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scheines erfunden hatten, mit dem jetzigen Kulturstande des Volkes und dessen kommerziellen Verhältnissen wegqefallen ist und der Nachtheil , welcher aus jenem Gesetze entspringt, den Vortheil bei Weitem überwiegt.

Die Wahl des Hrn. Braun in die Ständekammer berech­tigt uns immer mehr zu dem Schlüsse, daß die Wähler nach­gerade zu der besseren Ueberzeugung gelangen, es müsse vor Allem der Intelligenz Rechnung getragen werden, und daß ohne diese alle Gegnnungstüchtigkeit im parlamentarischen Wirken auf null reduzirt werde. Auch hier würde man, wollte heute oder morgen wieder gewählt werden, ganz andere Griffe thun; es sey denn, daß das Heckerthum neuerdings wieder, gewisse Rathlofigkeiten ausbeutend, seine alte Regsamkeit be­währte.

Das demokratische Bankett, welches am 18. d. M. im Gürzenich zu Köln gehalten wurde, und wovon die radikalen Blätter so viel Aufhebens machten,-dürfte am besten dadurch charakterisirt werden, daß demselben unser Landsmann Schap- per, der Pfarrerssohn von Weinbach, präsidirte. Dieser Abenteurer, durch seine Geistesarmuth in den Strudel dema­gogischen Unwesens gerissen, würde unter anderen Umständen kaum genannt worden seyn, hätte er nicht in Folge seiner Theilnahme an dem Frankfurter Attentat von 1833 als poli­tischer Flüchtling in der Verbannung gelebt. Auch in hiesiger Gegend suchte er kurz nach den Märzereigniffen ein Feld für seine demagogische Wirksamkeit, entfernte sich aber bald wieder, als er fand, daß die Weinbacher Bauern, gescheidter als er selbst, für seine unklugen Agitationen unzugänglich waren.

Einige hiesige Volksfreunde fuhren am verflossenen Sonn­tage nach Schupbach, um eine mit großem Pomp angekün­digte Volksversammlung abzuhalten. Sie hatten von Herrn Vogt gehört, daß man mit Speck die Mäuse fange. Auch sie woll­ten Mäuse sangen, hatten aber den Speck vergessen. Die Ver­sammlung am Kirchhofe war ziemlich zahlreich, doch konnten die Anwesenden nichts hören und verstehen, zumal von der Rede des Dr. Gerau.

Die Volksregierung zu Runkel hat die Jahresbesoldung des Bürgermeisters, der über dreißig Jahre als Stadtschul­theiß fungirt, auf 130 fl. festgesetzt, und nicht einen Mann in den Gemeinderath gewählt, der dem gebildeten Stande ange- hört. Für die ist die neue Gemeindeordnung dreißig Jahre

Im amtlichen Theil der Ober-Post-Amts-Zeitung lesen wir: Der Präsident der verfassunggebenden Reichsversammlung hat derselben in der gestrigen 197. Sitzung folgende Eröff-1

nung gemacht:

Meine Herren! Ich bin durch Se. fmferL Hoheit den Erzherzog-Reichsverweser, dessen diesfallsige Weisung mir aber durch Vermittelung des intermistischen Präsidenten des ReichS- ministerraths zugekommeu ist, angewiesen, Ihnen folgende Mit­theilung zu machen. Se. kaiserl. Hoheit der Erzherzog-Reichs- verwe er hatte auf den gestrigen Nachmittag 6 7* Uhr den Präsidenten und das Bureau der NeichSversammlung, sowie den interimistischen Reichsjustizminister zu sich beschieden. Se. kaiserl. Hoheit erklärte den in seinem Zimmer versammelten Männern, eS waren nach der Anordnung des Herrn Erz- herzog-Reichsverwesers der interimistische Präsident des Reichs- mrnisterrathS, der intermistische Reichsjustizminister, der Präsi­dent der Nationalversammlung, der zweite Vizeprägdent der­selben und ihr erster Schriftführer, wörtlich:Ich finde mich bestimmt, unter den obwaltenden Verhältnissen die Wurde eines Reichsverwesers zurückzulegen; ich ersuche Sie, Herr Präsident, diesen meinen Entschluß der Nationalversammlung anzukun­digen." Der Präsident der verfassunggebenden Reichversamm- lung erlaubte sich, gegen diesen von Sr. faiferL Höhnt kund- gegebenen Entschluß eine ehrerbietige Gegenvorstellung zu machen, welche mit Hinweisung auf die gegenwärtige |o ge­fährliche Lage des Vaterlandes und die Bestimmungen des von Cr. kaiserl. Hoheit angenommenen Gesetzes vom 28. Juni vorigen Jahres, die dringende Bitte an den Herrn Erzherzog- ReichSverweser enthielt, den eben gegen d,e Versammelten kund­gegebenen Entschluß zurücknehmen zu wollen. Se. kaiserl. Hoheit lieh dieser Gegenvorstellung ein günstiges Ohr und ordnete an, daß die Anwesenden sich zuruckziehen, und nach einer Stunde seinen ferneren Bescheid entgegennchmen sollten. Rach Ablauf dieser Stunde erhielt der interimistische Prä­sident des Reichsministerrathes folgende Zuschrift von Sr. tau

