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fett seyn, seine Kraft auS dem Volke zu schöpfen, die allge­meine Volkswehr zu errichten, die stehenden Heere zu vermin­dern. Es ist nicht ohne Beispiel in der Geschichte, daß Volker ihre Freiheit einem Könige anvertrauten, aber ohne Beispiel ist's, daß dies geschah der großen Hausmacht dieses Königes wegen (Widerspruch). Die Konstitution unter unserm neuen Kaiserreiche wird ein Stück Papier seyn. (Sehr wahr! von der Linken.) Es ist die Ebbe, die nach der Fluth folgt, in der wir uns befinden, es ist der Rückschlag nach dem Vorwarts- drängen, was Sie zum Erbkaiser treibt. Allein dies Philister- thum bietet keine Elemente der Begeisterung, keinen Stoff zum Aufbau dar. Der Redner sucht dann weitläufig zu begründen, daß sich nur die verleugneten Nalioualitätsrechte in der Ab­lösung Oesterreichs an Deutschland rächen. , Wollten wir ein einiges und freies Deutschland, so hätten wir auch ein freies Italien, Unaarn, Polen Herstellen müssen. Dann würden wir Oesterreich nicht an die Politik Habsburgs verloren haben. Der einzige Ausweg aus diesem Dilemma ist daher, daß man den österreichischen Brüdern wider die oktroyirte Verfassung zu­nächst durch das moralische Ansehen der Nationalversammlung und durch eine kriegerische Demonstration helfe selbst wenn ein Bürgerkrieg daraus entstehe. Die Vorschläge der Aus­schußmehrheit dagegen empören sein ganzes sittliches Gefühl. (Beifall von der Linken.) (Schluß f.)

Frankfurt, 20. März. (Pari. Korr.) Man erzählt von einer Besprechung des Reichskriegsministers mit den Komman­danten der verschiedenen Truppen, welche die hiesige Garnison bilden. Der Kriegsminister sprach die Erwartung aus, daß Offiziere und Soldaten auch fernerhin festhalten würden an der Einheit und Verbrüderung, welche ihnen bisher zu so hohem Ruhme gereicht hätten. Der wackere Kommandeur des österreichischen Bataillons reichte dem Minister die Hand und sprach mit Thränen im Auge:er bürge für seine Soldaten, sie würden sich ihrem Ruhme, ihrer Ehre und ihrer Disziplin niemals unwürdig zeigen. Mit solcher Gesinnung gehen Oester­reich und Deutschland einer festen Verbrüderung, einer glor­reichen und glücklichen Zukunft entgegen! Leider verläßt uns morgen eins der hier stationirten bayerischen Bataillone, es nimmt unsre Achtung und unsere treuen Wünsche auf den Schauplatz des Krieges mit.

Köln, 20. März. (K. Z.) Der Andrang zu dem gestern von der demokratischen Partei auf dem Gürzenich-Saale ver­anstalteten Revolutions-Banket war gleich nach Eröffnung des Saales sehr groß; viele mußten zurückgewiesen werden. Es mochten über 3000 Personen auf dem Saale versammelt seyn, unter denen auch viele Frauen. Der Eintrittspreis war auf 4 Sgr. gestellt, wobei die Damen freien Zutritt hatten. An rothen Mützen, Schärpen und Bändern war kein Mangel, wie man leicht denken kann; wir sahen Einen, der ganz roth gekleidet war. Um 11 Uhr war die Feier, die sonst ohne alle Störung vorüber ging, zu Ende. Mit Anbruch des Abends durchzogen starke Piquets, von Offizieren geführt, die Stadt.

Berlin, 18. März. (K. Z.) Die Nachrichten über Fort, dauer der Waffenruhe und über die Nähe des Friedens mit Dänemark werden von allen Seiten bestätigt. Die heutige Deutsche Reform" berichtet:Die dänische Frage ist in ein neues Stadium getreten; die Aussichten auf einen baldigen Friedensschluß sind günstiger als je. Lord Palmerston hat durch den englischen Gesandten bei der Zentralgewalt, Lord Cowley, seit längerer Zeit in diesem Sinne wirken lassen, was sich auch durch 'tie uns zugegangene Nachricht bestätigt, daß der am 12. in Kopenhagen angelangte englische Kurier nicht von London kam, sondern von Lord Cowley aus Frank­furt. Nach den neuesten durchaus zuverlässigen Nachrichten aus Frankfurt ist in Folge einer zwischen Gagern und Cowley ge­troffenen Übereinkunft an Bunsen in London ein Kurier mit der Weisung abgegangen, auf Grundlage der von Lord Pal­merston ausgestellten Bedingungen die Unterhandlungen wie­der anzuknüpfen, was mit Sicherheit schon in der nächsteu Zukunft eine friedliche Lösung der für den europäischen Frie­den so bedrohlichen Frage erwarten läßt.

