Nassauische
Allgemeine Zeitung.
M 76. Freitag Seit 30. März 1849.
Zweite Ausgabe.
Uebersicht.
Amtlicher Theil.
Dienstnachrichteii.
Nichtamtlicher Theil.
Annehmen oder ablehnen.
Wie ein Laie über die neue Kirchenreform denkt.
Deutschland. Aus dem Amte Hochheim (Gemeindebesteuerung).—
Aus dem Ma in gründ (Fehlgriffe eines Bürgermeisters). — M ainz (Die Markterzesse). — Frankfurt (Reichstag. Die Deputation nach Berlin). — Kassel (Die Zivilliste). — Dessau (Schlußrede des Ministers Habicht). — Berlin (Hansemann. Preußen und Deutschland).— Hamburg (Die preußischen Reichstruppen nach Schleswig-Holstein).
Frankreich. Paris (Tagesbericht).
Dänemark. Kopenhagen (Der Waffenstillstand).
Schweiz. Basel (Verwundete aus dem italienischen Krieg).
Sprechsaal für Stadt und Land.
Amtlicher Theil.
Dem Pfarrer Giershausen zu Eubach ist die Pfarrei Brandoberndorf, dem Pfarrer Seyberth zu Nauheim die Pfarrei Eubach, dem Pfarrer Schellenberg zu Cleeberg die Pfarrei Nauheim, und dem Vikar Schilling zu Brandoberndorf das Pfarrvikariat zu Alpenrod übertragen worden.
Der Kandidat der Medizin Dr. Otto von Herborn ist zum Medizinalassistenten daselbst ernannt worden.
Der Rezepturbeamte Hofkammerrath Kugelmann zu Wallau ist in den Ruhestand versetzt, und dem Revisionsrath Hein die provisorische Verwaltung der Rezeptur Wallau übertragen worden.
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Nichtamtlicher Theil.
Annehmen oder ablehnen.
(Aus der Oberpostamts-Zeitung.
Nahe dem Ende des sechsten Jahrhunderts seit dem großen Zwischenreich, wie unsere Vâter die Periode vom Tode Friedrichs II. bis zur Wahl Rudolphs von Habsburg nannten, in der der Glanz von Deutschland ausgcloscht schien auf ewig, schließt das zweite größere Zwischenreich mit der Berufung des Hohenzollern'schen Hauses zur Kaiserwürde der Deutschen.
Kräftig und strebsam hat dieses HauS von dem großen Kurfürsten an in den auf einander folgenden Regenten eine Reihe seltener Eigenschaften, wie sie zur Erfüllung der eigenen Geschicke und deren des Volks erforderlich war, an den Tag
gelegt, und vor allen Regentengeschlechtern die Gunst des Glückes erfahren. Was zu seinem Verderben gereichen sollte, ist ihm zum Segen ausgeschlagen. Ohne den gedehnten, darum schwächenden und vielleicht darauf berechneten Länderbesitz würde cs sich nie so weit in Deutschland eingebürgert haben, um als Mitbewerber mit dem Hause Habsburg auch nur in Rede zu kommen. Ohne die Zauberworte, welche Friedrich Wilhelm I V. in Königsberg und Berlin gesprochen, und die der Genius der Geschichte in seine eherne Tafel eingetragen, jede deutsche Mannesbrust aber treu bewahrt hat, wäre der Gedanke der Freiheit, Selbstständigkeit und Einheit schwerlich je zur That geworden.
Der Geist von Altdeutschland ist zweimal mahnend dem Hause Hohenzollern entgegen getreten, 1815 und 1830: er bot beivesmal Großes für einen großen Entschluß, für eine rettende That; beivesmal ist er nicht verstanden worden. Hoffen wir, daß er zum drittenmale nicht vergebens mahne!
Jedes Volk ist von der Natur dazu bestimmt, nur einen Geist und einen Leib zu haben. Zur Einheit konnte nur die Krone oder die Jakobinermütze führen.
Die Sünden der Vergangenheit haben uns hart an den Abgrund der Republik gebracht; es waren die Sünden der Fürsten, welche vas Volk zu büßen hatte. Der Abgrund ist glücklich vermieden um den Preis des KaiserthumS. Bliebe dieser ungezahlt, so möchte es wohl schwerlich menschlicher Macht gelingen, den Strom zu dämmen oder das Schiff an den Klippen vorüber zu leiten; wir würden ohne Kompaß segeln und die Prophezeiung des großen Prometheus würde zur Wahrheit werden: „republikanisch oder kosakisch!"
ä Wie ein Laie über die neue Kirchen- reform denkt.
(Schluß.)
Aber wir wollen auch einiffal die andere Seite besehen. Wie steht's mit den Geistlichen? Das darf ein Laie wohl fragen, da ihr Herren doch auch so oft über das Verderben der Welt klagt und Alles auf die Gemeindeglieder schiebt. Seyd ihr denn wirklich alle ehrwürdig, wie euer Titel lautet? Seyd ihr alle uns Musterbilder-in Wort und That, wie ihr seyn sollt? Wißt und thut ihr alle, was eures Amtes ist? Versteht ihr das Volk in seinen wichtigsten Bedürfnissen , und steigt ihr in warmer Liebe zu ihm herunter? Begreift ihr wahrhaft diele gewichtige Zeit, und habt ihr die Weisheit, euch in sie mit Würde zu schicken? Habt ihr bei eurer Anstellung mit dem Dekrete vom Landesherr» auch den Beruf der Natur, die Weihe vom Herrn der Kirche mitgebracht? — Das sind viele und gewichtige Fragen; die Antwort darauf ist nicht schwer, leider zum Theil mit Händen zu greifen. Ich will euch einmal sagen, ihr geistlichen Herren, waS wir von unserem Pfarrer, den wir Seelsorger nennen, verlangen. Zuerst verlangen wir, daß er vor Allem ein Geistlicher seyn soll iw voller Wahrheit. Er soll nicht versunken und erstickt seyn in