Aber'Freiherr v. Gagern! - In der seit unserem Zu­

sammentritte abgelaufenen Stunde bin ich mit mir über den besprochenen Gegenstand zu Rathe gegangen und finde, nicht von meinem, auf reife Ueberlegung gegründeten Entschlusse abzugehen. Indem ich in der Anlage Ihnen das aufgenom­mene Protokoll übersende, ersuche ich Sie, das weiter Nöthige in der Art zu veranlassen, daß ich, sobald als es ohne Nach, theil für die öffentliche Ruhe und Wohlfahrt Deutschlands ir» gend geschehen kann, mich als der Pflichten meines Amtes enthoben betrachten könne. Frankfurt a. M., 28. März 1849. (gez.) Erzherzog Johann."

Mit dieser Bekanntmachung wird die weitere Anzeige ver, bunden, daß Se. k. Hoh. der Erzherzog,Reichsverweser die der* maligen interimistischen Minister beauftragt haben, die Geschäfte mit voller Amtsgewalt und Verantwortlichkeit bis auf Weite, res interimistisch fortzuführen.

Frankfurt, 30. März 1849.

Frankfurt, 29. März. In einer gestern Abend abgehal, tenen Versammlung der Oesterreicher wurde einstimmig beschlos, sen, gegen die Beschlüsse der 290 fortwährend zu Protestiren, und bis auf den letzten Mann hier auszuharren. Ein Gleis ches wird von llen übrigen Fraktionen der Großdeutschen ge, schehen.

Wetzlar, 29. März. (O.-P.-A.-Z.) Die lange sehnlichst erwartete Nachricht, daß die deutsche Nationalversammlung ihrer und Deutschlands würdig, König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen zum erblichen Kaiser der Deutschen am gestrigen Tage erwählt und proklamirt habe, hatte kaum diesen Morgen hiesige Stadt erreicht, als im ungemessenen Freudentaumel Geschützesdonner von 101 Böllerschüssen, das Läuten aller Glocken, das Prangen der wallenden deutschen und preußischen Fahnen im schönen Bunde auf der Spitze des ehrwürdigen Doms, Pauken, und Posaunenklang das großartige Ereigniß den Einwohnern der Stadt und ihrer Umgegend verkündigten.

Kassel, 29. März. (Telegraphische Nachricht.) Die ge, stern Abend noch verbreitete Nachricht von der Kaiserwahl wird heute durch überall aufgesteckte deutsche Fahnen gefeiert. In der Ständeversammlung wurde sie heute Morgen verkündet.

Wien, 25. März. Die bereits gestern durch Privatbriefe hier verbreitete Nachricht, daß General Bem Hermannstadt überrumpelt, die dortige russische Besatzung vertrieben und die Stadt gebrandschatzt hat, wird heute leider! bestätigt, obwohl offiziell darüber noch nichts bekannt gegeben wurde. Während nämlich der Feldzeugmeister Puchner gegen die Szekler gezogen war, drang der Jnsurgentcnchef mit seinem Korps von 12,000 Mann plötzlich wieder von Vasarhely gegen Süden vor, und führte diesen Schlag trotz des russischen Schutzes gegen unglückliche Hermannstadt aus.

Ueber Komorn verlautete heute nichts weiteres, als

das

daß ein

von wie

die Beschießung fortgesetzt wurde. Gestern ist abermals Dampfboot mit einem frischen Transport von Bomben hier dahin abgegangen. Die Festung dürfte sich übrigens, man allgemein behauptet, nicht lange mehr halten können. Auch Peterwardein dürfte dieser Tage ernstlich in Angriff ge, nommen worden seyn , da das Korps des Feldzeugmeisters Nugent, welcher in Mohacs stand, bereits gegen Peterwardei« aufgebrochen war, um das Bombardement gegen diese Festung zu eröffnen.

Italien.

Eine Korrespondenz derEidgenössischen Zeitung" aus Arona 24. März bestätigt unsere gestrige Nachricht von der Schlacht zwischen Mortara und Novara vom 23., und bringt noch mehrere Einzelnheiten: Gestern entbrannte unfern Novara (alla Bivocca) der wüthendste und blutigste Kampf, den man je gesehen. Die Unsern (Piemontesen) waren trefflich postirt und brachten die Ocsterreicher zum Weichen, als man diese plötzlich wieder vorrücken und das verlorene Terrain wieder einnehmen sah, und man weiß bestimmt, daß sie diese Nacht in Novara eingerückt sind. Die Kanonade dauerte ununterbrochen von 11 bis 7 Uhr gestern Abends. Man kann noch nicht wissen, wie stark das feindliche Heer ist, doch kann es mit Sicherheit auf 50,000 Mann angeschlagen werden.