Wien, 16. März. (O.-P.-A.-J.) Die Hinrichtung der Mörder Latours soll nun demnächst erfolgen; fünf derselben

haben bereits ihre unmittelbare, thätliche Betheiligung an dem Morde vor Gericht bekannt. Sie heißen: Wangler, Fischer, Brambosch, Jurkowisch, Kohl: Schwergravirt durch Zeugen­aussagen sind noch drei andere: Wilhelm, Nemetz und Neu­meyer; letzterer wird beschuldigt, mit einem entwendeten Pionir- säbel dem Grafen einen Hieb in den Kopf verletzt zu haben, so wie gegen den Kaltundrucker Nemetz der Verdacht vorliegt, daß er jener Unglückselige gewesen, der im demokratischen Zen- trakGreine sich laut rühmte, dem Grafen ein spitzes Eisen in den Hals gestoßen zu haben. Als merkwürdig in mancher Be­ziehung steht der Zimmermaler Brambosch da. Seine noch lebende bejahrte Mutter diente, ihr Geschlecht verhehlend, als Soldat unter Napoleon, und fand Gelegenheit/sich um die Person des Kaiser dergestalt verdient zu machen, daß er ihr das Kreuz der Ehrenlegion verlieh. Zwölf Söhne entsprossen dem Schooße dieses tapferen Weibes, von denen elf ruhmvoll vor dem Feinde blieben, während den zwölften der schimpfliche Tod des Verbrechers erwartet.

Frankreich.

Paris, 19. März. Der Moniteur du soir meldete gestern Abend den Tod des Königs von Holland. Der große Moniteur fügt diesen Morgen einige Details über die letzten Augenblicke des Verstorbenen hinzu und sagt, daß ein Eilbote den Prinzen von Oranien (Thronfolger) aus London, wo er sich eben aufhielt, zurückgerufen habe. Hoffentlich ist derselbe bereits im Haag eingetroffen und hat die Zügel der Regierung übernommen.

Wie man hört, hat General Aupir, unser Vertreter an der Pforte, auf Abberufung unseres Konsuls in Bucharest angetragen. Derselbe sey zu lau gegen die russischen Ueber- griffe.

Paris besitzt seit gestern ein neues Journal,Le Com- muniste." verwahrt sich in seiner Probenummer gegen jede Gewaltthat, und will die Gütergemeinschaft mit Sanftmuth predigen und in's Leben rufen.

Schweden.

Schweden und Norwegen zeigen durchaus keine Neigung mit Dänemark oder vollends mit dem gehaßten Rußland im Einverständnisse zu handeln; doch sind mehrere schwedische Mi­litärpersonen nach Dänemark gereist, um als Freiwillige im däni'chen Heere zu dienen, auch ist ein dänischer Offizier nach Stockholm gekommen, um dort für Rechnung seiner Regierung zwei Dampfschiffe anzukaufen.

In Dalekarlien haben die Bauern aus Abneigung gegen die neue Schulordnung ein Schulhaus in Brand gesteckt. Es sind die alten rauhen Söhne des Thals !

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

223] Nach Beschluß der gestrigen Versammlung findet heute,

Donnerstag den 22. März, Abends 7V2 Uhr, im Gasthaus jum Adler eine außerordentliche

Versammlung des Bürgervereins zur Besprechung über die neueste Wendung der deutschen Ver- fassungsangelegenheit, statt.

Die erste Ausgabe des politischen Blattes wird an jedem Werktage, Abends um 6 Uhr, ausgegeben oder kann im Erpeditionslokale abgeholt werden.

Die Expedition der Nast. Allg. Zeitung.

Druck und Verlag-der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.