtvollkommen­heit und Verantwortlichkeit wieder übertragen hat. Eine desi- nitive Berufung des Ministeriums von Seiten der provisori­schen Zentralgewalt, deren Mandat vielleicht bald zu Ende geht, scheint der Retchsverweser nicht für angemessen gehalten zu haben.

Köln, 28. März. Aus ganz zuverlässiger Quelle erfah­ren wir, daß unser Ministerium jetzt ernstlich Bedacht darauf nimmt, durch die Anlage einer stehenden Pfeilerbrücke einem mit jedem Jahre lebhafter gefühlten Bedürfnisse abzuhelfen. Zu diesem Zwecke ist schönem Oberbaubeamter von Berlin hier eingetroffen und an unsere Regierung der Befehl ergangen, in zwei Monaten Zeit einen vollständigen Plan und die Kosten- Anschläge des Werkes einzureichen, um das Projekt selbst den Kammern noch zur Genehmigung vorlegen zu können. Bei der Ausführung einer solchen Brücke, über deren dringende Noth­wendigkeit wohl kein Zweifel mehr obwalten kann, werden sich über die Wahl der Stelle, wo sie gebaut werden soll, beson­ders des Eisgangs wegen, noch mancherlei Bedenken erheben. ES sind übrigens schon verschiedene Projekte einer solchen Brückenanlage ausgearbeitet.

(O.-P.-A-.Z.) Aus Berlin liegen uns Briefe und Zeiè tungen vom 29. März vor. Am Abend zuvor war durch den Telegraphen die Wahl des Königs von Preußen zum erblichen Kaiser der Deutschen bekannt geworden. Welchen Eindrusi diese Nachricht gebracht, ist noch nicht recht ersichtlich. Die Deutsche Reform", ein immer gut unterrichtetes halboffizielles Blatt, und dieKonstitut. Ztg." sind der Ansicht, der König von Preußen werde die Kaiserkrone unter Bedingung er annehmen; zu diesen scheinen die Zustimmung der deutscher Fürsten und die Umwandlung des suspensiven in das absolut! Veto zu gehören. Als unserer Ansicht nach bezeichnend, kön­nen wir nicht unerwähnt lassen, daß es in der sonder Zweifel offiziellen Mittheilung der telegraphischen Nachricht von dei wichtigen Beschlüssen der Reichsversammlung am 27. März n den Berliner Blättern gleichlautend heißt:daß das Reichs oberhaupt den TitelKaiser der Deutschen" führen dürfe. Beschlossenaberist: nicht das Oberhaupt darf, sondern è- so ll den Kaisertitel führen. Die allgemeine Zeitungskorre spondenz meldet:

Die wichtigen Nachrichten, welche theils in dieser Nach! theils heute Morgen hier von verschiedenen Seiten eingegange, sind, erhalten unsere Stadt in lebhafter Aufregung und bilde' an allen öffentlichen Orten den Gegenstand eifriger Diskussu nen. Die in Frankfurt nunmehr definitiv auf den König vo Preußen gefallene Kaiserwahl steht dabei natürlich in erst« Reihe. Die dadurch hervorgerufenen Empfindungen find ; nach dem Standpunkte der Parteien sehr verschieden und e hat sich dies nirgends schärfer ausgeprägt, als in heutig» Sitzung des Magistrats, wo in sehr stürmischer Debäll darüber berathen wurde, ob und welche Empfangsfeierlichkeite für die Deputation zu treffen seyen, welche morgen zur Uebe bringung des Wahlresultats von Frankfurt erwartet wir! Man schien von einigen Seiten geneigt, das Ereigniß als ei freudiges aufzufassen, während auf einer anderen die Freu) offenbar durch die frühere Abstimmung eine Schmälerung e litt, einzelne Elemente, die sich auf beiden Extremen fände! auch wohl gar nichts davon wissen wollten.